HOCHBAHN-Bilanz 2011: ab in die Zukunft

Im Fokus stand bei der diesjährigen Bilanz Ende Juni das Projekt „Komplementäre Mobilität als Zukunftsaufgabe“, womit die Verknüpfung unterschiedlicher Verkehrsträger – namentlich Leihfahrrad und Leihauto – mit dem ÖPNV gemeint ist. Eine höchst spannende Geschichte, über welche die Presse bereits ausführlich berichtet hat. In unserer kleinen Bilanz hier auf Rycon liegt der Schwerpunkt dieses Jahr dagegen auf der Personalentwicklung, Investitionen und den anstehenden Projekten. Zunächst aber die nackten Zahlen.

In den Bussen und U-Bahnen der HOCHBAHN absolvierten die Kunden 423,3 Millionen Fahrten, 2,8 Prozent mehr als 2010, wo 411,6 Millionen Beförderungsfälle ermittelt wurden. Damit liegt das Hamburger Unternehmen meilenweit über dem Branchenschnitt von 0,6 Prozent.

Die finanzielle Gesamtleistung betrug 2011 gute 448,7 Millionen Euro, 14,8 Millionen mehr als 2010 (433,9 Millionen). Ein Rückgang ist bei dem Beteiligungsergebnis zu verkraften: Die sank im Berichtszeitraum von 8,9 auf nun 8,3 Millionen Euro.

Erfreulich dagegen der Rückgang des Verlustes: 55,6 Millionen Euro muss nur noch die HGV, in der sämtliche Beteiligungen der Stadt gebündelt sind, ausgleichen; ein Rückgang um eine glatte Million gegenüber dem Vorjahr. Der Fehlbetrag sank durch Effizienzsteigerung von 19 Cent je Personenfahrt 2002 auf nun 13 Cent. Der Kostendeckungsgrad des Konzerns hat mit 89,2 Prozent einen sehr hohen Stand erreicht.

Schwerpunkt I: Personal

Der Aufwand für Personal – Gehälter und so weiter – stieg kräftig von 195,6 auf 207,4 Millionen Euro zwischen 2010 und 2011. Neben dem Materialaufwand – z.B. für Energie, neue Fahrzeuge et cetera – stellen die Personalkosten den größten Kostenblock da, fast die Hälfte der Gesamtleistung geht hier drauf.

Die Personallage war und ist besonders im Busressort äußerst angespannt. Neben den Sommerferien und U3-Ersatzverkehr sorgte ein hoher Krankenstand für eine schwierige Situation. Erschwerend kommt hinzu, dass die Alsterdampfer der ATG in der Saison von vielen Busfahrern gesteuert werden; außerhalb der Saison kehren sie zu ihre bereiften Fahrzeugen zurück. Reichlich Bus-Leistungen mussten an Konkurrenten zeitweilig abgeben werden, es kam sogar vereinzelt zu Fahrtausfällen. Die Busbetriebe VHH, Zerbin und KVG übernahmen noch bis 31.08.2012 Fahrdienste. An die PVG zurückgegebene Auftragsverkehre wurden bereits Anfang August wieder aufgenommen.

Zwar hat nicht nur die HOCHBAHN mit einem hohen Krankenstand zu kämpfen. So ergab eine Untersuchung der Krankenkasse KKH-Allianz, das viel Fahrpersonal – man zählte neben Busfahrern auch Straßenbahnfahrer hinzu – sich krankmeldete. Im Schnitt sammelten sich 14,8 Krankheitstage pro Nase von Januar bis Juli 2012 an. Dennoch sind die Werte bei der HOCHBAHN besonders mies: Die Betriebshöfe Wendemuthstraße (Wandsbek) und Langenfelde verzeichneten im Juli dieses Jahres einen Krankenstand von über 10 %; in Mesterkamp meldeten sich durchschnittlich gar 12 % arbeitsunfähig. Über das gesamte erste Halbjahr 2012 liegt die Quote hofübergreifend bei 9,2 %; also fast ein Zehntel steht ständig für den Fahrdienst nicht zur Verfügung.

Schwerpunkt II: Investitionen

In beide Betriebszweige – U-Bahn und Bus – wird weiter fleißig investiert. Besonders im Busressort steht in den nächsten Jahren viel an, was insofern bemerkenswert ist, da hier traditionell mit besonders spitzem Bleistift gerechnet wird.

