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Deutliche Worte

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Der Schleswig-Holsteinische Nahverkehr hatte ziemlich mit den vergangenen Winterverhältnissen zu knabbern. Man litt besonders darunter, dass die Verkehrsunternehmen reihenweise schlicht und ergreifend im Winterdienst versagten. Im Editorial der „NAH-SH“, einem Mitteilungsblatt für Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen, findet Bernhard Wiewers, Geschäftsführer der Landesweite Verkehrsservicegesellschaft, LVS,  erfrischend-deutliche Worte [PDF]:

Endlich ist der Winter vorbei. Endlich, denn auch der Nahverkehr hat lange gebraucht, um sich auf die eigentlich nicht unübliche Witterung einzustellen. Ich verstehe, dass Schnee und Eis Probleme bereiten. Der Umfang der Fahrzeugstörungen im Bahnverkehr und vor allem der lange inakzeptable Winterdienst an den Bahnhöfen haben mich dann aber doch überrascht. So kann der Nahverkehr sich nicht präsentieren!

Mich ärgert, dass wir aufgrund der Witterung einen doppelt so hohen Marktanteil und viele Neu- und Seltenkunden hatten, die sonst mit dem Auto unterwegs sind, und dass wir denen leider keinen dem Wetter gewachsenen Nahverkehr bieten konnten. Wir wollen uns bald mit allen Beteiligten zusammensetzen, damit der Nahverkehr zumindest im nächsten Winter wieder besser klappt. Dass die Pünktlichkeit auch jetzt nach dem Winter auf vielen Strecken nicht gut ist, ist überraschend.

Dem ist nichts hinzuzufügen.
— OR



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R10-Station Gartenholz: EBA watscht Ahrensburg und DB ab

Schon seit Monaten sollte es an der Regionalverkehrslinie 10 eine neue Station mit Namen Gartenholz geben. Mehrmals wurde der Eröffnungstermin verschoben, zuletzt verzichtete man ganz auf ein konkretes Datum. Als Verzögerungsgrund nannte die Schleswig-Holsteinische Landesweite Verkehrsservicegesellschaft, LVS, die Einrichtungen des eigentlich fertiggestellten Haltepunktes würde EU-Normen nicht entsprechen, weshalb das Eisenbahnbundesamt (EBA) keine Genehmigung erteile. Ein gefundenes Fressen für die Tageszeitungen, u.a. „Bild“, schließlich kann man mal wieder sehen, wie böse die EU-Bürokratie ist.

Nun hat sich das EBA selbst zur Posse per Pressemitteilung geäußert und das ziemlich angepieselt.

Wenn die Stadt Ahrensburg in den Medien den Eindruck erweckt, der Haltepunkt sei seit Monaten fertig gestellt und das EBA sei untätig geblieben, entbehrt dies sachlich jeder Grundlage. Die Beweggründe für die unzutreffenden Äußerungen von Vertretern der Stadt Ahrensburg in der Presse sind nicht nachvollziehbar.

Den Schwarzen Peter schiebt das EBA in der Hauptsache der DB Station & Service AG (DB S&S) zu, die es bis heute nicht geschafft hat, benötigte Unterlagen einzureichen. So fehlten „beispielsweise“:

– komplette Baupläne,
– notwendige Unterschriften,
– Angaben, welche Arbeiten durchgeführt wurden,
– Angaben, welche Personen bei der DB Station & Service AG für das Projekt Haltepunkt Gartenholz verantwortlich sind und
– weitere grundlegende Erläuterungen zum Bauvorhaben.

Der Antrag auf Inbetriebnahmegenehmigung ging beim EBA schon am 02.11.2009 ohne die oben angeführten Unterlagen ein und die DB S&S behauptete, der Haltepunkt sei schon fertiggestellt. Zwei Tage später schickte das EBA den Antrag zurück mit dem Hinweis auf fehlende Unterlagen. Dennoch schickte man Leute am 23.11.2009 zur Abnahme des angeblich fertigen Haltepunktes los und die staunten wohl nicht schlecht:

Die Bauarbeiten waren noch in vollem Gange. Größere Teile der Bahnsteige und Zuwege fehlten vollständig. Von einem Abschluss der Bauarbeiten konnte keine Rede sein.

Sprecher Ralph Fischer: „Für eine Inbetriebnahme des angeblich fertig gestellten Haltepunktes waren am 23. November 2009 keinerlei Voraussetzungen erfüllt. Die Inbetriebnahme für den Personenverkehr kam aufgrund des erreichten Bautenstandes und der damit verbundenen erhebliche Sicherheitsgefahr für die Reisenden nicht in Betracht. Daher konnte der Haltepunkt nicht für den Verkehr freigegeben werden.“

Als sich Anfang Januar 2010 noch immer kein entscheidender Baufortschritt abzeichnete, hat das EBA die Projektverantwortlichen der DB Station & Service AG zu einem Gespräch geladen. Dabei sollte geklärt werden, wie es zu den Problemen und Fehlern auf Seiten der DB Station & Service AG kommen konnte.

Die DB Station & Service AG begründet diese mit der zeitlichen Überlastung der Verantwortlichen aufgrund deren bundesweiter Tätigkeiten. Auch seien die Pflichten für die Projektleitung an die Stadt Ahrensburg übergeben worden. Diese habe die Inbetriebnahmefähigkeit des Haltepunktes Gartenholz bescheinigt und die entsprechenden Unterschriften geleistet.

Daraufhin hat das EBA die DB Station & Service AG am 14. Januar 2010 schriftlich aufgefordert, für das Projekt Fachkräfte mit ausreichenden Fachkenntnissen einzusetzen und die erforderlichen Voraussetzungen für die sachgerechte Wahrnehmung der Aufgaben zu schaffen. Weiterhin mahnte die Behörde die noch immer nicht vollständig vorliegenden Unterlagen an.

