Posts Tagged ‘HOCHBAHN-WACHE’

Fahrgastinformation, Tarifkonflikt, EBUS Award, HHW-Jubiläum, Sperrungen


Fahrgastinformation im Bus | Die Hamburger Hochbahn will demnächst neue Fahrgastinformationssysteme im Busressort testen. Per Monitor soll Fahrtverlauf (kommende Haltestellen), Anschlüsse und Übergänge zu anderen Linien dargestellt werden. Der Leitstelle wird es möglich sein, über aktuelle Ereignisse wie Störungen oder Verspätungen die Fahrgäste im Bus zu informieren. Systeme verschiedener Hersteller kommen zum Einsatz, um das beste Produkt herauszufiltern. Kriterien sind Implantierung in die vorhandene Softwareumgebung und die Meinung der Fahrgäste, die hierzu befragt werden. +++

Tarifkonflikt | ver.di-Nord zeigt sich mit dem am letzten Freitag (28.09.2012) durchgeführten Warnstreik im schleswig-holsteinischen Busverkehr zufrieden. „90% aller Busse der betroffenen Unternehmen sind in den Depots geblieben“, stellt Pressesprecher Frank Schischefsky fest. Vereinzelnd sorgten allerdings Streikbrecher für Ungemach bei der Gewerkschaft, die nun damit droht, Streikmaßnahmen nicht mehr frühzeitig anzukündigen. Naturgemäß zeigte sich der Gegenspieler, OVN (Omnibus Verbandes Nord) über alledem weniger erfreut. Die am Dienstag durchgeführte, dritte Tarifrunde ist obendrein gescheitert. Die Kontrahenten wollen sich am 25.10.2012 zur vierten Runde treffen. +++

EBUS Award | Erstmals wurde der EBUS Award vergeben, ein Umweltpreis für bereits realisierte und in Betrieb befindliche, umweltschonende Projekte rund um den Omnibus. Es handelt sich um einen brancheninternen Preis, dahinter steckt unter anderem der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Insgesamt in sieben Kategorien wurden Preise vergeben (weitere Infos: hier). HOCHBAHN-Boss Günter Elste nahm den Sonderpreis „Persönlichkeiten der E-Mobilität im ÖPNV“ entgegen. „Elste gilt deutschlandweit als einer der Pioniere im Bereich der Elektromobilität. Bereits Ende der 1990er Jahre testete die Hamburger Hochbahn Busse mit elektrischer Antriebstechnik“ begründet die Pressemitteilung [PDF] die Würdigung. +++

Training | Wie man geschickt mit Rollstuhl oder Rollator in den Bus kommt, kann am kommenden Dienstag, 09.10.2012, in Bergedorf (Abfahrtsbereich D) ausprobiert werden. Die VHH PVG und der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen (LAG) bietet zwischen 10 und 13 Uhr ein entsprechendes Training an. +++

HHW-Jubiläum | Seit 01.10.1992 sorgt die Hamburger HOCHBAHN-Wache – HHW – für Sicherheit in Bus & U-Bahn. Zunächst als U-Bahn-Wache betitelt und von einem privaten Sicherheitsunternehmen betrieben, ist die HHW seit 2007 eine 100-prozentige Tochter der HOCHBAHN. Die HHW ist auch für den Fahrkartenprüfdienst zuständig, die 2004 aus dem Verkehrsunternehmen ausgegliedert und übertragen wurde. Startete der Sicherheitsdienst 1992 mit 80 Mitarbeitern, sind es heute 405 Köpfe. +++