Aktuell wird der Betriebshof Langenfelde für 37 Millionen Euro komplett neu gebaut und die Fahrzeugkapazität erhöht. Auf dem Betriebshof Wendemuthstraße in Wandsbek sind derzeit die Sozialräume der Werkstatt an der Reihe; irgendwann wird die Busabstellfläche („Stränge“) überdacht, damit die Versorgungsleitungen für Strom und Druckluft von der Decke hängen und die Fahrzeuge dichter beieinanderstehen können. Man hofft, dadurch weitere 20 Fahrzeuge auf den Hof quetschen zu können. Gleiches ist für den Betriebshof Hummelsbüttel vorgesehen. Ferner steht ein Grundstück neben dem Betriebshof Wendemuthstraße zum Kauf, die Sache wird geprüft. Harburg bekommt eine zweite, zusätzliche Abstellanlage in Nähe des Hauptbetriebshofes. In Mesterkamp (Barmbek) soll die Abstellfläche neu organisiert werden, um auch hier noch mehr Busse unterbringen zu können.

Auf den einzelnen Betriebshöfen geht es zum Teil sehrr eng zu. Um auch noch das Letzte bisschen Platz herauszupressen, sollen die Fahrzeuge noch dichter beieinanderstehen.

Neue Betankungsanlagen haben Hummelsbüttel und Mesterkamp erhalten, derzeit wird diese auch in Wandsbek montiert; die anderen Höfe folgen. Die hochmodernen Anlagen erfassen später mit dem BMS (siehe unten) den Verbrauch jedes einzelnen Busses. Mittelfristiges Ziel ist es, nicht jeden Tag den Bus voll betanken zu müssen. Dies führt zu Gewichtsersparnis im Fahrzeug. Ein vor einigen Jahren durchgeführter Versuch, Busse nur alle zwei Tage zu betanken, scheiterte kläglich. Aus dieser Zeit stammen übrigens die roten und grünen Punkte an der Windschutzscheibe älterer Fahrzeuge.

Die Kapazitätsausschöpfungen der Betriebshöfe stellen die Grundlage dar, um die Busflotte weiter zu vergrößern. Mehr Fahrzeuge benötigen, neben dem Fahrpersonal, natürlich auch mehr an Werkstattpersonal. 2013 will man insgesamt 30 Stadtbusse beschaffen (Anzahl Gelenkbusse steht noch nicht fest), die Fahrzeuge sollen im Heck eine dritte Tür und Außenlautsprecher erhalten. Die Neufahrzeuge, wie jedes Jahr, ersetzen einen Teil der bisherigen Flotte.

Mächtig Stolz ist man auf die Citaro-2-Busse, obwohl die sich auch nicht großartig – abgesehen vom neuen Blechkleid – vom Vorgänger unterscheiden. Dieses Jahr kommen aber die ersten Citaro-2-Busse mit dem brandneuen Euro 6-Motor. Fremd geht das Unternehmen, in dem es auch bei MAN neue Fahrzeuge bestellt hat. Sehr zum Leidwesen des Werkstatt- und Fahrpersonals, die mit den bisher eingesetzten MAN-Bussen unzufrieden sind.

Um die Fahrzeugverfügbarkeit zu erhöhen und den Ablauf zu verbessern, steht nach jahrelangem Gefummel die Einführung eines Betriebshofmanagementsystems (BMS) an. Die Implantierung geschieht Hofweise und erstreckt sich über mehrere Jahre. In Hummelsbüttel wurde bereits begonnen. Zur Ortung der Fahrzeuge auf dem Betriebshof – GPS ist zu ungenau – erhalten die Fahrzeuge Antennen auf dem Dach („Schiffchen“). Der Testbetrieb ist für das erste Quartal 2013 in Hummelsbüttel vorgesehen. Bis Ende 2013 sollen die weiteren Höfe folgen, mit Ausnahme von Langenfelde, das erst nach Abschluss der Umbauarbeiten – 2014 – in den Genuss kommt.

Im Zusammenhang mit dem vom Senat beschlossenen Busbeschleunigungsprogramm steht eine beträchtliche Aufstockung von DFI-Anzeigern an Bushaltestellen (DFI = Dynamische Fahrgastinformation, also die bekannten Displays) auf dem Programm. Zur Finanzierung befindet sich das Unternehmen im Gespräch mit der Stadt. Zeitgleich werden Alternativen untersucht, um den Kauf von Fahrkarten beim Busfahrer zu beschleunigen.

Im U-Bahn-Ressort tut sich auch eine ganze Menge. Mit der Eröffnung der U4 wächst nach vielen Jahren das Netz um immerhin 4 Kilometer und zwei Stationen. Fünf Einheiten des brandneuen U-Bahn-Typs DT5 befinden sich in Hamburg und werden auf Herz und Nieren geprüft sowie technisch abgenommen. Die Züge werden aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr in den Fahrgastbetrieb gehen. Die Innenraum-Renovierung der ersten DT4-Bauserie läuft auch im kommenden Jahr weiter. Hinzu gesellt sich ein umfangreiches, technisches Update.

