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Citaro C2 mit Euro-6-Motor

Schon vor einiger Zeit sind drei neue Gelenkbusse der Marke Mercedes-Benz, Modell Citaro C2, bei der HOCHBAHN eingetroffen. Abgesehen vom neuen Blechkleid und einer Menge Details, befinden sich bei den neu eingetroffenen Gelenkbussen eine wichtige Neuerung unter der Haube oder besser gesagt im Heckturm: der brandneue Euro-6-Motor.

Ein Frontvergleich zwischen Geschwistern in der morgendlichen Sonne: der bisherige Citaro und sein junger Bruder mit der Bezeichnung C2. Offiziell bleibt es auch künftig bei der Modellbezeichnung Citaro, der Zusatz C2 dient nur der Unterscheidung. Beide mit roter Stoßstange, wie sie nun bei allen Neufahrzeugen geordert wird; ergibt ein harmonischeres Gesamtbild. Letztlich ist die Farbgebung traditionell, aber auch altbacken. Lediglich bei den Schnellbussen hat die HOCHBAHN sich und den Fahrgästen etwas Moderneres spendiert.

Die Abgasnormen gelten nicht nur beim PKW, sondern auch bei Nutzfahrzeugen – und damit Bussen. Ab 2014 gilt die neue, strengere Euro-6-Norm; 80 Prozent weniger Stickoxide und 66 Prozent weniger „Partikelmasse“ werden gefordert. Diese Vorgaben erfordern einen neuen Motor und eine aufwendige Abgasnachbehandlung – der Hersteller der Mercedes-Benz-Busse, Evobus, setzt da unter anderem auf SCR-Katalysator mit dem Markennamen AdBlue. Nachteil: Neben Diesel und Heizöl muss noch eine zusätzliche Flüssigkeit mitgenommen werden.

Interessanterweise geht der Betreiber in seiner Pressemitteilung davon aus, dass auch der Kraftstoffkonsum zwischen drei bis fünf Prozent sinkt. Das wäre mal was Neues, denn die Verbräuche sind in den letzten Jahren gestiegen. Die elektronischen Anzeiger (innen wie außen) ziehen viel Strom, die Klimaanlage ebenso und das Absenken/Aufrichten des Fahrzeugs („Kneeling“) benötigt Druckluft, die im Fahrzeug erzeugt wird und natürlich auch Kraftstoff verbraucht.

Der neue Euro-6-Motor „steht“ und liegt nicht, was heißt, dass ein Motorturm im Fahrgastraum im Heck des Fahrzeugs (Fahrerseite) bis zur Decke geht. Zwei Sitzplätze gehen so drauf. Immerhin sind mit dieser Konfiguration nur noch drei Sitze in der unbeliebten Längsrichtung, also mit dem Rücken zum Fenster. Drei weitere C2-Euro-6-Busse werden im November erwartet, dann aber nicht als Gelenk-, sondern als 12 Meter-Stadtbus.

Citaro C2: Schnittig & modern

Über die Details gibt es von „BUSTV“ einen Beitrag, der zwar sehr Mercedes-lastig ist, aber durchaus gute Informationen und Eindrücke liefert.

 

Ergänzungen hierzu: Die LED-Beleuchtung mag zwar Strom sparen, ihre Lichtfarbe ist aber sehr unangenehm. Unbeliebt vor allem bei den Nachtkutschern, denn die Beleuchtung spiegelt sich stark in der Frontscheibe; an dunklen Haltestellen ist es so sehr schwierig rechtzeitig zu erkennen, ob dort ein Fahrgast wartet. In den neu georderten C2-Bussen ist man wieder auf Neonbeleuchtung zurückgegangen.

Äußerst unbeliebt ist die Fahrertür in einem C2, deren Anschlag nun hinten ist. Dabei ist der Weg nach draußen nun kürzer und sollte der Fahrer angegriffen werden, kann er entgegen dem Angreifer die Tür öffnen und so das Weite suchen. Auch das Anbringen einer zusätzlichen Sicherheitsscheibe ist so viel besser möglich. Die HOCHBAHN wollte dies in zwei C2-Gelenkbussen (ohne Euro-6-Motor) testen, vergaß aber, das die Kasse ja auch irgendwie geöffnet werden muss. Da das nicht mehr ging, wurden die Sicherheitsscheiben kurzerhand demontiert. Was beweist: Vieles, was sich theoretisch gut anhört, scheitert an der Praxis.