A1-Sperrung | Der zweigleisige Ausbau der A1-Strecke kommt gut voran. Umfangreiche Arbeiten (Gleiserneuerung, Weichen- und Signalarbeiten) stehen nun von Donnerstag, 04.10.2012 bis Mittwoch, 10.10.2012 an, daher fällt der Zugverkehr zwischen Hasloh und Eidelstedt aus. Der Schienenersatzverkehr mit Bussen hat dabei allerdings das Problem, das bei den Arbeiten auch einige Bahnübergänge gesperrt werden; gegenüber dem regulären Zugverkehr ist mit bis zu 40 Minuten verlängerte Fahrzeit zu rechnen. Alle Infos und Fahrtalternativen hat die AKN hier zusammengestellt. +++

S Hauptbahnhof | Montag, 08.10. (1 Uhr) bis Sonntag, 14.10.2012 (Betriebsschluss) stehen Gleisbauarbeiten im Hallengleis 4 im Hauptbahnhof an. Alle Züge werden durch Gleis 3 (Richtung West → Ost) in der Reihenfolge S3, S21, S1 und S31 geführt. Der Direkte, bahnsteiggleiche Übergang zwischen S21 und S1 ist logischerweise nicht möglich. Die zeitweiligen Linien S11, S2 und A1 können nicht verkehren. [Aushang: PDF] +++

U3-Sperrung | Kommenden Sonntag – 07.10.2012 – zwischen 7 Uhr bis Betriebsschluss muss der Bus den U3-Betrieb zwischen St. Pauli und Rathaus übernehmen, da Gleisbauarbeiten durchgeführt werden müssen. +++

Bundespolizei führte Schwerpunkteinsätze bei der S-Bahn durch / HOCHBAHN-WACHE verstärkt auf Patrouille

Während für U-Bahn und Bus die Landespolizei zuständig ist, fallen alle Eisenbahnanlagen in den Verantwortungsbereich der Bundespolizei, früher Bundesgrenzschutz, so auch die S-Bahn. Dort führte die Bundespolizei vergangenes Wochenende (28.05. bis 30.05.2010) mit über 100 Beamten, teils in Zivil, zur „offensiven Gewaltprävention“ einen großangelegten Schwerpunkteinsatz durch.

Ergebnis des Einsatzes: Mehrere Messer und Pfefferspreys stellte die Bundespolizei sicher.

Zwar zählte die Bundespolizei 2009 in Hamburg 16 Prozent weniger Körperverletzungsdelikte (gesamt: 908 Vorfälle), musste aber feststellen, dass diese überwiegend durch betrunkene Jugendliche begangen werden, mit teilweise einer aggressiven Grundstimmung. Auch die neuerlich ausgebrochene Diskussion um die Sicherheit im Nahverkehr dürfte ein Grund für den Schwerpunkteinsatz gewesen sein.

Insgesamt wurden in Bahnhöfen, S-Bahn-Stationen und S-Bahn-Zügen 277 Personen kontrolliert, 88 durchsucht. 5 Messer und 2 Pfeffersprays wurden beschlagnahmt, 4 Personen in Gewahrsam und zwei festgenommen, einer davon mit Haftbefehl gesucht.

Jan-Christof Möller, Leiter der Bundespolizei Hamburg, stellt fest:

Auch bei dem durchgeführten Einsatz mussten meine Einsatzkräfte wieder ein hohes Aggressionspotenzial bei Jugendlichen und Heranwachsenden feststellen.

Er kündigte an, auch künftig in unregelmäßigen Abständen im großen Stil kontrollieren zu wollen.

Auch HOCHBAHN reagiert

Offenbar verstärkt auch die HOCHBAHN den Sicherheitsbereich. So fahren auf mehreren Buslinien Mitarbeiter der HOCHBAHN-Wache mit oder folgen dem Bus in einem Einsatzfahrzeug. Zurzeit scheinen die Zivilkontrollen des Fahrkartenprüfdienstes ausgesetzt zu sein, die Mitarbeiter sind stets uniformiert auf Patrouille. Bereits seit Mitte Februar werden die U-Bahn-Haltestellen St. Pauli, Hauptbahnhof, Wandsbek-Gartenstedt und Barmbek in den Abendstunden dauerhaft mit Sicherheitspersonal besetzt.