Erst nach satten zwei Monaten (!) meldete sich die DB S&S wieder und man gab zu, dass der angeblich fertiggestellte Haltepunkt noch gar nicht fertiggestellt ist – also überhaupt nicht abnahmefähig sei. Das EBA stellt fest:

Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Im schönsten diplomatischen Pressesprech watscht das EBA auch die Stadt Ahrensburg ab, denn obwohl die DB S&S für den Haltepunkt zuständig ist und später Stationsgebühren für jeden haltenden Zug kassieren wird, bastelt Ahrensburg selbst an der Station (die übrigens auch teurer werden wird, da man etwas schickeres haben wollte, als die DB-Einheitsware). Und da wittert EBA-Sprecher Ralph Fischer gewisse Unzulänglichkeiten:

„Da die Stadt Ahrensburg erstmals eine solche Bahnanlage baut, fehlen verständlicherweise die notwendigen Kenntnisse. Aus Sicht der Behörde ist es die Aufgabe der DB Station & Service AG, die mit dem Bauvorhaben betraute Stadt Ahrensburg zu unterstützen. Hier ist dringend Abhilfe geboten.“

Zu gut deutsch: Ahrensburg ist offenkundig zu inkompetent für den Bau, man solle bitte Profis ranlassen.

Und die sagenumwobenen EU-Vorschriften? Die gibt es an bestimmten Strecken, aber noch sind nicht alle Ideen EU-weit vereinheitlicht und solange gelten die nationalen Vorschriften, wie gehabt, weiter. Im Übrigen könne das EBA auf Antrag gewisse EU-Regelungen aussetzen.

Dafür muss der Antrag aber auch eingereicht werden – vollständig.
— OR; Bild: Ausriss (modifiziert) HVV-Schnellbahnplan

„Leidiges Thema“: Eröffnung der R10-Station Gartenholz verschoben

Zwischen Ahrensburg und Bargteheide sollte an der Regionalbahnlinie 10 schon seit Monaten ein neuer Haltepunkt den Stadtteil Gartenholz (4.500 Einwohner), sowie ein Gewerbegebiet (ca. 10.000 Beschäftigte) erschließen. Die Eröffnung war für heute geplant, doch daraus wird nun leider nichts.

Im sehr informativen, gut geführten LVS-Streckenblog wird auch der Grund hierfür genannt: Das Inbetriebnahmeverfahren nach EU-Recht verlangt Zertifikate über Haltestellenausrüstungen, die noch nicht vorliegen. Zur Eröffnung sind diese aber zwingend erforderlich, sonst erteilt die Bürokratie nicht ihren Segen. Der eigentliche Bau ist weitgehend abgeschlossen. Über die Verzögerungen bei diesem „leidigen Thema“ zeigt man sich im Streckenblog leicht genervt.
Die Kosten sind wohl höher als beim sonst üblichen DB-Standard, da die Stadt Ahrensburg die Station etwas attraktiver haben wollte. Für den Erwerb der Grundstücke musste Ahrensburg ebenfalls die Schatulle öffnen.

Wann der „Bahnhof Gartenholz“ erstmals angefahren wird, steht derweil in den Sternen. Sicherheitshalber hat man erst einmal keinen konkreten Eröffnungstermin genannt.

Verschoben wurde damit einhergehend die Einführung der neuen Buslinie 469, die das örtliche Gewerbegebiet als Ringlinie mit dem R10-Haltepunkt anbinden sollte. Bis auf weiteres soll die Buslinie 169 unangetastet weiter verkehren.

Mehr zum Thema:

— OR; Bild: Ausriss (modifiziert) HVV-Schnellbahnplan

LVS: Pünktlichkeitswerte 03/09 und Streckenblog

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In Schleswig-Holstein verkündete die Landesweite Verkehrsservicegesellschaft (LVS) die Pünktlichkeitswerte der einzelnen Verkehrsunternehmen in ihren jeweiligen Netzen. Dabei lässt sich festhalten, das größtenteils die Züge unpünktlicher verkehrten, als noch im vorherigen, 2. Quartal 2009. Besonders mies lief es für die DB Regio SH auf ihrer Strecke Hamburg-Büchen, wo gut ein Viertel der Züge unpünktlich waren. Musterknabe war erneut die AKN mit 98,2% pünktliche Züge auf ihren A1 und A3-Linien.

Hier die, aus Hamburger Sicht, relevanten Pünktlichkeitswerte (in Klammern die Werte des zweiten Quartals 2009):

  • DB Regionalbahn Schleswig-Holstein, Netze Mitte und Ost
    (Strecken u.a. Hamburg-Kiel, Hamburg-Westerland, Hamburg-Lübeck)
    90,9% (94,2%)
  • DB Regionalbahn Schleswig-Holstein, Schleswig-Holstein Express
    (Strecke Hamburg-Flensburg)
    91,6% (93,9%)
  • DB Regionalbahn Schleswig-Holstein, Hamburg-Büchen (-Rostock)
    75,6% (78,1%)
  • AKN, Linien A1 und A3
    98,2% (98,6%)

Einen außerordentlich interessanten Ansatz ist das von der LVS eingerichtete „Streckenblog“. LVS-Mitarbeiter berichten über Bahnstrecken, für die es einen Streckenbeirat gibt. Mittelfristig soll über alle Bahnstrecken Schleswig-Holsteins berichtet werden. Wie für ein Blog üblich, ist das Kommentieren für jeden Leser möglich.
— OR; Bild: Logo LVS-SH