Der erhöhte Fahrerarbeitsplatz (6 Zentimeter mehr) trifft auf geteilte Zustimmung; die einen finden es angenehm, mit dem Fahrgast nun auf annähernd gleicher Augenhöhe zu kommunizieren, die anderen mögen das nicht. Die Fahrertür, obwohl gerade unter dem Sicherheitsaspekt sehr sinnvoll, stößt einhellig auf Ablehnung. Das Lenkrad ist deutlich kleiner geworden, was auch nicht überall auf Applaus stößt. Und das Reinigungspersonal klagt bitterlich, das das neue Cockpit nur schwer sauber zu halten ist. Speziell zu den Busfahrern sei aber angemerkt, dass es sich hier um eine ganz besonders konservative Berufsgruppe handelt, die Neuerungen gegenüber – nun ja – nicht unbedingt offen gegenübersteht.

Unauffällig verhält sich der neue Citaro bei der Werkstatt; ob dies beim neuen Motor auch so sein wird, muss der Testbetrieb zeigen, der Mitte Oktober losgeht.

Die ganzen Kurven und Formen geben dem Blechkleid ein schnittiges Aussehen, läuft aber den Werbeträger Omnibus zuwider. Reklame ist bei vielen zwar unbeliebt, aber nun einmal auch eine wichtige Einnahmequelle für Busunternehmen.

Ein Aspekt hat sich bei der Citaro-Modellpflege noch verstärkt: Das Fahrzeug gaukelt von außen Fensterflächen vor, die es im Innenraum gar nicht gibt. Dabei ist Verbundglas kein besonders leichter Baustoff und die schwarzen Flächen heizen den Bus im Sommer unnötig auf. ♦
— Fotos: Rycon/GMB

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Zwei neue Busbetriebshöfe ausgeschrieben

Die Hamburger Hochbahn AG beabsichtigt den Neubau von Betriebshöfen für ihr eigenes Busressort sowie dem Tochterunternehmen JASPER. Das geht aus einer am Samstag, 06.10.2012, europaweit veröffentlichten Ausschreibung hervor.

Harburg II

Bisher hieß es, der Busbetriebshof Harburg (BBH) bekäme einen Ableger in Form eines größeren Busparkplatzes. Von diesem Vorhaben ist man offenbar abgerückt, denn die Ausschreibung sieht auf dem 11.000 m² großen Grundstück in Hamburg-Harburg einen vollständigen Betriebshof vor. Neben Verwaltungsgebäude sollen auch Werkstatt, Servicehalle und Waschstraße errichtet werden.

JASPER Billstedt

Für die konzerneigene Tochter JASPER, die neben Rund- und Gesellschaftsreisen auch im Auftrag der HOCHBAHN Liniendienste übernimmt, ist ein neuer Betriebshof in Hamburg-Billstedt vorgesehen. Auf den mit 13.500 m² großen Areal sind, wie im Falle Harburg II, Verwaltungsgebäude, Servicehalle, Werkstatt und Waschstraße vorgesehen.

Der Neubau beider Betriebshöfe soll vom 01.04.2013 bis 31.08.2014 dauern.

Erweiterung der Kapazitäten

Aufgrund der gestiegenen Beförderungszahlen und der Leistungsausweitungen im Hamburger Busverkehr sind auf den bestehenden Betriebshöfen die Kapazitäten weitgehend ausgeschöpft. In den meisten Fällen ist eine räumliche Ausdehnung der Höfe nicht möglich, einzig der Betriebshof Wandsbek könnte perspektivisch eine angrenzende Fläche übernehmen. Ansonsten sind verschiedene Maßnahmen angedacht, um die Abstellflächen („Stränge“) neu zu organisieren, um eine Handvoll weiterer Fahrzeuge unterbringen zu können.

Der Neubau von Betriebshöfen ist nicht nur mit einem hohen Investitionsbedarf gekennzeichnet. Sie produzieren – sollten sie keine bestehenden Ablösen – laufend einen hohen Fixkostenanteil. Aus diesem Grunde war beim Verkehrsprojekt Stadtbahn für das gesamte, angedachte Netz auch nur ein Betriebshof vorgesehen. ♦
— Titelbild: Rycon; Logo: JASPER

„Neue Linien, dichtere Takte, größere Fahrzeuge“

Der HVV präsentierte, zusammen mit Verkehrssenator Frank Horch und Staatsrat Andreas Riekhof, die umfangreichen Leistungsausweitungen zum kommenden Fahrplanwechsel am 09.12.2012. Die meisten Anpassungen stehen bereits hier im Blog, Änderungen ergeben sich nur in einigen Details. Wichtigste: Die neue Hafenrandlinie hört nicht mehr auf die Arbeitsbezeichnung „Stadtbuslinie 212“, sondern wird als 111 in den Fahrgastbetrieb gehen.

