Posts Tagged ‘HVV’

Tarifanhebung, Sozialkarte, Sperrzeit, Hanseboot, Sperrungen

Tarifanhebung | Der Hamburger Senat hat wie erwartet den HVV-Antrag auf Tariferhöhung abgenickt. Abgesehen davon, dass die Bürgerschaft darüber auch noch einmal schwadronieren will, ist die Fahrpreiserhöhung damit unter Dach und Fach. Über das gesamte Angebot hinweg steigt der Preis um durchschnittlich 3,5 Prozent. Eine Übersicht der ab dem 01.01.2013 geltenden Preise findet sich in diesem [PDF]. +++

Sozialkarte | Für sozial schwächere Menschen gewährt die Stadt Hamburg auf das HVV-Zeitkartensortiment einen Zuschuss („Sozialkarte“). Dieser steigt nun von 18 Euro auf sagenhafte 19 Euro; vorangegangen war unter den Behörden ein Hickhack, aus welchem Etat die zu erwarteten Mehrkosten – 600.000 Euro – aufzubringen sind. Hängen bleibt der Betrag beim Verkehrssenator Frank Horch. +++

Sperrzeit | Die AKN weist mit deutlichen Worten auf die im HVV geltenden Sperrzeiten für die Fahrradmitnahme hin. Bisher hätte man Einzelfälle meist toleriert, ab jetzt ist aber Schluss mit lustig: 15 Euro müssen beim erwischtwerden den Besitzer wechseln. Dafür gibt’s nicht einmal eine Fahrkarte für den Drahtesel, denn selbiges muss aus dem Zug entfernt werden. Generell beobachtet die AKN, dass Fahrradfahrer „nicht die gebotene Rücksicht auf Fahrgäste“ nehmen. In den Hauptverkehrszeiten sind die Verkehrsmittel im HVV meist brechend voll, eine Fahrradmitnahme ist daher Montag bis Freitag von 6 bis 9 und von 16 bis 18 Uhr nicht gestattet. +++

Hanseboot | Vom Samstag, 27.10. bis Sonntag, 4.11.2012 öffnet die Hanseboot fürs Publikum die Tore. Jeder HVV-Kunde mit einer gültigen Fahrkarte bekommt die Eintrittskarte zum Vorzugspreis. +++

Baubeginn | Nicht weniger als der „modernsten Busbetriebshof Europas“ soll auf dem größten Betriebshof der HOCHBAHN in Langenfelde entstehen. Am gestrigen Mittwoch wurde der Baubeginn gefeiert, der nach 37 Millionen Euro Investitionen Ende 2014 fertiggestellt werden soll. +++

S21-Sperrung | In S Nettelnburg kommen die Bahnsteigkanten an die Reihe, sie werden erneuert. Zwischen Mittlerer Landweg und Bergedorf wird die S-Bahn durch den Bus ersetzt, und zwar vom Freitag 23.30 Uhr bis Montag, 3.30 Uhr. [Weitere Infos] +++

R60/R70-Sperrung | Von Samstag, 1 bis 5 Uhr sowie ab 16 Uhr bis Sonntag 17.30 Uhr wird an Bahnübergängen zwischen Elmshorn und Pinneberg gewerkelt. Die meisten Züge zwischen Hamburg/Pinneberg und Elmshorn fallen aus. Als Ersatzverkehr dient die S3 bis Pinneberg, dort geht’s mit dem SEV-Bus weiter nach Elmshorn. Die Flensburger RegionalExpress-Züge fahren nur von/ab Neumünster; dort besteht Anschluss an den RegionalExpress nach Kiel. +++

A1-Abweichungen | Wegen Kabelkanalarbeiten am Samstag und Sonntag in Quickborn und Quickborn Süd legen die A1-Züge nicht von ihren Stammbahnsteigen ab. [Mehr Infos] +++

Winterzeit | Am Sonntag müssen die Uhren, wenn sie es nicht schon selbst erledigen, umgestellt werden, nämlich von 3 Uhr auf 2 Uhr. +++

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ZOB Bergedorf, Schenefelder Platz, Rocky-S-Bahn, Sperrungen

