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Tarifanhebung, Sozialkarte, Sperrzeit, Hanseboot, Sperrungen

Tarifanhebung | Der Hamburger Senat hat wie erwartet den HVV-Antrag auf Tariferhöhung abgenickt. Abgesehen davon, dass die Bürgerschaft darüber auch noch einmal schwadronieren will, ist die Fahrpreiserhöhung damit unter Dach und Fach. Über das gesamte Angebot hinweg steigt der Preis um durchschnittlich 3,5 Prozent. Eine Übersicht der ab dem 01.01.2013 geltenden Preise findet sich in diesem [PDF]. +++

Sozialkarte | Für sozial schwächere Menschen gewährt die Stadt Hamburg auf das HVV-Zeitkartensortiment einen Zuschuss („Sozialkarte“). Dieser steigt nun von 18 Euro auf sagenhafte 19 Euro; vorangegangen war unter den Behörden ein Hickhack, aus welchem Etat die zu erwarteten Mehrkosten – 600.000 Euro – aufzubringen sind. Hängen bleibt der Betrag beim Verkehrssenator Frank Horch. +++

Sperrzeit | Die AKN weist mit deutlichen Worten auf die im HVV geltenden Sperrzeiten für die Fahrradmitnahme hin. Bisher hätte man Einzelfälle meist toleriert, ab jetzt ist aber Schluss mit lustig: 15 Euro müssen beim erwischtwerden den Besitzer wechseln. Dafür gibt’s nicht einmal eine Fahrkarte für den Drahtesel, denn selbiges muss aus dem Zug entfernt werden. Generell beobachtet die AKN, dass Fahrradfahrer „nicht die gebotene Rücksicht auf Fahrgäste“ nehmen. In den Hauptverkehrszeiten sind die Verkehrsmittel im HVV meist brechend voll, eine Fahrradmitnahme ist daher Montag bis Freitag von 6 bis 9 und von 16 bis 18 Uhr nicht gestattet. +++

Hanseboot | Vom Samstag, 27.10. bis Sonntag, 4.11.2012 öffnet die Hanseboot fürs Publikum die Tore. Jeder HVV-Kunde mit einer gültigen Fahrkarte bekommt die Eintrittskarte zum Vorzugspreis. +++

Baubeginn | Nicht weniger als der „modernsten Busbetriebshof Europas“ soll auf dem größten Betriebshof der HOCHBAHN in Langenfelde entstehen. Am gestrigen Mittwoch wurde der Baubeginn gefeiert, der nach 37 Millionen Euro Investitionen Ende 2014 fertiggestellt werden soll. +++

S21-Sperrung | In S Nettelnburg kommen die Bahnsteigkanten an die Reihe, sie werden erneuert. Zwischen Mittlerer Landweg und Bergedorf wird die S-Bahn durch den Bus ersetzt, und zwar vom Freitag 23.30 Uhr bis Montag, 3.30 Uhr. [Weitere Infos] +++

R60/R70-Sperrung | Von Samstag, 1 bis 5 Uhr sowie ab 16 Uhr bis Sonntag 17.30 Uhr wird an Bahnübergängen zwischen Elmshorn und Pinneberg gewerkelt. Die meisten Züge zwischen Hamburg/Pinneberg und Elmshorn fallen aus. Als Ersatzverkehr dient die S3 bis Pinneberg, dort geht’s mit dem SEV-Bus weiter nach Elmshorn. Die Flensburger RegionalExpress-Züge fahren nur von/ab Neumünster; dort besteht Anschluss an den RegionalExpress nach Kiel. +++

A1-Abweichungen | Wegen Kabelkanalarbeiten am Samstag und Sonntag in Quickborn und Quickborn Süd legen die A1-Züge nicht von ihren Stammbahnsteigen ab. [Mehr Infos] +++

Winterzeit | Am Sonntag müssen die Uhren, wenn sie es nicht schon selbst erledigen, umgestellt werden, nämlich von 3 Uhr auf 2 Uhr. +++

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Fahrpreise steigen – nicht nur hier, sondern auch dort

Der HVV will am 01.01.2013 die Fahrpreise um durchschnittlich 3,5 % anheben. Die politische Zustimmung gilt als Formsache. Eine wunderbare Gelegenheit, sich über die viel zu hohen Preise aufzuregen und die schon obligatorischen „schon wieder!“-Rufe zu hören beziehungsweise zu lesen.