Im Folgenden sei aus der HVV-Pressemitteilung großzügig zitiert, da steht alles wunderbar ausformuliert:

Die wichtigsten Neuerungen ab 9. Dezember sind:

U-Bahnlinie U 4

Die U-Bahnlinie U4 nimmt ihren Betrieb auf und verkehrt zwischen den Haltestellen Billstedt und Hafencity im 10-Minuten-Takt. Bis zur Haltestelle U Jungfernstieg fährt die neue U4 auf der gleichen Strecke wie die U2 und erhöht auf diesem Abschnitt die Kapazitäten.

Gleichzeitig wird in der Hafencity das Busangebot angepasst:

Stadtbuslinie 111

Die neue Linie 111 verkehrt als „Hafenrandlinie“ im 20-Minuten-Takt ab Bahnhof Altona über die Haltestellen Große Elbstraße, Reeperbahn und St. Pauli-Landungsbrücken bis zur Haltestelle U Überseequartier. Damit wird die Große Elbstraße mit dem zweiten Fährterminal und den neuen Gewerbeansiedlungen deutlich besser bedient. Außerdem werden mit der neuen Linie 111 auch die Wohngebiete im Bereich Pepermölenbek sowie die neu entstandenen Wohn- und Geschäftsbereiche in der Davidstraße und in der Bernhard-Nocht-Straße angebunden und erhalten somit eine direkte Anbindung in die Hafencity.

Metrobuslinie 6

In Ergänzung zur U4 ändert sich die Linienführung der Metrobuslinie 6 und erschließt ab 9. Dezember mit rund der Hälfte der Fahrten die Speicherstadt. Die andere Hälfte der Fahrten führt die Linie 6 künftig ab Rathausmarkt außerdem auf einen neuen Linienast über die Haltestellen U Rödingsmarkt, Michaeliskirche (Ludwig-Erhardt-Straße) und U St. Pauli bis zur U Feldstraße. Darüber hinaus ist in der Budapester Straße in Höhe Paulinenstraße eine neue, gleichnamige Haltestelle vorgesehen.

Metrobuslinie 3

Künftig wird die Metrobuslinie 3 nicht mehr in die Hafencity, sondern vom Rathausmarkt über die Mönckebergstraße und die Amsinckstraße bis nach Rothenburgsort führen. Bis zur Endhaltestelle Kraftwerk Tiefstack wird diese neue Route im 10-Minuten-Takt mit Gelenkbussen bedient. Damit erhält der Stadtteil Rothenburgsort eine deutlich verbesserte direkte Anbindung an die Mönckebergstraße und den Rathausmarkt.

Stadtbuslinie 112

Die Stadtbuslinie 112 wird ab 9. Dezember über die Nordkanalstraße / Spaldingstraße, Albertstraße und die nördliche Hammerbrookstraße verschwenkt. Damit werden die dortigen Bürostandorte und Gewerbeansiedlungen besser angebunden.

Maßnahmenpaket „Harburger Hafen“

Der Harburger Hafen entwickelt sich durch die Ansiedlung neuer Firmen sowie der Außenstellen der TU Harburg zu einem Dienstleistungszentrum. Darüber hinaus ist auf dem ehemaligen Bahngelände westlich der Hannoverschen Straße umfangreicher Wohnungsbau geplant. Daher wird die Anbindung des Harburger Hafens zum Fahrplanwechsel neu gestaltet.

Auf der Stadtbuslinie 142 wird zwischen Heimfeld und Bahnhof Harburg der bisherige 6-Minuten-Takt auf einen 5-Minuten-Takt verdichtet. Außerdem wird die Linie mit einem 20-Minuten-Takt zum Harburger Hafen verlängert.

Daraus ergeben sich weitere Anpassungen auf den Harburger Linien 145, 153 und 154.

Fährlinien

Um den steigenden Fahrgastzahlen in der Fährschiffahrt gerecht zu werden und um die Elbinsel Wilhelmsburg anzubinden, gibt es bei den Fährlinien folgende Neuerungen:

 Fährlinie 72

Mit der neuen Linie 72 von den Landungsbrücken bis zur Elbphilharmonie erhält die Hafencity eine weitere Anbindung an die Hafenfähren. Aufgrund der räumlichen Nähe zur Elbphilharmonie wird der Anleger Sandtorhöft aufgegeben. Die Linie 72 verkehrt im 30-Minuten-Takt.