ZOB Bergedorf | Die „Bergedorfer Zeitung“ berichtet, dass die „letzte Bastion der Raucher“ – der zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) – unter freiem Himmel zur Nichtraucherzone erklärt werden möchte. Offenbar hat man bei der VHH aber andere sorgen als diesen Schmarrn, so wird VHH-Außenminister Kay Goetze mit den Worten zitiert: „Wir diskutieren das Thema schon seit geraumer Zeit. Eine Variante könnte sein, die Wartezone in einen Raucher- und einen Nichtraucherbereich zu teilen. Die Entscheidungsfindung läuft, aber es gibt noch kein Ergebnis.“ +++

Schenefelder Platz | Gut 50.000-mal steigen Leute in und aus den Bussen am Schenefelder Platz, der weder optisch noch Platztechnisch als optimal gelten darf. Die PVG wünscht sich daher, das in diesem Knotenpunkt endlich investiert wird. Neben dem unattraktiven Erscheinungsbild sorgt auch die Anzahl und Größe der Überliegeplätze (Parkplätze für pause machende Busse) für Ungemach, berichtet die Pinnerberger Ausgabe des „Hamburger Abendblatt“. Für Richtung Betriebshof aussetzende Busse bittet das Verkehrsunternehmen seine Fahrer, künftig Fahrgäste mitzunehmen. Außerdem wünscht sich die Stadt Schenefeld ein CityTicket zum Preis von 1,30 Euro, hierfür will man sich mit dem HVV zusammensetzen. +++

Rocky-S-Bahn | Ein bissel optische Abwechslung bringt ein für das Musical „ROCKY“ gestalteter S-Bahn-Triebzug. Bis Anfang 2013 verkehrt der heute der Presse Vorgestelter 3-Wagen-Zug im hiesigen Liniennetz. +++

R21-Sperrung | Zwischen Lübeck Hbf und Büchen werden von Freitag, 12.10. 19 Uhr bis Samstag, 13.10.2012, 2 Uhr die Gleise in beide Richtungen gesperrt, um Schienenschleifarbeiten durchzuführen. Ein Schienenersatzverkehr wird eingerichtet. Zwischen Hamburg und Büchen verkehren die Züge nach Plan.
Von Montag. 15.10.2012 bis Montag, 05.11.2012 (!) gehen die Brückenarbeiten weiter und die Strecke zwischen Lauenburg und Lüneburg wird gesperrt, auch hier sorgt ersatzweise der Omnibus fürs Fortkommen. Von/ab Lauenburg geht der Zugverkehr nach Plan weiter. +++

Elmshorn | Auf dem Zettel stehen reichlich Beeinträchtigungen in und um Elmshorn. Sonntagnacht fangen sich die Züge zwischen Elmshorn und Pinneberg (0.15 Uhr bis 5.00 Uhr) jeweils eine zehnminütige Verspätung ein, da auf der Strecke Schienenschleifarbeiten durchgeführt werden. In der Nacht von Sonntag auf Montag – Sonntag, 23.30 Uhr bis Montag, 0.45 Uhr – wird wegen Gleisbauarbeiten die Strecke Elmshorn ↔ Pinneberg ganz gesperrt und durch Busse ersetzt. +++

R70-Sperrung | Samstagnacht, genauer von 2.15 Uhr bis 7.30 Uhr, fallen wegen Brückenarbeiten die R70-Züge zwischen Altona und dem Hauptbahnhof aus. Die Züge starten/enden statt im Hauptbahnhof bereits in Altona. Von dort geht’s weiter mit der S1 oder S3. +++

SO 14.10.2012 | Beginn des internen U-Bahn-Winterfahrplanes. +++

Schmidt & Steinbrück

Peer Steinbrück ist für die kommende Bundestagswahl bei der SPD als Spitzenkandidat vorgesehen. Damit haben sich die Sozis für den aussichtsreichsten Kandidaten aus der Troika (Gabriel, Steinmeier, Steinbrück) entschieden. Sollte er der nächste Kanzler werden, wäre es – nach Helmut Schmidt und Angela Merkel (die zwar als Ostdeutsche aufwuchs, aber gebürtige Hamburgerin ist) – das dritte Kind dieser Stadt, welche das dritthöchste Amt in der Bundesrepublik bekleidet. Zwischen Hamburg und Bayern stünde es dann 3:0.