Die S-Bahn setzt seit Anfang des Jahres im durchgängigen Nachtverkehr auf mehr Sicherheitspersonal, so fährt in jedem S-Bahn-Zug zwischen 1 und 4 Uhr zwei Mann der DB-Sicherheit mit (im zweiten Wagen des Zuges); bereits ab 23 Uhr ist mehr Sicherheitspersonal im S-Bahn-Netz unterwegs.

Beide großen Hamburger Verkehrsunternehmen – S-Bahn und HOCHBAHN – haben bereits vor Monaten ihr Sicherheitspersonal aufgestockt. Dank der Videoaufzeichnung in Fahrzeugen und auf Anlagen konnten bei allen Vorfällen die Polizei die Täter meist sehr schnell ausfindig machen.
— OR; Foto: © Bundespolizei

HOCHBAHN-WACHE informiert vor Ort

In der kommenden Woche informiert die HOCHBAHN-WACHE, wie man mit Nothalt, Info- / Notrufsäule oder der Sprechstelle zum U-Bahn-Fahrer richtig umgeht. An drei Abenden, jeweils zwischen 17 und 22 Uhr, findet sich der Wachdienst an bestimmten Haltestellen ein, zusätzlich fahren „Stewardessen“ in Zügen mit. Die Aktion findet an folgenden Orten und Terminen statt:

  • Dienstag, 27. 04.2010: U2 Billstedt und U3 St. Pauli sowie in Zügen der Linien U1 und U2.
  • Mittwoch, 28. 04.2010: U2/U3 Berliner Tor und U1 Wandsbek Markt sowie in Zügen der Linien U2 und U3.
  • Donnerstag, 29. 04.2010: U2 Hauptbahnhof Nord und U2 Schlump sowie in Zügen der Linien U1 und U3.

Die HOCHBAHN weist darauf hin, dass in den letzten 10 Jahren im U-Bahn-Bereich die Zahl der Straftaten um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist. Dieser Sachverhalt steht im scharfen Kontrast zur meist sehr aufgeregten Berichterstattung in den Medien.

Mehr zum Thema auf Rycon:

— OR

Sicherheit im Hamburger Nahverkehr (2/2)

Teil 2 von 2 | Im ersten Teil ging es um einen Rückblick zum hochsensiblen Thema Sicherheit im Nahverkehr und wie man die Konzepte beschreiben kann. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Videoaufzeichnung und/oder -überwachung.

Bürgerrechte sind ein äußerst wichtiger Gesichtspunkt in einer freien Gesellschaft und wer will schon in einem Überwachungsstaat leben? Aus Mitarbeitersicht ist es auch nicht wünschenswert, durchgehend vom Arbeitgeber überwacht zu werden. Zudem ist es unpraktikabel, Bilder tausender Kameras live zu sichten. Der goldene Mittelweg ist die Videoaufzeichnung, wie sie in Hamburger Verkehrsmitteln, d.h. Schnellbahnen und Bussen, zur Anwendung kommt. Sie ist aus Datenschutzsicht ein vertretbares Mittel.

Funktionsweise der Videoaufzeichnung

In den Fahrzeugen, egal ob Bahn oder Bus, befinden sich im Fahrgastraum mehrere Kameras, sogenannte Kameradome (halbrunde, getönte Kugeln an der Decke). Die Kameralinsen sind so ausgerichtet, dass möglichst der gesamte Raum erfasst wird. Die Aufzeichnung erfolgt auf einer, in einem speziellen Gehäuse untergebrachten, Festplatte. Nach einer gewissen Aufzeichnungsdauer – üblicherweise 24 Stunden – werden die vorhandenen Bilder überschrieben, sie sind damit unwiederbringlich verloren. (PC-Kenner wissen: Überschreiben ist etwas anderes als Löschen.)
Im Falle eines Falles wird zur Beweissicherung, meist durch die Polizei angeordnet, der Datenträger sichergestellt, das heißt, ausgetauscht. Dieses wird von einem sogenannten Betriebsaufseher durchgeführt.