 Fährlinie 73

Auf der Schiffslinie 73 wird der neue Anleger „Ernst-August-Schleuse“ in Wilhelmsburg im 40-Minuten-Takt bedient, zunächst nur montags bis freitags. Damit ist Wilhelmsburg künftig auch von der Wasserseite her an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

Fährlinie 62

Mit Inbetriebnahme der neuen Linie 72 wird die Linie 62 künftig an der Endhaltestelle St. Pauli/Landungsbrücken halten und alle Fahrgäste aussteigen lassen. Ab dem Anleger Landungsbrücken fährt die Linie 62 unter Bedienung der bekannten Haltestellen wie bisher nach Finkenwerder und endet danach wieder an den Landungsbrücken.

Ungefähr 8 Millionen Euro soll das Paket jährlich kosten. Weitere Taktverdichtungen sind auf „vielen Linien“ und Einsatz größerer Fahrzeuge vorgesehen. Man will rechtzeitig vor dem Fahrplanwechsel detailliert informieren.

Unter anderem folgende Änderungen sind wahrscheinlich:

  • Fahrplanabstimmung der Linienpaare 7/172 und 177/277 in gemeinsamen Abschnitten.
  • Auf der 275 vormittags Verdichtung von 20 auf 10 Minuten.
  • Zur IGA soll die Metrobuslinie 13 bis abends alle 5 Minuten verkehren.
  • Metrobuslinien 20 und 25: langfristige Umstellung auf Gelenkbusbetrieb an Samstagen & Sonntagen, Realisierung zeitlich gestaffelt.
  • Stadtbuslinie 112: zusätzliche Verstärkerfahrten, verlängerte Betriebszeit, Änderungen am Linienweg.

Busbeschleunigungsprogramm

Für das Busbeschleunigungsprogramm wurde eine umfangreiche Homepage ins Netz gestellt. Unter www.via-bus.de werden die einzelnen Maßnahmen erläutert und Hintergrundwissen vermittelt. ♦

HOCHBAHN-Bilanz 2011: ab in die Zukunft

Im Fokus stand bei der diesjährigen Bilanz Ende Juni das Projekt „Komplementäre Mobilität als Zukunftsaufgabe“, womit die Verknüpfung unterschiedlicher Verkehrsträger – namentlich Leihfahrrad und Leihauto – mit dem ÖPNV gemeint ist. Eine höchst spannende Geschichte, über welche die Presse bereits ausführlich berichtet hat. In unserer kleinen Bilanz hier auf Rycon liegt der Schwerpunkt dieses Jahr dagegen auf der Personalentwicklung, Investitionen und den anstehenden Projekten. Zunächst aber die nackten Zahlen.

In den Bussen und U-Bahnen der HOCHBAHN absolvierten die Kunden 423,3 Millionen Fahrten, 2,8 Prozent mehr als 2010, wo 411,6 Millionen Beförderungsfälle ermittelt wurden. Damit liegt das Hamburger Unternehmen meilenweit über dem Branchenschnitt von 0,6 Prozent.

Die finanzielle Gesamtleistung betrug 2011 gute 448,7 Millionen Euro, 14,8 Millionen mehr als 2010 (433,9 Millionen). Ein Rückgang ist bei dem Beteiligungsergebnis zu verkraften: Die sank im Berichtszeitraum von 8,9 auf nun 8,3 Millionen Euro.

Erfreulich dagegen der Rückgang des Verlustes: 55,6 Millionen Euro muss nur noch die HGV, in der sämtliche Beteiligungen der Stadt gebündelt sind, ausgleichen; ein Rückgang um eine glatte Million gegenüber dem Vorjahr. Der Fehlbetrag sank durch Effizienzsteigerung von 19 Cent je Personenfahrt 2002 auf nun 13 Cent. Der Kostendeckungsgrad des Konzerns hat mit 89,2 Prozent einen sehr hohen Stand erreicht.

Schwerpunkt I: Personal

Der Aufwand für Personal – Gehälter und so weiter – stieg kräftig von 195,6 auf 207,4 Millionen Euro zwischen 2010 und 2011. Neben dem Materialaufwand – z.B. für Energie, neue Fahrzeuge et cetera – stellen die Personalkosten den größten Kostenblock da, fast die Hälfte der Gesamtleistung geht hier drauf.