Zwischen Schmidt & Steinbrück gibt es eine Menge parallelen. Zum Beispiel, dass beide ihre Fußabdrücke im Hamburger Nahverkehr hinterlassen haben.

Helmut Schmidt wurde 1952 Leiter des Amtes für Verkehr und in dieser Eigenschaft auch zuständig für die Hamburger Hochbahn, die S-Bahn und die Straßenbahn. Den HVV gab es seinerzeit noch nicht, der erblickte erst – als weltweit erster Verkehrsverbund überhaupt – am 29.11.1965 das Licht der Welt.

Der ursprünglich gegründete HVV – Gesellschafter waren HOCHBAHN, Bundesbahn und andere Verkehrsunternehmen – wurde Anfang 1996 beerdigt und ein neuer gegründet. Diesmal mit den Gesellschaftern Hamburg, die nördlich angrenzenden Kreise bzw. Bundesländer Schleswig-Holstein und später Niedersachsen sowie als GmbH.

Unter dem am 10.01.1996 unterzeichneten Gesellschaftervertrag findet sich auch die Unterschrift von Peer Steinbrück, der als schleswig-holsteinischer Minister für Wirtschaft, Technik und Verkehr an den „neuen“ HVV mitwirkte.

Was mal wieder beweist: Die Welt ist klein. ♦

„Neue Linien, dichtere Takte, größere Fahrzeuge“

Der HVV präsentierte, zusammen mit Verkehrssenator Frank Horch und Staatsrat Andreas Riekhof, die umfangreichen Leistungsausweitungen zum kommenden Fahrplanwechsel am 09.12.2012. Die meisten Anpassungen stehen bereits hier im Blog, Änderungen ergeben sich nur in einigen Details. Wichtigste: Die neue Hafenrandlinie hört nicht mehr auf die Arbeitsbezeichnung „Stadtbuslinie 212“, sondern wird als 111 in den Fahrgastbetrieb gehen.

Im Folgenden sei aus der HVV-Pressemitteilung großzügig zitiert, da steht alles wunderbar ausformuliert:

Die wichtigsten Neuerungen ab 9. Dezember sind:

U-Bahnlinie U 4

Die U-Bahnlinie U4 nimmt ihren Betrieb auf und verkehrt zwischen den Haltestellen Billstedt und Hafencity im 10-Minuten-Takt. Bis zur Haltestelle U Jungfernstieg fährt die neue U4 auf der gleichen Strecke wie die U2 und erhöht auf diesem Abschnitt die Kapazitäten.

Gleichzeitig wird in der Hafencity das Busangebot angepasst:

Stadtbuslinie 111

Die neue Linie 111 verkehrt als „Hafenrandlinie“ im 20-Minuten-Takt ab Bahnhof Altona über die Haltestellen Große Elbstraße, Reeperbahn und St. Pauli-Landungsbrücken bis zur Haltestelle U Überseequartier. Damit wird die Große Elbstraße mit dem zweiten Fährterminal und den neuen Gewerbeansiedlungen deutlich besser bedient. Außerdem werden mit der neuen Linie 111 auch die Wohngebiete im Bereich Pepermölenbek sowie die neu entstandenen Wohn- und Geschäftsbereiche in der Davidstraße und in der Bernhard-Nocht-Straße angebunden und erhalten somit eine direkte Anbindung in die Hafencity.

Metrobuslinie 6

In Ergänzung zur U4 ändert sich die Linienführung der Metrobuslinie 6 und erschließt ab 9. Dezember mit rund der Hälfte der Fahrten die Speicherstadt. Die andere Hälfte der Fahrten führt die Linie 6 künftig ab Rathausmarkt außerdem auf einen neuen Linienast über die Haltestellen U Rödingsmarkt, Michaeliskirche (Ludwig-Erhardt-Straße) und U St. Pauli bis zur U Feldstraße. Darüber hinaus ist in der Budapester Straße in Höhe Paulinenstraße eine neue, gleichnamige Haltestelle vorgesehen.