Bei einigen Busunternehmen gibt es eine Ausnahme, nämlich die über dem Busfahrer angebrachte Kamera, die sowohl den Eingang (Tür I), den Fahrerplatz als auch den Kassenbereich abdeckt. Sie ermöglicht neben der Aufzeichnung auch die direkte Bildübertragung in eine Leitstelle. Sollte der Busfahrer angegriffen werden und nicht mehr über Funk die Situation schildern können, kann er über einen verdeckt angebrachten Taster einen „Überfallnotruf“ absetzen. In der Leitstelle wird dies deutlich sichtbar auf dem Monitor angezeigt. Mittels GPS werden die Standortdaten ermittelt und in einem Stadtplan angezeigt. Um die Lage zu sondieren, kann sich der Leitstellenmitarbeiter nun in diese Kamera „einklinken“ und ggf. die Polizei verständigen. Die verfügt damit auch über wertvolle Information, z.B. um wie viele Angreifer es sich handelt, ob sie eventuell bewaffnet sind und so weiter. Bei einigen Systemen wird zusätzlich das Mikrofon des Funkgerätes aktiviert.

Die Aufschaltung der Leitstelle wird dem Busfahrer automatisch in einem Display angezeigt. Meist wird ebenso automatisch der Betriebsrat informiert, einige Systeme schicken – ohne Menschliches zutun – eine E-Mail oder SMS an die Arbeitnehmervertretung. Damit soll eine Mitarbeiterüberwachung ausgeschlossen werden.

Effektivität der Videoaufzeichnung

Verhindern können Videoaufzeichnungsanlagen dramatische Wahnsinnstaten naturgemäß nicht, genau so wenig wie ein Feuerlöscher ein Feuer verhindern kann. Aber sie stellen ein Hilfsmittel – analog zum Feuerlöscher – zur Verfügung, denn Täter können so identifiziert werden, was die Erfolgschancen einer Fahndung beträchtlich erhöht.

Das sorgt mittelbar für mehr Sicherheit. Täter können davon ausgehen, nicht unerkannt zu entkommen. Spätestens, wenn ihr Antlitz in der Zeitung auftaucht, können sie anfangen, schon einmal die Koffer zu packen. Genau das ist in dem aktuellen Fall passiert: Die Täter haben sich selbst gestellt.

Grenzen der Technik

Die größte, teuerste und ausgefeilteste Technik kann Zivilcourage nicht ersetzen. Auch Politiker oder Sicherheitsexperten fordern immer wieder Zivilcourage ein. Das lässt sich theoretisch natürlich leicht so dahinsagen, die Praxis sieht aber anders aus.

In den Fahrzeugen ist man eingesperrt, man kann nicht entkommen. Der Adrenalinspiegel schießt in die Höhe, Angst breitet sich aus. Zudem ist der Großstadtmensch darauf getrimmt, sich nicht in die belange der anderen einzumischen und man will ja auch schließlich nicht selbst am Ende im Krankenhaus liegen – oder schlimmeres.

Dennoch wird man Gewalt nur mit Courage bekämpfen oder ihr zumindest Einhalt gebieten können. Man kann seine gesellschaftliche Verantwortung, die man auch seinen Mitmenschen gegenüber hat, nicht am Bahnhofseingang abgeben. Kameras können ebenso die Verantwortung nicht übernehmen, sie sind kein Allheilmittel.

Der Schlüssel ist zusammenzuhalten – wenn mehrere Leute aufstehen, sieht die Sache schon ganz anders aus. Das zeigt der aktuelle Fall: Die beiden Täter ließen von ihrem Opfer ab und suchten das Weite, als mehrere Fahrgäste und der Busfahrer einschritten.