Die Personallage war und ist besonders im Busressort äußerst angespannt. Neben den Sommerferien und U3-Ersatzverkehr sorgte ein hoher Krankenstand für eine schwierige Situation. Erschwerend kommt hinzu, dass die Alsterdampfer der ATG in der Saison von vielen Busfahrern gesteuert werden; außerhalb der Saison kehren sie zu ihre bereiften Fahrzeugen zurück. Reichlich Bus-Leistungen mussten an Konkurrenten zeitweilig abgeben werden, es kam sogar vereinzelt zu Fahrtausfällen. Die Busbetriebe VHH, Zerbin und KVG übernahmen noch bis 31.08.2012 Fahrdienste. An die PVG zurückgegebene Auftragsverkehre wurden bereits Anfang August wieder aufgenommen.

Zwar hat nicht nur die HOCHBAHN mit einem hohen Krankenstand zu kämpfen. So ergab eine Untersuchung der Krankenkasse KKH-Allianz, das viel Fahrpersonal – man zählte neben Busfahrern auch Straßenbahnfahrer hinzu – sich krankmeldete. Im Schnitt sammelten sich 14,8 Krankheitstage pro Nase von Januar bis Juli 2012 an. Dennoch sind die Werte bei der HOCHBAHN besonders mies: Die Betriebshöfe Wendemuthstraße (Wandsbek) und Langenfelde verzeichneten im Juli dieses Jahres einen Krankenstand von über 10 %; in Mesterkamp meldeten sich durchschnittlich gar 12 % arbeitsunfähig. Über das gesamte erste Halbjahr 2012 liegt die Quote hofübergreifend bei 9,2 %; also fast ein Zehntel steht ständig für den Fahrdienst nicht zur Verfügung.

Schwerpunkt II: Investitionen

In beide Betriebszweige – U-Bahn und Bus – wird weiter fleißig investiert. Besonders im Busressort steht in den nächsten Jahren viel an, was insofern bemerkenswert ist, da hier traditionell mit besonders spitzem Bleistift gerechnet wird.

Aktuell wird der Betriebshof Langenfelde für 37 Millionen Euro komplett neu gebaut und die Fahrzeugkapazität erhöht. Auf dem Betriebshof Wendemuthstraße in Wandsbek sind derzeit die Sozialräume der Werkstatt an der Reihe; irgendwann wird die Busabstellfläche („Stränge“) überdacht, damit die Versorgungsleitungen für Strom und Druckluft von der Decke hängen und die Fahrzeuge dichter beieinanderstehen können. Man hofft, dadurch weitere 20 Fahrzeuge auf den Hof quetschen zu können. Gleiches ist für den Betriebshof Hummelsbüttel vorgesehen. Ferner steht ein Grundstück neben dem Betriebshof Wendemuthstraße zum Kauf, die Sache wird geprüft. Harburg bekommt eine zweite, zusätzliche Abstellanlage in Nähe des Hauptbetriebshofes. In Mesterkamp (Barmbek) soll die Abstellfläche neu organisiert werden, um auch hier noch mehr Busse unterbringen zu können.

Auf den einzelnen Betriebshöfen geht es zum Teil sehrr eng zu. Um auch noch das Letzte bisschen Platz herauszupressen, sollen die Fahrzeuge noch dichter beieinanderstehen.

Neue Betankungsanlagen haben Hummelsbüttel und Mesterkamp erhalten, derzeit wird diese auch in Wandsbek montiert; die anderen Höfe folgen. Die hochmodernen Anlagen erfassen später mit dem BMS (siehe unten) den Verbrauch jedes einzelnen Busses. Mittelfristiges Ziel ist es, nicht jeden Tag den Bus voll betanken zu müssen. Dies führt zu Gewichtsersparnis im Fahrzeug. Ein vor einigen Jahren durchgeführter Versuch, Busse nur alle zwei Tage zu betanken, scheiterte kläglich. Aus dieser Zeit stammen übrigens die roten und grünen Punkte an der Windschutzscheibe älterer Fahrzeuge.

Die Kapazitätsausschöpfungen der Betriebshöfe stellen die Grundlage dar, um die Busflotte weiter zu vergrößern. Mehr Fahrzeuge benötigen, neben dem Fahrpersonal, natürlich auch mehr an Werkstattpersonal. 2013 will man insgesamt 30 Stadtbusse beschaffen (Anzahl Gelenkbusse steht noch nicht fest), die Fahrzeuge sollen im Heck eine dritte Tür und Außenlautsprecher erhalten. Die Neufahrzeuge, wie jedes Jahr, ersetzen einen Teil der bisherigen Flotte.