Metrobuslinie 3

Künftig wird die Metrobuslinie 3 nicht mehr in die Hafencity, sondern vom Rathausmarkt über die Mönckebergstraße und die Amsinckstraße bis nach Rothenburgsort führen. Bis zur Endhaltestelle Kraftwerk Tiefstack wird diese neue Route im 10-Minuten-Takt mit Gelenkbussen bedient. Damit erhält der Stadtteil Rothenburgsort eine deutlich verbesserte direkte Anbindung an die Mönckebergstraße und den Rathausmarkt.

Stadtbuslinie 112

Die Stadtbuslinie 112 wird ab 9. Dezember über die Nordkanalstraße / Spaldingstraße, Albertstraße und die nördliche Hammerbrookstraße verschwenkt. Damit werden die dortigen Bürostandorte und Gewerbeansiedlungen besser angebunden.

Maßnahmenpaket „Harburger Hafen“

Der Harburger Hafen entwickelt sich durch die Ansiedlung neuer Firmen sowie der Außenstellen der TU Harburg zu einem Dienstleistungszentrum. Darüber hinaus ist auf dem ehemaligen Bahngelände westlich der Hannoverschen Straße umfangreicher Wohnungsbau geplant. Daher wird die Anbindung des Harburger Hafens zum Fahrplanwechsel neu gestaltet.

Auf der Stadtbuslinie 142 wird zwischen Heimfeld und Bahnhof Harburg der bisherige 6-Minuten-Takt auf einen 5-Minuten-Takt verdichtet. Außerdem wird die Linie mit einem 20-Minuten-Takt zum Harburger Hafen verlängert.

Daraus ergeben sich weitere Anpassungen auf den Harburger Linien 145, 153 und 154.

Fährlinien

Um den steigenden Fahrgastzahlen in der Fährschiffahrt gerecht zu werden und um die Elbinsel Wilhelmsburg anzubinden, gibt es bei den Fährlinien folgende Neuerungen:

 Fährlinie 72

Mit der neuen Linie 72 von den Landungsbrücken bis zur Elbphilharmonie erhält die Hafencity eine weitere Anbindung an die Hafenfähren. Aufgrund der räumlichen Nähe zur Elbphilharmonie wird der Anleger Sandtorhöft aufgegeben. Die Linie 72 verkehrt im 30-Minuten-Takt.

 Fährlinie 73

Auf der Schiffslinie 73 wird der neue Anleger „Ernst-August-Schleuse“ in Wilhelmsburg im 40-Minuten-Takt bedient, zunächst nur montags bis freitags. Damit ist Wilhelmsburg künftig auch von der Wasserseite her an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

Fährlinie 62

Mit Inbetriebnahme der neuen Linie 72 wird die Linie 62 künftig an der Endhaltestelle St. Pauli/Landungsbrücken halten und alle Fahrgäste aussteigen lassen. Ab dem Anleger Landungsbrücken fährt die Linie 62 unter Bedienung der bekannten Haltestellen wie bisher nach Finkenwerder und endet danach wieder an den Landungsbrücken.

Ungefähr 8 Millionen Euro soll das Paket jährlich kosten. Weitere Taktverdichtungen sind auf „vielen Linien“ und Einsatz größerer Fahrzeuge vorgesehen. Man will rechtzeitig vor dem Fahrplanwechsel detailliert informieren.

Unter anderem folgende Änderungen sind wahrscheinlich:

  • Fahrplanabstimmung der Linienpaare 7/172 und 177/277 in gemeinsamen Abschnitten.
  • Auf der 275 vormittags Verdichtung von 20 auf 10 Minuten.
  • Zur IGA soll die Metrobuslinie 13 bis abends alle 5 Minuten verkehren.
  • Metrobuslinien 20 und 25: langfristige Umstellung auf Gelenkbusbetrieb an Samstagen & Sonntagen, Realisierung zeitlich gestaffelt.
  • Stadtbuslinie 112: zusätzliche Verstärkerfahrten, verlängerte Betriebszeit, Änderungen am Linienweg.