Nahezu abgeschlossen ist das Projekt „Winterhuder Brücken“ auf dem Nordring der U3, indem sieben große Baustellen zusammengefasst und parallel abgearbeitet wurden.

Das U-Bahn-Ressort wird immer besonders gut bepudert. Daran ändert sich dieses und kommendes Jahr nichts; viel Geld wird in Infrastruktur und Fahrzeuge investiert. Mit Erfolg: Die U-Bahn erreicht bei Kundenbefragungen stets Top-Werte.

Nachdem in den letzten Jahren die U3-Fahrgäste viel Bautätigkeit erdulden mussten – was aber nun einmal notwendig ist – sind ab 2013 die U1-Fahrgäste dran. Voraussichtlich von 13.05. bis zum 15.09.2013 verkehrt die U-Bahn ohne Halt durch Langenhorn Nord. Die Station wird komplett saniert. Innerhalb dieser Zeitspanne – wahrscheinlich von 05.06. bis 27. 08.2013 – steht eine komplette Sperrung zwischen Ochsenzoll und Langenhorn Nord ins Haus. Auch hier wird eine ganze Batterie an Baumaßnahmen gebündelt und abgearbeitet.

Ein ganzer Schwung Stationen soll im kommenden Jahr barrierefrei werden, respektive die Baumaßnahmen beginnen: Osterstraße (läuft), Emilienstraße und Christuskirche (alle U2, vielleicht Anfang März 2013); die U1/U3-Umsteigeanlage Wandsbek-Gartenstadt folgt später (vielleicht Ende August/Anfang September). Ferner Kiwittsmoor (U1), Hammer Kirche (U2) und Feldstraße (U3).

Für viel Arbeit sorgen die Großprojekte Busbeschleunigungsprogramm, die politisch-beschlossene U4-Erweiterung und das neue Thema „Komplementäre Mobilität“. Die Feldversuche mit allerlei Hybridbussen verschiedener Hersteller und Konzepten läuft auf Hochtouren. Seit Mitte Juli 2012 ist man auch auf den sozialen Netzwerken Facebook und twitter fleißig bei der Sache.

Gründung der HSF GmbH

Ende Juni 2011 beauftrage die Stadt Hamburg, künftig den Fuhrpark der S-Bahn zu beschaffen. Hierfür wurde die „Hamburger Schnellbahn-Fahrzeug-Gesellschaft mbH“, kurz HSF, ins Handelsregister eingetragen. Die HSF soll neue S-Bahn-Triebzüge finanzieren und beschaffen, der Fahrzeugpool wird an den künftigen S-Bahn-Betreiber – der alte Verkehrsvertrag mit der Deutschen Bahn läuft 2018 aus – vermietet. Vorteil für Bieter: Sie müssen nicht die horrenden Kosten für die Züge stemmen. 170 Fahrzeuge sind für die S-Bahn vorgesehen, davon 60 neue Züge, wobei der Typ erst noch entwickelt werden muss. Auf den Plan tritt die HSF nur dann, wenn keine vernünftigen Angebote eintrudeln.

Die S-Bahner können jedoch beruhigt sein: Die HOCHBAHN hat bereits abgewunken und will sich nicht an der Ausschreibung beteiligen.

Bestrebungen gibt es allerdings im Falle der AKN, welche die A-Bahn betreibt. Das hochdefizitäre Eisenbahnunternehmen würde die HOCHBAHN ganz gerne in ihre Arme schließen, stellt an die bisherigen Gesellschafter – die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein – jedoch harte Bedingungen. Bei diesem Thema sind die Türen allerdings fest verschlossen. ♦
— Fotos/Tabellen: Rycon

One response to this post.

  1. Posted by BusHHA on 13.09.2012 at 13.12

    Es soll ja auch Fahrer geben, die sich wegen den hohen Benzinkosten die teilweise weite Fahrt zur Arbeit nicht mehr leisten können und dann deshalb Auszeiten nehmen. Bei den immer stärker steigenden Benzinpreisen und den lächerlichen Tarifabschluß wird man mit Sicherheit weiterhin unter Personalnot leiden und Dienste ausfallen lassen müssen. Auch anderer Faktoren spielen eine Rolle, Stichwort Betriebsklima. Als Fahrer ist man in diesem Club auf sich allein gestellt, Rückendeckung?? Ein Witz. Machst Du Dienst nach Vorschrift ist es falsch, passiert etwas und Du hast Dein Dienst nach Vorschrift nicht gemacht jaulen die auch rum. Mitarbeiter mal hegen und pflegen, kennt man nicht. Fängt schon bei den Schauspielern von Gruppenleitern an, die wirklich null Ahnung von Menschenführung haben. Hört man von allen Betriebshöfen, wenn man sich regelmäßig mit den Kollegen unterhält.

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