Mächtig Stolz ist man auf die Citaro-2-Busse, obwohl die sich auch nicht großartig – abgesehen vom neuen Blechkleid – vom Vorgänger unterscheiden. Dieses Jahr kommen aber die ersten Citaro-2-Busse mit dem brandneuen Euro 6-Motor. Fremd geht das Unternehmen, in dem es auch bei MAN neue Fahrzeuge bestellt hat. Sehr zum Leidwesen des Werkstatt- und Fahrpersonals, die mit den bisher eingesetzten MAN-Bussen unzufrieden sind.

Um die Fahrzeugverfügbarkeit zu erhöhen und den Ablauf zu verbessern, steht nach jahrelangem Gefummel die Einführung eines Betriebshofmanagementsystems (BMS) an. Die Implantierung geschieht Hofweise und erstreckt sich über mehrere Jahre. In Hummelsbüttel wurde bereits begonnen. Zur Ortung der Fahrzeuge auf dem Betriebshof – GPS ist zu ungenau – erhalten die Fahrzeuge Antennen auf dem Dach („Schiffchen“). Der Testbetrieb ist für das erste Quartal 2013 in Hummelsbüttel vorgesehen. Bis Ende 2013 sollen die weiteren Höfe folgen, mit Ausnahme von Langenfelde, das erst nach Abschluss der Umbauarbeiten – 2014 – in den Genuss kommt.

Im Zusammenhang mit dem vom Senat beschlossenen Busbeschleunigungsprogramm steht eine beträchtliche Aufstockung von DFI-Anzeigern an Bushaltestellen (DFI = Dynamische Fahrgastinformation, also die bekannten Displays) auf dem Programm. Zur Finanzierung befindet sich das Unternehmen im Gespräch mit der Stadt. Zeitgleich werden Alternativen untersucht, um den Kauf von Fahrkarten beim Busfahrer zu beschleunigen.

Im U-Bahn-Ressort tut sich auch eine ganze Menge. Mit der Eröffnung der U4 wächst nach vielen Jahren das Netz um immerhin 4 Kilometer und zwei Stationen. Fünf Einheiten des brandneuen U-Bahn-Typs DT5 befinden sich in Hamburg und werden auf Herz und Nieren geprüft sowie technisch abgenommen. Die Züge werden aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr in den Fahrgastbetrieb gehen. Die Innenraum-Renovierung der ersten DT4-Bauserie läuft auch im kommenden Jahr weiter. Hinzu gesellt sich ein umfangreiches, technisches Update.

Nahezu abgeschlossen ist das Projekt „Winterhuder Brücken“ auf dem Nordring der U3, indem sieben große Baustellen zusammengefasst und parallel abgearbeitet wurden.

Das U-Bahn-Ressort wird immer besonders gut bepudert. Daran ändert sich dieses und kommendes Jahr nichts; viel Geld wird in Infrastruktur und Fahrzeuge investiert. Mit Erfolg: Die U-Bahn erreicht bei Kundenbefragungen stets Top-Werte.

Nachdem in den letzten Jahren die U3-Fahrgäste viel Bautätigkeit erdulden mussten – was aber nun einmal notwendig ist – sind ab 2013 die U1-Fahrgäste dran. Voraussichtlich von 13.05. bis zum 15.09.2013 verkehrt die U-Bahn ohne Halt durch Langenhorn Nord. Die Station wird komplett saniert. Innerhalb dieser Zeitspanne – wahrscheinlich von 05.06. bis 27. 08.2013 – steht eine komplette Sperrung zwischen Ochsenzoll und Langenhorn Nord ins Haus. Auch hier wird eine ganze Batterie an Baumaßnahmen gebündelt und abgearbeitet.

Ein ganzer Schwung Stationen soll im kommenden Jahr barrierefrei werden, respektive die Baumaßnahmen beginnen: Osterstraße (läuft), Emilienstraße und Christuskirche (alle U2, vielleicht Anfang März 2013); die U1/U3-Umsteigeanlage Wandsbek-Gartenstadt folgt später (vielleicht Ende August/Anfang September). Ferner Kiwittsmoor (U1), Hammer Kirche (U2) und Feldstraße (U3).