Busbeschleunigungsprogramm

Für das Busbeschleunigungsprogramm wurde eine umfangreiche Homepage ins Netz gestellt. Unter www.via-bus.de werden die einzelnen Maßnahmen erläutert und Hintergrundwissen vermittelt. ♦

Fahrpreise steigen – nicht nur hier, sondern auch dort

Der HVV will am 01.01.2013 die Fahrpreise um durchschnittlich 3,5 % anheben. Die politische Zustimmung gilt als Formsache. Eine wunderbare Gelegenheit, sich über die viel zu hohen Preise aufzuregen und die schon obligatorischen „schon wieder!“-Rufe zu hören beziehungsweise zu lesen.

Das jährliche Ritual ist so vorhersehbar wie langweilig. Die Stromkosten steigen auch fast jährlich und der Treibstoff drüben an der Tanke sogar noch viel öfter; auch wenn er zwischen durch mal sinkt, im Jahresschnitt geht’s auch beim Autofahrer steil bergauf. Leider brauchen die angeblich so billigen Busse auch das Gesöff. Und neue Busse verbrauchen nicht weniger Treibstoff, sondern tendenziell eher mehr, was an der immer aufwendigere Abgasnachbehandlung liegt (und der Klimaanlage).

Die Spezialisten von der „Hamburger Morgenpost“ nahmen sich beherzt des Themas an und versuchten, die HVV-Preise mit denen aus Berlin, Köln, München und Frankfurt zu vergleichen. Heraus kam ein ziemlich armseliges Ergebnis und in der Latte von Leserkommentaren kam oft der berechtigte Einwurf, die einzelnen und willkürlich herausgegriffenen Tickets könne man gar nicht vergleichen. (Überhaupt reagierten viele der Leser weniger hyperventilierend, als die Journalisten.)

Es sei aber zugegeben, das solche Vergleiche extrem verführerisch sind, auch ich habe mich da abgemüht. Nur: Es gibt einfach keine objektive Möglichkeit, die Preise zu vergleichen. Viel zu viele Dinge sind zu berücksichtigen: Verbundraum, Einwohnerdichte, Größe der Kernstädte, Ausgestaltung der Angebote – nur um einige Parameter zu nennen.

Die Einzelkarte in Berlin hat natürlich einen ganz anderen Preis, als bei uns in Hamburg; dort wird der öffentliche Verkehr ja völlig anders abgewickelt. Wir setzen, so wollen es die Politiker und die Bürger, auf den so angeblich-billigen Busverkehr. Berlin dagegen ist durchzogen von einem engmaschigen Schienennetz, fünf (!) untereinander inkompatible Systeme – plus Bus – sorgen landseitig für das Fortkommen.

Stark auf den Preis wirkt sich aus, wie sehr die politische Klasse den Nahverkehr stützt. Berlin ist da offensichtlich sehr sozial. Die Hamburger Pfeffersäcke wollen aber lieber den Etat für den Nahverkehr deckeln, damit zusätzliche Mittel für die Straße eingesetzt werden können. Lieben Gruß an den ADAC, dessen Lobbyarbeit man in dieser Stadt wirklich nur bewundern kann.

So ganz ohne Vergleich kommt aber auch dieser Beitrag auf Rycon nicht aus. Man möchte ja doch schon wissen, ob die ständigen Behauptungen, der HVV sei der teuerste Verkehrsverbund der Republik mit den stärksten Steigerungen, belegbar sind.

Als Datengrundlage wurden jedoch nicht willkürlich Angebote herausgepickt, sondern schlicht die prozentualen Tarifanhebungen (Durchschnitt) der kommenden und gegenwärtigen Periode.

Hierzu wurden die Verbünde (keine angenehme Aufgabe) jeweils abgegrast. Der Fernverkehr der Deutschen Bahn AG zusätzlich als vergleich [i = Info/Quelle].