Praktische Tipps
Man muss nicht die Ärmel hochkrempeln und die Fäuste ballen, um effektiv helfen zu können. Ein paar Ratschläge:

  • Notbremse ziehen, Zugfahrer informieren: Zögern Sie nicht, die Notbremse bei brenzligen Situationen zu ziehen. Keine Sorge, U- und S-Bahnen fahren dann noch weiter bis zur nächsten Haltestelle. Informieren Sie den Fahrer per Gegensprechanlage, damit er die Polizei verständigen kann. Schildern Sie kurz und knapp die Lage („X Männer verprügeln einen Fahrgast, wir brauchen Hilfe!“). Sind die Angreifer bewaffnet, teilen sie unbedingt auch das dem Fahrer mit.
  • Im Bus umgehend den Fahrer informieren: Gerade bei langen Gelenkbussen ist das wichtig. Er kann umgehend Hilfe anfordern.
  • Halten Sie die Täter nicht auf: keine Heldentaten. Fliegen die Türen auf, lassen Sie die Täter entkommen (und kümmern sich eventuell um den Verletzten).
  • Auf dem Bahnsteig: Die Notrufsäulen betätigen und/oder den Nothalt ziehen. Beim ziehen des Nothaltes erfolgt eine Warnmeldung an die Leitstelle. Diese  wird auf die Haltestelle aufmerksam und schaltet sich in die Videoüberwachung ein, um die Lage zu sondieren. In der Umgebung befindliche U-Bahnen werden angehalten. Wenn Sie einen Vorfall außerhalb des Bahnsteiges (Zugänge, Schalterhalle) mitbekommen haben, melden Sie das bitte über die Notrufsäule sofort.
  • Nach der Tat: Bleiben Sie am Ort des Geschehens. Die Polizei ist auf Zeugenaussagen – auch im Videozeitalter – angewiesen, damit die Fahndung umgehend anlaufen kann.
  • Sollten Sie selber Opfer einer Gewalttat geworden sein: Versuchen Sie sich bitte mindestens den Ort des Geschehens zu merken (Haltestellenname, Zugnummer oder Wagennummer des Busses). Wenden sie sich unverzüglich an den Bus-/Zugfahrer, an die Leitstelle des Verkehrsunternehmens über die Notrufsäulen oder an die nächste Polizeidienststelle. Diese werden eine Sicherung des Videodatenträgers veranlassen und Ihnen, wenn nötig, ärztliche Hilfe zukommen lassen.

Generell gilt: Notruf und Notfalleinrichtungen benutzen, denn dafür sind sie da. Zudem sorgt das für Aufmerksamkeit, was die Täter verunsichert und in günstigen Fällen vertreibt – was den oder die Opfer am meisten hilft.

Aktuelle Sicherheitslage

Die HOCHBAHN meldet für 2009, laut „Welt“, 281 Gewalttaten und damit mehr, als noch im letzten Jahr. 2008 mussten 240 Vorfälle registriert werden, während 393,2 Millionen Fahrgäste befördert wurden.

Dahinter verbergen sich vor allem Übergriffe auf Angestellte. Die gefährdetste Zielgruppe im Nahverkehr sind nicht Fahrgäste, sondern Busfahrer, sowie natürlich Mitarbeiter des Fahrkartenprüfdienstes und der HOCHBAHN-WACHE.

Debattenkultur

Es liegt in der Natur der Sache, das auflagensteigende Schlagzeilen nur über ungewöhnliche Ereignisse handeln. Gewöhnliche Sachen sind nun einmal keine Meldung wert. Die Feststellung, dass es Einzelfälle sind, hilft den Opfern natürlich herzlich wenig; aber es hilft, eine sachliche Diskussion zu führen.