Für viel Arbeit sorgen die Großprojekte Busbeschleunigungsprogramm, die politisch-beschlossene U4-Erweiterung und das neue Thema „Komplementäre Mobilität“. Die Feldversuche mit allerlei Hybridbussen verschiedener Hersteller und Konzepten läuft auf Hochtouren. Seit Mitte Juli 2012 ist man auch auf den sozialen Netzwerken Facebook und twitter fleißig bei der Sache.

Gründung der HSF GmbH

Ende Juni 2011 beauftrage die Stadt Hamburg, künftig den Fuhrpark der S-Bahn zu beschaffen. Hierfür wurde die „Hamburger Schnellbahn-Fahrzeug-Gesellschaft mbH“, kurz HSF, ins Handelsregister eingetragen. Die HSF soll neue S-Bahn-Triebzüge finanzieren und beschaffen, der Fahrzeugpool wird an den künftigen S-Bahn-Betreiber – der alte Verkehrsvertrag mit der Deutschen Bahn läuft 2018 aus – vermietet. Vorteil für Bieter: Sie müssen nicht die horrenden Kosten für die Züge stemmen. 170 Fahrzeuge sind für die S-Bahn vorgesehen, davon 60 neue Züge, wobei der Typ erst noch entwickelt werden muss. Auf den Plan tritt die HSF nur dann, wenn keine vernünftigen Angebote eintrudeln.

Die S-Bahner können jedoch beruhigt sein: Die HOCHBAHN hat bereits abgewunken und will sich nicht an der Ausschreibung beteiligen.

Bestrebungen gibt es allerdings im Falle der AKN, welche die A-Bahn betreibt. Das hochdefizitäre Eisenbahnunternehmen würde die HOCHBAHN ganz gerne in ihre Arme schließen, stellt an die bisherigen Gesellschafter – die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein – jedoch harte Bedingungen. Bei diesem Thema sind die Türen allerdings fest verschlossen. ♦
— Fotos/Tabellen: Rycon

Der Klebesong

Wir kleben morgen, wir kleben heut‘,
wir kleben wütend und erfreut,
wir kleben, ohne zu verzagen,
an allen sieben Wochentagen.

Wir kleben teils aus purer Lust,
mit Vorsatz teils, teils unbewusst.

Wir kleben gut und auch bedingt,
weil kleben immer Arbeit bringt.

Wir kleben resigniert und still,
wie jeder es so haben will.

Wir kleben, was man kleben kann,
und stehen dabei unseren Mann.

Wir kleben deshalb früh und spät
Alles, was zu kleben geht.

Wir kleben heut und jederzeit,
zum Denken bräuchten wir mehr Zeit.

Frisch geklebt: Bitte hinten aussteigen!


Mit Start von „Einstieg vorn“ und der damit verbundenen Sichtkontrolle des Fahrscheins, wurde auch das Schleusenprinzip im Busverkehr wieder belebt. Dass Tür I nämlich zum Einsteigen und die restlichen Türen nur zum Aussteigen gedacht sind, ist nämlich eigentlich ein alter Hut.

In alten Bussen manchmal noch vorhanden: der knallige Hinweis, dass Tür I kein Ausgang ist.

Die Busfahrerinnen und Busfahrer regten an, dies per Piktogramm wieder an den Türflügel zu pappen und so das Schleusenprinzip dem Fahrgast eindeutig kenntlich zu machen. Gewählt wurde nun eine Lösung, die keine ist; eher als überflüssigste, sinnloseste Aktion 2012 in die Geschichte eingehen dürfte.

Für Freunde gepflegter Piktogramme wieder ein herrlicher Moment: Es gibt Zuwachs! Direkt hinter der Fahrerkabine gesellt sich ein neues Piktogramm zu den Haufen anderer, die meist (und nicht zu unrecht) vollständig ignoriert wird, siehe Titelfoto.

Dabei ist auch diese Errungenschaft alles andere als neu; ähnliche Piktogramme waren früher gang und gäbe. Irgendwann hat man verpennt, diese bei Neufahrzeugen rein zu kleben. Natürlich werden alte Piktogramme nie entsorgt, sie bleiben ein Fahrzeugleben erhalten. Mit jedem neuen Hinweisschildchen mehr wird der geneigte Kunde mit noch mehr Müll zugeballert, und so ist es kein großes Wunder, das die Hinweise auf Desinteresse stoßen.

Der Sachstand, dass alte Piktogramme nie entfernt werden, führt dann zu vergnüglichen Situationen und lässt das Herz eines jeden Fetischisten höher schlagen.