Verbund Kernstadt/Gebiet Erhöhung Seit/ab Letzte Anpassung
HVV Hamburg 3,5 % 01.01.2013 01.01.2012 (+3,5 %)

[i]

MVV München 3,7 % 09.12.2012 11.12.2011 (+2,3 %)

[i]

VBB Berlin 2,8 % 01.08.2012 01.01.2011 (+ 2,8 %)

[i]

VBN Bremen 2,7 % 01.01.2012 01.01.2010 (+ 2,98 %)

X

RMV Rhein-Main 3,9 % 12/2012 12.12.2011 (+ 2,7 %)

[i]

GVH Hannover 11.12.2011 (+ 2,43 %)

X

VRR Rhein-Ruhr 3,9 % 01.01.2013 01.01.2012 (+ 3,9 %)

[i]

DB AG Deutschland 2,8 % 09.12.2012 11.12.2011 (+ 3,9 %)

[i]

 

Anmerkung: Für den VBN (Bremen) ist eventuell und bei dem GVH (Hannover) wahrscheinlich eine Tarifanhebung zu erwarten. Die Perioden sind in den Verbünden freibleibend.

Das Ganze plakativer als Balkendiagramm (ohne GVH):

Steigerungen: Überall

Nicht nur der Hamburger Fahrgast muss künftig tiefer in die Tasche greifen, der Trend zeigt – jedenfalls bei den hier ausgewerteten Verbünden – nach oben. Der Münchener Verkehrsverbund liegt höher als der HVV bei der Preissteigerung; die beiden Flächenverbünde RMV und VRR müssen sogar noch mehr zuschlagen. Die Verbünde der Kernstädte Berlin und Bremen sind humaner.

In den Tarifanhebungsrunden spielt der HVV oben mit, außergewöhnliche Dreistigkeit kann man jedoch nicht attestieren.

Interpretation der Daten und Strategie der Erhöhungen

Bei den oben genannten Zahlen und Auswertungen sowie den Schlagzeilen der Presse sollte eines jedoch nicht übersehen werden: Es handelt sich um Durchschnittswerte über das jeweilige (sehr unterschiedliche) Fahrkartensortiment hinweg. Für den individuellen Kunden steigen die Preise ebenso individuell – und das meist nicht in den Perioden, sondern wesentlich gedehnter.

Ein Beispiel: Für die Einzelkarte Kind blieb der Preis (1 Euro seit 2009) gleich, obwohl in dieser Zeitspanne die Preise durchschnittlich mehrmals angehoben wurden. Erst mit der kommenden Preisperiode (ab 09.12.2012) erhöht sich der Obolus nach drei Jahren um 10 Cent auf 1,10 Euro.

Speziell die Presse greift sich gerne die Preissteigerungen aus dem Einzelfahrschein-Angebot heraus, weil die prozentualen Steigerungen hier besonders krass wirken. Dabei liegen sie real – in ganzen Zahlen – im niedrigen Cent-Bereich. Im Beispiel mit der Kinderkarte sind das 10 Prozent, eine sehr dramatisch wirkende Erhöhung; nach drei Jahren real gesehen aber durchaus nachvollziehbar.

Bestimmte Angebote, die die letzten Preisperioden über unangetastet blieben, werden also – so scheint es – überproportional erhöht. In der öffentlichen Darstellung wird dann schnell als „Abzocke“ bezeichnet.

Das ist schlicht falsch. Die Anpassungen müssen zu bezahlbaren Preisen führen, und damit ist nicht der Nennwert gemeint; eine Fahrkarte für 1,99 Euro oder ein Seniorenticket für 33,33 Euro ist im Vertrieb relativ bekloppt. Die Preissteigerungen erfolgen in 5, 10-Cent oder mehr Schritten. Hier wird über die Jahre solange gewartet, bis ein griffiger Endpreis herauskommt. Wie gesagt, prozentual gesehen dann enorme Steigerungen, tatsächlich aber (meistens) Pipifax.