Das jährliche Ritual ist so vorhersehbar wie langweilig. Die Stromkosten steigen auch fast jährlich und der Treibstoff drüben an der Tanke sogar noch viel öfter; auch wenn er zwischen durch mal sinkt, im Jahresschnitt geht’s auch beim Autofahrer steil bergauf. Leider brauchen die angeblich so billigen Busse auch das Gesöff. Und neue Busse verbrauchen nicht weniger Treibstoff, sondern tendenziell eher mehr, was an der immer aufwendigere Abgasnachbehandlung liegt (und der Klimaanlage).

Die Spezialisten von der „Hamburger Morgenpost“ nahmen sich beherzt des Themas an und versuchten, die HVV-Preise mit denen aus Berlin, Köln, München und Frankfurt zu vergleichen. Heraus kam ein ziemlich armseliges Ergebnis und in der Latte von Leserkommentaren kam oft der berechtigte Einwurf, die einzelnen und willkürlich herausgegriffenen Tickets könne man gar nicht vergleichen. (Überhaupt reagierten viele der Leser weniger hyperventilierend, als die Journalisten.)

Es sei aber zugegeben, das solche Vergleiche extrem verführerisch sind, auch ich habe mich da abgemüht. Nur: Es gibt einfach keine objektive Möglichkeit, die Preise zu vergleichen. Viel zu viele Dinge sind zu berücksichtigen: Verbundraum, Einwohnerdichte, Größe der Kernstädte, Ausgestaltung der Angebote – nur um einige Parameter zu nennen.

Die Einzelkarte in Berlin hat natürlich einen ganz anderen Preis, als bei uns in Hamburg; dort wird der öffentliche Verkehr ja völlig anders abgewickelt. Wir setzen, so wollen es die Politiker und die Bürger, auf den so angeblich-billigen Busverkehr. Berlin dagegen ist durchzogen von einem engmaschigen Schienennetz, fünf (!) untereinander inkompatible Systeme – plus Bus – sorgen landseitig für das Fortkommen.

Stark auf den Preis wirkt sich aus, wie sehr die politische Klasse den Nahverkehr stützt. Berlin ist da offensichtlich sehr sozial. Die Hamburger Pfeffersäcke wollen aber lieber den Etat für den Nahverkehr deckeln, damit zusätzliche Mittel für die Straße eingesetzt werden können. Lieben Gruß an den ADAC, dessen Lobbyarbeit man in dieser Stadt wirklich nur bewundern kann.

So ganz ohne Vergleich kommt aber auch dieser Beitrag auf Rycon nicht aus. Man möchte ja doch schon wissen, ob die ständigen Behauptungen, der HVV sei der teuerste Verkehrsverbund der Republik mit den stärksten Steigerungen, belegbar sind.

Als Datengrundlage wurden jedoch nicht willkürlich Angebote herausgepickt, sondern schlicht die prozentualen Tarifanhebungen (Durchschnitt) der kommenden und gegenwärtigen Periode.

Hierzu wurden die Verbünde (keine angenehme Aufgabe) jeweils abgegrast. Der Fernverkehr der Deutschen Bahn AG zusätzlich als vergleich [i = Info/Quelle].