Wie immer bei spektakulären Ereignissen werden schnell – und verzweifelt – Vorschläge in den Raum geworfen, die bei näherer Betrachtung Unfug sind. Beliebt ist die Forderung, natürlich, „Hartz-IV“-Empfängern als Pseudo-Sicherheitspersonal einzusetzen.
Sicherheitspersonal muss in Verteidigung, Rechtslage, Gewaltprävention und Konfliktbewältigung ausgebildet werden, eine psychologische Schulung gehört dazu und ein Gehalt, das mehr als 1 Euro die Stunde beträgt.
ALG-II-Empfänger in eine Uniform zu stecken, sie in die Bahn zu setzen und dann sich selbst zu überlassen ist daher eine Forderung, den man getrost als populistisch bezeichnen kann. Oder einfach als strohdumm.

Fazit

Videoeinrichtungen, bauliche Veränderungen an Anlagen und Fahrzeugen sowie deutlich mehr Personal – das alles verursacht sehr hohe Kosten und es dauerte Jahre, dies alles umzusetzen. Im Hinblick auf andere Verkehrsunternehmen in Deutschland haben die Hamburger Betriebe schon früh einen sehr hohen Standard erreicht. Das hat seinen Preis, der sich auch auf die Fahrpreise auswirkt.

Das entbindet uns Fahrgäste aber nicht, so schwer es fällt, selber im Falle eines Falles sich ein Herz zu fassen und einzugreifen. Dabei gilt: je mehr Leute, desto besser.
— OR/XP/HS; Bild: Hartmut910 (pixelio.de)

Kurzmeldungen (1)

Sicherheitsdebatte 1 | S-Bahn und HOCHBAHN verstärken Sicherheitspräsenz: Bei der S-Bahn soll nachts (ab 23 Uhr) künftig in jedem Zug Sicherheitspersonal mitfahren. Die HOCHBAHN-WACHE wurde schon Ende letzten Jahres aufgestockt und zählt nun 230 Mitarbeiter. An den U-Bahn-Haltestellen St. Pauli, Hauptbahnhof, Wandsbek-Gartenstadt und Barmbek soll abends nun dauerhaft der Sicherheitsdienst stationiert werden. +++

Sicherheitsdebatte 2 | Die Gewerkschaft der Polizei (Hamburg), GdP, fordert „anlassbezogenes Zugriffsrecht auf die Überwachungsanlagen“ in Bussen und Bahnen [PDF]. Wozu das gut sein soll, wo doch die bisherige Aufzeichnung gerade erst gezeigt hat, das sie ausreichend für Fahndungszwecke ist, sagte die GdP nicht. Über die Funktionsweise der Videoanlagen gibt es am Sonntag einen Bericht hier auf Rycon. +++

Busfahrerstreik in SH | Weiter keine Einigung der Konfliktparteien in Sicht. Derweil scheinen sich immer mehr Fahrgäste auf die Situation einzustellen, geht man nach der Telefon-Hotline: Mit 2.600 Anrufer zählte man weniger als bisher, sagte PVG-Sprecher Rolf Westphalen. +++

Fünfter | In einem ÖPNV-Test unter 23 europäischen Städten des Autofahrer-Lobbyistenverbands ADAC erreichte der HVV mit seinem Angebot Platz 5. Mit „sehr gut“ wurde das Umsteigen und die Information an den Anlagen bewertet, ein „gut“ gab es für die Reisezeit und die Ticketpreise wurden mit „ausreichend“ benotet. Der erste Platz ging an den MVV (München). +++

LILABE 2010 | Auch dieses Jahr gibt es – auf Wunsch des Veranstalters – keinen Bus-Shuttleverkehr zwischen Bergedorfer ZOB und LILABE. +++
— OR

Sicherheit im Hamburger Nahverkehr (1/2)

Teil 1 von 2 | Seit Anfang dieser Woche ist in Hamburg eine Diskussion um Gewalt und Sicherheit im Nahverkehr in Gange. Auslöser war ein unfassbar brutaler Angriff zweier 20-jähriger Männer auf einen Dritten, ausgelöst durch eine Lappalie. Liest man sich die Mitteilung der Polizei durch, kann man sich schon fragen, ob die Täter wirklich noch zur menschlichen Spezies gezählt werden dürfen – erinnert das doch schnell an tollwütige Tiere. Aber wahrscheinlich täte man den Tieren unrecht mit diesem Vergleich, selbst tollwütigen.