Dieses Hintergrundwissen ist bestimmt bei der Einordnung von Schlagzeilen aus der Hamburger Presse gewiss nicht abträglich. Nahverkehr besteht eben nicht nur daraus, Busse und Bahnen von A nach B zu fahren, sondern aus vielen Dingen mehr. Vertrieb und Marketing sind mindestens genauso wichtig (geworden). ♦
— Tabellen: Rycon

Tariferhöhung, Angebotsstraffung, Hanse Alster Cup, FC St. Pauli, Müller-Westernhagen

Tariferhöhung | Noch bevor der HVV den normalen Weg, das heißt einen Antrag an den Senat stellen, gehen konnte, bekam die Presse vorzeitig davon Wind : die Erhöhnung der Tarife zum 01.01.2013. Die jährliche Preisanpassung fällt diesesmal mit 3,5 Prozent – Durchschnitt über das gesamte Sortiment – üppig aus. Preistreiber sind Energie- und Personalkosten, jedoch auch gedeckelte Zuschüsse der Stadt. Die hat mehr Gelder für den Straßenbau bereitgestellt – da bleibt leider für die Betriebskosten des Nahverkehrs nicht mehr viel übrig. Immerhin will man zum kommenden Fahrplanwechsel die Leistung Erhöhungen (siehe untere Meldung). Zunächst müssen jedoch Senat und Bürgerschaft zustimmen, was als sicher gilt. Der HVV selbst kann die Preise nicht anheben. +++

Straffung | Gleichsam mit der Tarifanhebung wird im Fahrkartensortiment der Wildwuchs gelichtet: Die erfolglose 3-Tages-Großbereich-Karte, Kinderzeitkarte und die Zeitkarte FlexiCard verschwinden aus dem Angebot. Die Kinderzeitkarte wird durch die Schülerkarte ersetzt. Die FlexiCard hat sich erledigt: Die regulären Zeitkarten wurden und werden selbst flexibilisiert, künftig kann auch bei CC- und Seniorenkarte der Starttag selbst gewählt werden. So kann der Kunde jederzeit – und nicht nur zum Ersten eines Monats – eine Wertmarke erhalten. Dadurch minimieren sich auch die Schlangen zum Monatsersten hin an den Schaltern. Besser ist aber eh ein Abo. Da hat man einfach weniger sorgen und alles läuft gut. +++

Metrobuslinie 6 | Geht es nach Berichten der „BILD“-Zeitung, verschwindet die Metrobuslinie 6 zum kommenden Fahrplanwechsel doch nicht ganz aus der HafenCity (wie hier auf Rycon vermeldet). Offenbar ist der HVV eingeknickt. Gemecker gab es vor allem vonseiten der CDU. +++

Leistungsausweitung | Der HVV kündigt zum kommenden Fahrplanwechsel am 09.12.2012 „Neue Linien, dichtere Takte, größere Fahrzeuge“ an. Die Presse wird darüber am Donnerstag, 27.09.2012 unterrichtet. +++

Hanse Alster Cup | Sportlich geht es auf und in der Binnenalster an diesem Wochenende zu. Samstag und Sonntag (23.09.2012) wird beim „Eon Hanse Alster Cup“ geschwommen und gerudert. Die U-Bahnen fahren bis 22 Uhr (Sonntag bis 21 Uhr) in voller Zugstärke; die S1, S21, S3 und S31 trudeln stets als Vollzug (6 Wagen) am Bahnsteig ein. +++

FC St. Pauli | gewinnt hoffentlich am Dienstag, 25.09.2012 ab 17.30 Uhr, gegen den VfR Aalen und fegt diese vom Platz. Bei Bedarf wird die U3 mit Sonderzügen verstärkt. +++

Müller-Westernhagen | Der Marius trällert am Dienstag, 25.09.2012, in der O2 World von 18 bis ca. 22.30 Uhr. Erwartet werden 9.000 Besucher, die hoffentlich alle brav mit dem Hamburger Nahverkehr anreisen. Für die Rückfahrt werden drei Sonderzüge bereitgestellt. +++

U1-Sperrung | Zwischen Ohlsdorf und Fuhlsbüttel Nord muss aufgrund von Gleisbauarbeiten die U1 in beide Richtungen gesperrt werden. Von Freitag (21.30 Uhr) bis Sonntag, 30.09.2012, Betriebsschluss, verkehren ersatzweise Busse. Die fahren ab/bis U1 Langenhorn Markt, um auch mobilitätseingeschränkten Menschen eine gute Verbindung zu bieten. +++

