Fragen an… Ingrid Metz-Neun

„Nächster Halt ...“

Sie begleitet uns jeden Tag in der U-Bahn oder der AKN, sagt mit angenehmer Stimme die nächste Haltestelle an oder vertröstet uns mit ihrer sympathischen Art, dass der Zug ein wenig später ankommt als geplant: Die Rede ist von Ingrid Metz-Neun, dem akustischen Aushängeschild der HOCHBAHN und der AKN. Sie war so freundlich, ein paar Fragen zu beantworten.

Zur Person

Ingrid Metz-Neun, 60, ist nicht „nur“ eine gefragte Sprecherin für Werbung, Hörspiel, Trick- oder Spielfilme, sondern schreibt auch Dialogbücher. Ebenso führt sie Dialogregie, z.b. beim Film „Zimmer 401 – Rückkehr aus der Vergangenheit“ (2007) oder „Mathilde“ (2004). Nicht weniger als vier Firmen hat sie gegründet, unter anderem das Label „Voiceart“, wo Hörspiele und -bücher entstehen. Unter der Flagge von „Voice Feeling“ werden Workshops für Anfänger, Schauspieler, Moderatoren u.a. angeboten. Daneben findet sie auch noch Zeit, Kurzgeschichten und Gedichte zu schreiben …
Zusammen mit Peter von Krusenstern und Verena Ludwig betreibt sie ferner ein Blog.


Rycon:
Verehrte Frau Metz-Neun, Sie sprechen ja nicht nur für die Hamburger U-Bahn und die AKN, sondern sind unter anderem auch bei der Berliner BVG oder der Rheinbahn zu hören. Wie läuft ein solcher Auftrag ab?

Metz-Neun: Da ich es ja schon sooo lange mache, ganz einfach: ich bekomme eine mail mit den zu sprechenden Ansagen, ich spreche sie, dann werden evtl. Versprecher rausgeschnitten, normalized, gebounct, als mp3 oder wav verschickt.

Rycon: Gehen die Unternehmen auf Sie zu oder müssen Sie sich auf Ausschreibungen bewerben?
Metz-Neun: Ich hatte das große Glück, mich noch nie um etwas bewerben zu müssen. Die Firmen kommen auf mich zu.

Rycon: Sie sprechen für sehr viele Verkehrsunternehmen. Kommt dieses durch Werbung für Sie unter den Unternehmen oder sind Sie gezielt auf diese Branche zugegangen?
Metz-Neun: Vor 35 Jahren hat den Frankfurter Verkehrsbetrieben meine Stimme gefallen. So fing es an.

Rycon: Wie geht eine professionelle Sprecherin mit den verschiedenen Aussprachen, z.B. der Stationsnamen um, die ja einem gewissen Lokalkolorit unterliegen?
Metz-Neun: Ich rufe bei der Stadt oder beim Touristenbüro an und versuche, mich kundig zu machen. Wenn keiner helfen kann, nehmen wir verschiedene Alternativen auf.

Frau Metz-Neun in ihrem Studio

Rycon: Seit Ende Juni 2009 wurden neue Ansagen bei der U-Bahn eingeführt. Viele – so auch ich – waren der Meinung, es handele sich um eine andere, wenn auch ähnlich klingende, Sprecherin. Sind unsere Ohren so schlecht oder gibt es dafür eine Erklärung?
Metz-Neun: Leider war ich in der letzten Zeit nicht in HH, dann könnte ich es besser beurteilen. Mir wurde nur gesagt, dass die Geräte ausgetauscht würden und deshalb noch einmal neue Ansagen gebraucht würden.

Rycon: Produzieren Sie in einem eigenen Studio oder organisiert das der Auftraggeber?
Metz-Neun: Wenn Sie mal auf meine private HP schauen: http://www.ingrid-metz-neun.com dann werden Sie entdecken, dass meine Hauptaufgabe das Synchronisieren von Spielfilmen ist. Dafür habe ich 3 eigeneTonateliers.

Andere Sprecher in Hamburger Verkehrsmittel

Bei S- und Regionalbahn sowie auf vielen Buslinien informiert der DB-Haus- und Hofsprecher Ingo Ruff über die nächste Ausstiegsmöglichkeit. Bei der HOCHBAHN ist weiterhin – wenn auch selten – eine Busfahrerin eingespielt; Der Sprecher für die englische U-Bahnansage ist leider nicht bekannt.

Rycon: Sie sagen nicht nur die nächste Haltestelle an, sondern es wurden auch Bahnsteigdurchsagen aufgenommen. Wie viele Ansagen haben Sie allein für die HOCHBAHN produziert?
Metz-Neun: Ehrlich, keine Ahnung.

Rycon: Kräuseln sich bei Ihnen auch die Nackenhaare, wenn Sie computergenerierte Ansagen hören?
Metz-Neun: Absolut, aber nicht nur da. Wann immer ich im Fernsehen, Rundfunk oder bei Durchsagen unprofessionelle Stimmen höre, finde ich das schrecklich. Ich finde es schade, dass viele Menschen nicht den Wert einer guten Stimme erkennen. Man kann damit so viel erreichen. Churchill soll einmal gesagt haben: Es kommt nicht darauf an, was man sagt, sondern wie man es sagt. In gewisser Hinsicht hatte er Recht.

Mehr zum Thema im Internet:

  • Mitschnitte von Ansagen aus verschiedenen Städten finden sich auf haltestellenansage.de
  • Aus der Abteilung „nichts, was es nicht gibt“ finden sich Sammlungen (respektive Hörproben) von Ingrid Metz-Neun auch auf YouTube: Berliner Ansagen und von der AKN.

— OR; Fotos: © Ingrid Metz-Neun 2010

One response to this post.

  1. […] Fragen an… Ingrid Metz-Neun (Sprecherin, u.a. in der Hamburger U-Bahn) […]

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