Näu-ä An-sa-gen iin Bu-us uun-nd Uh-Bah-han ge-ä-plaant –

Die Hamburger Hochbahn AG, welche die U-Bahn und einen Großteil des städtischen Busverkehrs betreibt, will künftig professionelle Sprecher in die Wüste schicken und auf Kollege Computer setzen. Derzeit wird ein Testeinsatz mit  computergenerierten Ansagen auf der StadtBus-Linie 171 und der SchnellBus-Linie 36 durchgeführt. Verläuft der Test „erfolgreich“, will man alle Bus- und U-Bahn-Linien umrüsten.

Man empfindet es als zu aufwendig und zu kostspielig, Ansagen durch ein professionelles Studio von einem vernünftigen Sprecher aufnehmen zu lassen. Zum Einsatz kommt das Programm Voice Reader Studio, das mit einmalig 499 Euro natürlich unschlagbar billig ist.

Kommentar | Diese Idee ist scharf zu kritisieren. Fahrpläne, digitale Anzeiger, Fahrkartenautomaten: Der moderne Nahverkehr ist geradezu entmenschlicht. Es gibt gar Bestrebungen, (wenn auch noch nicht, bzw. nicht mehr in Hamburg) die U-Bahnfahrer durch Computer zu ersetzen. Wenigstens die aufgezeichneten Ansagen kommen noch von einem echten Menschen aus Fleisch und Blut.

Die Begründung, aus Kostengründen und wegen des Aufwands umzubauen, ist traurig. Mit dem gleichen Argument könnte man auch die Fahrzielanzeiger aus den Bussen ausbauen, denn man habe ja so viele Ziele, da sei der Aufwand einfach zu hoch – wir bitten um Verständnis.

Und wir reden hier ja nicht von irgendeinem mickrigen Busunternehmen, das in der Pampa mit ein paar abgelutschten Karren herumfährt; das kleine Unternehmen scharf auf die Kosten gucken müssen, kann man ja noch verstehen. Aber hier ist es die Hamburger Hochbahn AG, das zweitgrößte Nahverkehrsunternehmen Deutschlands. Kostendruck schön und gut, aber professionelle Sprecher gehören doch zur Außendarstellung eines Unternehmens, genauso wie die Lackierung der Fahrzeuge oder ein einheitliches Firmendesign. (Wenngleich beim nagelneuen U-Bahn-Fahrzeug DT5 auch auf eine vernünftige Lackierung verzichtet wird, er wird nackig herumfahren, wie die uralten Kisten aus den 70ern, ähnlich einem Edelstahl-Kochtopf. Es ist beinahe schon ein Wunder, das man – trotz der Kosten – noch Sitze einbaut. Aber an diesem „Problem“ arbeitet man im Busbereich auch schon.)
Kein Fernseh- oder Radiosender käme auf die Idee, aus Kostengründen und weil es zu viel Arbeit macht, ihre Sprecher abzuservieren und durch Computer zu ersetzen. In keinem Werbespot oder Firmenfilmchen wird so etwas eingesetzt. Warum? Weil Computerstimmen unsympathisch sind und sich widerlich anhören, was auch auf ein Unternehmen ausstrahlt, das diesen Kram einsetzt.

Das müsste man gerade bei der HOCHBAHN wissen: Als vor einiger Zeit Kinder die Haltestellen in der U-Bahn ansagten, stieß diese Aktion auf große, positive Resonanz bei den (meisten) Leuten, so dass man die Aktion deutlich verlängerte. Die PVG, bei Marketingdingen traditionell sehr pfiffig, machte letztes Jahr zum Thema Haltestellenansagen sogar eine Castingaktion. Damit liegt der Beweis für den positiven Imageeffekt doch auf der Hand: Der Kunde sieht nicht nur, er hört auch. Mancher Aufwand lohnt sich eben doch.

Jedes vernünftige, große Verkehrsunternehmen setzt auf menschliche Sprecher, selbst die knickrige Deutsche Bahn oder der metronom oder (im Regelfall) die „kleine“ AKN.

Nu-r—b-ai—derrr—Hhooochch—ba-han—brau…chcht—ma-n—ball-ld–Ohhr-stöpp-säl —
(Um fair zu bleiben: Besser hört es sich dann schon an. Besser ist aber manchmal nicht gut genug.)

Mehr zum Thema auf Rycon:

— OR

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One response to this post.

  1. Posted by HVV_Insider on 22.11.2011 at 16.45

    Alles gut und schön – ich mag die Ansagen auch nicht. Aber die Information, dass diese Ansagen auch in der Bahn eingesetzt werden sollen, sind schlichtweg FALSCH.

    Wäre dies so geplant gewesen, würden auch die neuen Ansagen zum neuen HVV-Alkoholverbot wohl mit diesem PC Programm realisiert worden sein.

    Die neue Ansage zum Alkoholkonsumverbot wurde z.B. u.a. auch von Ingrid Metz-Neun besprochen – aber nicht genutzt.

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