Derartige Akte widerlicher Gewalt sind ein Festessen für Boulevardmedien, welche dieses emotional aufgeladene Thema auf gewohnte weise ausschlachten. Das verunsichert, wer sollte es ihnen verdenken, nicht wenige Fahrgäste. So steht schnell die Frage im Raum: Was wird für die Sicherheit im Hamburger Nahverkehr getan?

Öffentlicher Raum

Zuerst muss man sich vergegenwärtigen, dass der öffentliche Nahverkehr das Spiegelbild der Gesellschaft ist. Vom Handwerker über Bankangestellte bis zum Rentner oder Arbeitslosen – im ÖPNV sind alle versammelt. Früher übernahm das der Marktplatz, den es heute nicht mehr in ursprünglicher Form gibt; und auch in den Einkaufsstraßen splittet sich die Gesellschaft, der eine Teil geht zu Diór, der andere zu H&M und der Nächste zum Aldi-Markt. In Bus und Bahn finden aber alle wieder zusammen.

Spektakuläre Gewaltausbrüche sind kein spezifisches Problem des Nahverkehrs, ebenso wenig Alkoholkonsum und dergleichen. Die Leute fangen ja nicht in der Bahn mit dem saufen an. Aber im ÖPNV bekommen das eben mehr Menschen mit, als nachts im Park. Die öffentliche Meinung – oder, besser: die veröffentlichte Meinung – verknüpft so etwas gerne mit dem Ort, an dem es stattfindet. Saufende Jugendliche am Eingang einer Disco? Machen wir die Disco zu! Damit löst man zwar kein Problem, aber hey, man hat immerhin etwas getan.

Rückblick

Das Thema Sicherheit im ÖPNV gab es in den 60er, 70ern und zum Teil noch 80ern schlichtweg nicht. Natürlich liefen da nicht nur Engel auf Hamburgs Straßen rum, aber andere Themen waren wichtiger. Im Nahverkehr gab es zu der Zeit auch noch die örtlichen Aufsichten auf den Bahnhöfen (Zugabfertiger respektive Haltestellenwärter) und auf den großen Busumsteigeanlagen befanden sich die örtlichen Leitstellen.

Bei den Verkehrsunternehmen explodierten zu der Zeit die Kosten und der Druck, wirtschaftlicher zu arbeiten, stieg. Um die Verluste irgendwie in den Griff zu bekommen, wurden Zugabfertiger von den Bahnhöfen abgezogen und durch viel Technik ersetzt. Im gleichen Maße schrumpften im Busbereich die Leitstellen, bis sie schließlich aufgegeben bzw. zentralisiert wurden. Gleichzeitig sparten die Unternehmen an ihrer Infrastruktur. Bahnhöfe wurden selten gereinigt, kaputte Einrichtungen nicht ersetzt, Schmierereien nicht entfernt, kurzum: Die Anlagen versifften, was zwielichtige Gesellen anzog. Mit Schrecken mag man sich noch an den Hauptbahnhof der 80er erinnern, ein Moloch, der von Fixern, Dealern und Kleinkriminellen bevölkert wurde. Wer da von der guten alten Zeit spricht, muss schon eine besonders wirkungsvolle rosarote Brille aufhaben.