Wartungsarbeiten | In A Henstedt-Ulzburg müssen die Aufzüge gewartet werden. Donnerstag, 27.09.2012, von 08 bis 11 Uhr stehen diese leider nicht zur Verfügung; nur die festen Treppen sind dann da. Servicepersonal wird von der AKN eingesetzt, damit auch Leute, die nicht (oder gar nicht) zu Fuß gehen können, den Nahverkehr nutzen können. +++

Mein kleines, liebes Tagebuch

Bin die freie Zeit dabei, Detailliertes über die Entwicklung der Dieselhybrid-Busse herauszubekommen. Außer viel Marketinggedöns ist da unsere HOCHBAHN nicht sonderlich auskunftsfreudig. Aber auch andere Mütter haben schöne Töchter, da kann man ja in anderen Städten herumspionieren. Über den Tellerrand zu blicken kann bekanntlich nie schaden.

Dabei bin ich auf die Website des Münchener Verkehrsverbund (MVV) aufmerksam geworden. Entgegen unserem Hamburger Verkehrsverbund sind die auf ihrer Website beneidenswert informativ, stellen sämtliche Dokumente und Analysen online und haben sogar eine erkennbar eigene Meinung: Man müsse mal dieses und jenes ausbauen.

Einige willkürlich ausgesuchte Leckerbissen, und der Ton macht die Musik:

94 Prozent der Bürger im MVV-Gebiet erkennen das MVV-Logo sofort. 70 Prozent sagen wie aus der Pistole geschossen: das gehört zum Münchner Verkehrsverbund. Prima: Nur wenige Marken erreichen solche Ergebnisse.

Klar und deutlich die Eigenbeschreibung:

Seit 1996 ist der MVV als Aufgabenträgerverbund organisiert. Im Auftrag ihrer Gesellschafter leistet die MVV GmbH einen wichtigen Beitrag für die Ausgestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs im Großraum München. Die Verbundgesellschaft ist in vier Fachbereiche organisiert. Hinzu kommt das Consulting.

… die Abteilung Konzeption, vor reichlich Infomaterial:

Alles mit Plan, alles im Plan

Im Unternehmensbereich Konzeption werden Ideen entworfen, vorangebracht und umgesetzt. Ideen für die Zukunft des Öffentlichen Personennahverkehrs in München, Ideen für fahrgastfreundliche Informationssysteme, Ideen für die Verzahnung mit dem privaten Verkehr. Ergebnisse sind dann beispielsweise elektronische Fahrpläne, der WoMo-Rechner, der P+R-Plan mit Echtzeitangaben, die Bahnhofsinformationen oder der regionale Nahverkehrsplan. Zudem gibt es eine enge Kooperation mit Wissenschaft, Politik und Wirtschaft in größeren Verkehrsprojekten.

Ausbau der S-Bahn? Aber sicher, wenn es nach dem MVV geht:

Das S-Bahn-System im MVV wurde 1972 für täglich rund 250.000 Fahrgäste geplant. Zwischenzeitlich nutzen es rund 800.000 Reisende.
Täglich! Keine Frage, dass die Ausweitung des Angebots in Diskussion und Planung ist.

Marketing/Tarif ist natürlich ebenfalls an der Seite des interessierten Publikums.

Mal auf „Broschüren“ klicken, als Hauptthema „Verkehrs- und Marktforschung“ und als Unterthema „Marktanalyse“ wählen.

Huch!

Was kommt denn da als Erstes? „Der Busverkehr im Wettbewerb – Analyse der Ausschreibungen im RMV – MVV und HVV 2007“ [PDF].

Allerhand. Wenn ich also wissen möchte, wie die Erfahrungen (auch) des HVV bei diesem Thema sind, muss ich auf die Website der Münchener gehen und dort forschen.

Wie bitter wir Hamburger es doch in diesem Punkt haben. Bei uns heißt es: Schotten dicht, Klappe zu, Affe tot. Der hiesige Bürger erfährt nur aus der mit bahnbrechender Kompetenz gesegneten Presse irgendetwas über den Nahverkehr, den man mit Fahr- und Steuergeldern finanziert. Ob die Verantwortlichen aus ihrem Koma wachwerden? Oder ob der MVV vielleicht an die Stelle des…

Nein, das wäre jetzt gemein. ♦