Verbund Kernstadt/Gebiet Erhöhung Seit/ab Letzte Anpassung
HVV Hamburg 3,5 % 01.01.2013 01.01.2012 (+3,5 %)

[i]

MVV München 3,7 % 09.12.2012 11.12.2011 (+2,3 %)

[i]

VBB Berlin 2,8 % 01.08.2012 01.01.2011 (+ 2,8 %)

[i]

VBN Bremen 2,7 % 01.01.2012 01.01.2010 (+ 2,98 %)

X

RMV Rhein-Main 3,9 % 12/2012 12.12.2011 (+ 2,7 %)

[i]

GVH Hannover 11.12.2011 (+ 2,43 %)

X

VRR Rhein-Ruhr 3,9 % 01.01.2013 01.01.2012 (+ 3,9 %)

[i]

DB AG Deutschland 2,8 % 09.12.2012 11.12.2011 (+ 3,9 %)

[i]

 

Anmerkung: Für den VBN (Bremen) ist eventuell und bei dem GVH (Hannover) wahrscheinlich eine Tarifanhebung zu erwarten. Die Perioden sind in den Verbünden freibleibend.

Das Ganze plakativer als Balkendiagramm (ohne GVH):

Steigerungen: Überall

Nicht nur der Hamburger Fahrgast muss künftig tiefer in die Tasche greifen, der Trend zeigt – jedenfalls bei den hier ausgewerteten Verbünden – nach oben. Der Münchener Verkehrsverbund liegt höher als der HVV bei der Preissteigerung; die beiden Flächenverbünde RMV und VRR müssen sogar noch mehr zuschlagen. Die Verbünde der Kernstädte Berlin und Bremen sind humaner.

In den Tarifanhebungsrunden spielt der HVV oben mit, außergewöhnliche Dreistigkeit kann man jedoch nicht attestieren.

Interpretation der Daten und Strategie der Erhöhungen

Bei den oben genannten Zahlen und Auswertungen sowie den Schlagzeilen der Presse sollte eines jedoch nicht übersehen werden: Es handelt sich um Durchschnittswerte über das jeweilige (sehr unterschiedliche) Fahrkartensortiment hinweg. Für den individuellen Kunden steigen die Preise ebenso individuell – und das meist nicht in den Perioden, sondern wesentlich gedehnter.

Ein Beispiel: Für die Einzelkarte Kind blieb der Preis (1 Euro seit 2009) gleich, obwohl in dieser Zeitspanne die Preise durchschnittlich mehrmals angehoben wurden. Erst mit der kommenden Preisperiode (ab 09.12.2012) erhöht sich der Obolus nach drei Jahren um 10 Cent auf 1,10 Euro.

Speziell die Presse greift sich gerne die Preissteigerungen aus dem Einzelfahrschein-Angebot heraus, weil die prozentualen Steigerungen hier besonders krass wirken. Dabei liegen sie real – in ganzen Zahlen – im niedrigen Cent-Bereich. Im Beispiel mit der Kinderkarte sind das 10 Prozent, eine sehr dramatisch wirkende Erhöhung; nach drei Jahren real gesehen aber durchaus nachvollziehbar.

Bestimmte Angebote, die die letzten Preisperioden über unangetastet blieben, werden also – so scheint es – überproportional erhöht. In der öffentlichen Darstellung wird dann schnell als „Abzocke“ bezeichnet.

Das ist schlicht falsch. Die Anpassungen müssen zu bezahlbaren Preisen führen, und damit ist nicht der Nennwert gemeint; eine Fahrkarte für 1,99 Euro oder ein Seniorenticket für 33,33 Euro ist im Vertrieb relativ bekloppt. Die Preissteigerungen erfolgen in 5, 10-Cent oder mehr Schritten. Hier wird über die Jahre solange gewartet, bis ein griffiger Endpreis herauskommt. Wie gesagt, prozentual gesehen dann enorme Steigerungen, tatsächlich aber (meistens) Pipifax.

Dieses Hintergrundwissen ist bestimmt bei der Einordnung von Schlagzeilen aus der Hamburger Presse gewiss nicht abträglich. Nahverkehr besteht eben nicht nur daraus, Busse und Bahnen von A nach B zu fahren, sondern aus vielen Dingen mehr. Vertrieb und Marketing sind mindestens genauso wichtig (geworden). ♦
— Tabellen: Rycon