In eigen Bussen heißt es: Doppelt hält gut … dreifach hält besser!

Mein persönlicher Favorit ist aber diese Version, direkt auf der Trennscheibe nach Tür I geklebt. Der Pfeil zeigt genau in die Mitte – der Frontscheibe. Als Ausgang etwas ungünstig, würde man solche Piktogramme denn ernst nehmen.

Wahrlich, das alles hinterlässt einen höchst durchdachten, professionellen Eindruck. ♦
— Fotos: Rycon

Mehr Fahrten für Harburger

Nicht nur die Eröffnung der U4 sorgt für reichlich Änderungen im Busverkehr, auch an anderer Stelle ist geplant, das Leistungsangebot deutlich nach oben zu schrauben. Schließlich muss der Nahverkehr den großartigen Erfolg der letzten Jahre mit einer höheren Leistung entsprechen und – nicht zuletzt – mit der lokalen Stadtentwicklung schritt halten. Wo sich gezeigt hat, dass die Leistung etwas zu viel des Guten ist, kann sie aber natürlich auch angepasst – das heißt in diesem Falle zurückgefahren – werden.

Womit wir dann allgemein in Harburg und im speziellen am Harburger Binnenhafen sowie in Heimfeld wären. Da tat und tut sich in der Stadtentwicklung eine Menge, neue Wohn- und Geschäftshäuser entstehen, die TU Harburg ist auch sehr erfolgreich – und damit die Kunden schnell und bequem ihr Ziel erreichen können, müssen Buslinien verstärkt und angepasst werden. Im einzelnen sind dies die Stadtbuslinien 142, 145, 153, 154 sowie die Metrobuslinie 14.

  • <142> AK Harburg – Bf. Harburg – Harburger Binnenhafen
    Die Linie wird auf einen 5-Minuten-Takt zum Bahnhof Harburg verdichtet; jede vierte Fahrt geht darüber hinaus in den Harburger Hafen, womit sich auf diesen Linienabschnitt ein 20-Minuten-Takt ergibt.In den kommenden Jahren ist davon auszugehen, dass die zurzeit eher schleppende Entwicklung des Harburger Binnenhafens anzieht. Konzeptionell ist daher bereits heute vorgesehen, mittelfristig auf einen 15-Minuten-Takt und langfristig auf einen 10-Minuten-Takt – peu à peu – zu verstärken.
  • <145> Bf. Harburg – MidSommerland
    Zwischen Bahnhof Harburg und dem Erlebnisbad MidSommerland (Karte) übernimmt die Stadtbuslinie 145 den Verkehr. Geboten wird ein Bedarfsfahrplan (also kein starrer Fahrplan) im 30-Minuten-Takt.
  • <153> Bf. Harburg – Auf der Hohen Schaar
    Zwischen Kornweide und Hohe Saar cruist die 153.
  • <154> U S Berliner Tor – Kattwykdamm
    Diese Linie verkehrt ab Kornweide durchgehend über S Wilhelmsburg, Harburg bis Bahnhof Harburg. Zum Teil fährt sie wie die 153, verstärkt also auf diesem Abschnitt das Angebot.
  • [ 14 ] Gellersenweg – Grenzkehre / Fleestedt
    Sonntagnachmittags ist auf der Metrobuslinie 14 wenig los, so dass sich zwischen 13 und 21 Uhr ein 10-Minuten-Takt nicht mehr lohnt. Da es niemanden etwas bringt, Luft durch die Gegend zu schaukeln, soll der Takt auf 20 Minuten gedehnt werden. Im gemeinsamen Linienabschnitt mit der 143 und 443 gibt es nicht einmal eine Angebotsverschlechterung; durch die Linienüberlagerung bleibt es bei einem 10-Minuten-Takt.
  • [ 15 ] S Klein Flottbek – Alsterchaussee [- U/S Barmbek]
    Noch ein Wort zur Metrobuslinie 15, die über Alsterchaussee hinaus bis U/S Barmbek verlängert werden soll. Dies ist schon seit einigen Jahren angedacht und konzeptionell auch vorgesehen. Frühestens zum kleinen Fahrplanwechsel im Sommer 2013 ist dies terminiert.

Die Umsetzung muss erst von den zuständigen Stuben abgenickt werden. Sofern alles seinen Gang geht, gehen die Anpassungen zum Fahrplanwechsel am 09.12.2012 in die Realität. ♦

Mehr zum Thema auf Rycon:

— Titelgrafik: Rycon