Das „subjektive Sicherheitsempfinden“ der Fahrgäste schmolz wie Eis im Sommer, während immer mehr Übergriffe in U- & S-Bahnen in der Presse für aufgeregte Schlagzeilen sorgte. Kritiker regten gar an, die Schnellbahnen in den Abendstunden einzustellen und durch Busse zu ersetzen. Der Ruf des HVV war ramponiert, die Fahrgastzahlen brachen ein und gleichermaßen schnellten die Verluste der Verkehrsunternehmen in gigantische höhen. Für den Hamburger Nahverkehr vielleicht die dunkelste Zeit.

Die Sicherheitslage, allgemein in der Stadt und speziell im öffentlichen Nahverkehr, bescherte auch einen besonders bitteren Abschnitt in der Hamburger Geschichte. Die Wähler spülten 2001 mit fast 20 % die „Partei Rechtsstaatlicher Offensive“, oder auch Schill-Partei genannt, in den Senat. Im Rückblick schämen sich nicht wenige Hamburger für diesen Vorgang. Aber der Hintergrund war klar: Die Bürger wollten sich wieder sicher in ihrer Stadt fühlen.

Sicherheitskonzepte im Nahverkehr

Zu der Zeit hatten die Verkehrsunternehmen schon längst mit der Umsetzung ihrer Sicherheitskonzepte begonnen und viel Geld bereitgestellt. Selbst bei der S-Bahn tat sich – noch in den seligen Bundesbahnzeiten – etwas. Das ist im Rückblick äußerst erstaunlich, da die S-Bahn schon immer sehr Träge war; Ende der 1980er-Jahre aber befand sie sich geradezu in einem komatösen Zustand.

Viel Geld nahm man für den Ausbau der Anlagen in die Hand, Kameraanlagen und kombinierte Info-/Notrufsäulen wurden installiert – der Fahrgast war nicht mehr ganz so alleine auf dem Bahnsteig. Von nun an wurden die Anlagen generell mehr gepflegt und in schuss gehalten, hier und da setzte man gar auf klassische Musik, um den Aufenthalt zum Fixen ungemütlicher zu machen. Beethoven wäre wohl nicht sehr geschmeichelt.

Bei Renovierungen wird auf die Beseitigung von „toten Winkeln“ geachtet und auf deutliche Verbesserung der Beleuchtung; Aufzüge sind keine Kammern, sondern Glaskabinen. Dunkle Farben werden vermieden, hell, freundlich und einsehbar soll alles sein. Aus ehemals unheimlichen, versifften Löchern (der guten alten Zeit) werden ansehnliche Zugangsmöglichkeiten, welche die „gefühlte Sicherheit“ enorm steigern. Bei den S-Bahn-Haltestellen, die von der DB Station&Service unterhalten werden, gibt es aber bis heute noch einen Nachholbedarf.

Recht schnell hat man auch an den Fahrzeugen Sicherheitskonzepte umgesetzt. An den Wagenenden wurden Fenster eingebaut, so dass man nun von einem Wagen in den anderen gucken konnte. Bei der Inneneinrichtung wird Wert darauf gelegt, dass alles transparenter ist; heutzutage einer der wichtigsten Aspekte bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge. Türsprechanlagen ermöglichen den Kontakt zum Fahrer und verhältnismäßig flott wurde eine Videoaufzeichnung installiert. Heute verkehren keine Schnellbahnen und kaum ein Bus mehr ohne diese teuren Gerätschaften.

Die HOCHBAHN baute ihre U-Bahnwache auf, die heute HOCHBAHN-WACHE heißt und auch im Busressort zum Einsatz kommt; die S-Bahn zog mit DB Sicherheit (früher S-Bahn-Wache) nach. In den besonders harten Zeiten setzte die Stadt auch auf mitfahrende Polizisten.

Im zweiten und letzten Teil, der am Sonntag, 21.02.2010, erscheint, geht es um die Funktionsweise der Videoaufzeichnung in Bus & Bahn, Zivilcourage und ein Fazit.
— OR/XP; Bild: Dieter Schütz, Pixelio