HVV-Bilanz 2011: Erfolg in Serie

Im letzten Geschäftsjahr konnte der Hamburger Verkehrsverbund, HVV, erneut eine sehr positive Entwicklung hinlegen. 2011 wurden sowohl die Fahrgeldeinnahmen, die unternommenen Fahrten (Beförderungsfälle) und die Gewinnung neuer Stammkunden (Abonnement) beträchtlich gesteigert. Gleichzeitig räumte der HVV, respektive dessen Partner, die Verkehrsunternehmen, eine Reihe Baustellen weg beziehungsweise eröffnete neue.

Mehr gefahren

In den im HVV zusammengefassten Verkehrsmitteln stiegen die Kunden 696,7 Millionen mal ein, das ist ein Plus von glatten 3 % oder 20,4 Millionen Beförderungsfällen. Deutlich mehr, als der Bundesweitedurchschnitt von gerade einmal 0,7 %.

Über die letzten zehn Jahre – 2001 bis 2011 – gesehen stiegen die Beförderungszahlen um sagenhafte 38,8 Prozent, über die letzten fünf Jahre um 16 Prozent.

Immer mehr feste Kunden

Hier profitiert der Hamburger Nahverkehr durch eine recht gesunde, wirtschaftliche Entwicklung, wobei anzumerken ist, dass die vorherigen Krisenjahre am HVV unbehelligt vorbeizogen. Der Blick auf den Absatz der Zeitkarten aus dem Fahrkartensortiment bestätigt dies: 3,7 Prozent wurden 2011 mehr verkauft. Erfreulich viele Berufstätige steigen in den öffentlichen Nahverkehr ein bzw. um – dies zeigt, dass der Nahverkehr erfolgreich sogenannte „Wahlfreie“ (welche die Wahl zwischen PKW und ÖPNV haben) mit seinem Angebot überzeugen kann. Unter dem Strich haben 757.000 Menschen eine Zeitkarte in ihrer Brieftasche.

Außerordentlich wichtig ist stets der Absatz des Abonnements. Hier binden sich die Kunden bewusst für einen längeren Zeitraum an den HVV. Dies sorgt für stabile und berechenbare Einnahmen. Mit 661.400 Abos erreichte auch hier der HVV einen neuen Rekord. Von allen Zeitkartennutzern – 757.000 – greifen 87 % somit gleich zum günstigeren Abo.

Diese Entwicklung verläuft nicht erst seit gestern. Allein in den vergangenen sechs Jahren stieg der feste Kundenstamm um saftige 27 % von 520.000 (2005) auf nun 661.400 Abonnenten.

Fahrgeldeinnahmen

Neben der Vermarktung und Organisation des Nahverkehrs ist der Fahrgeldeinnahmepool der Grund, warum es denn HVV überhaupt gibt. (Fast) die gesamten Fahrgeldeinnahmen landen in einem Topf – Pool – und werden durch eine komplexe Berechnung an die angedockten Verkehrsunternehmen ausgeschüttet. Entgegen weitläufiger Meinung erhält die Verbundgesellschaft selbst keinen einzigen Cent aus den Fahrgeldern: Die Aufwendungen der HVV GmbH gleichen die Gesellschafter (Stadt Hamburg und die im Verbundraum befindlichen Gebietskörperschaften) aus.

Im Pool sammelte sich 2011 insgesamt 652,2 Millionen Euro an, ein Plus von 5,7 Prozent gegenüber 2010. Hieraus entfallen 21,2 Millionen Euro durch zusätzlichen Absatz von Fahrkarten, 14 Millionen durch die Tarifanhebung vom 01.01.2011. Diese 652,2 Millionen Euro werden, wie beschrieben, an die Verkehrsunternehmen (wie z.B. HOCHBAHN, S-Bahn, VHH PVG, AKN…) ausgeschüttet.

Betrachtet man die Einnahmen im Zusammenhang mit den unternommenen Fahrten, so ergibt sich pro Beförderung ein aufgerundeter Umsatz von gerade einmal 0,94 Euro. Wenngleich bei diesem Durchschnittswert die Entfernung keine Rolle spielt, zeigt es doch, das die wertvolle (!) motorisierte Beförderung mit 94 Cent je Fahrt unschlagbar günstig mit dem öffentlichen Personennahverkehr abgewickelt wird.

Das Bauchgefühl, beim öffentlichen Nahverkehr handele es sich um einen teuren Spaß, ist jedenfalls nicht haltbar. Wie viel Geld man mit dem HVV gegenüber dem eigenen Auto allein im Berufsverkehr spart, kann man sich ganz individuell durch den Online-Preisvergleich ausrechnen lassen.

Ein spannendes Jahr

Im Hamburger Nahverkehr tat sich auch 2011 eine ganze Menge. Mit der HVV-Garantie bekommt der Kunde seit Anfang Januar 2011 bei mehr als 20 Minuten Verspätung Geld zurück, wobei der Grund der Verspätung irrelevant ist. Bei dieser Leistung geht der HVV weit über die gesetzlichen Vorschriften hinaus.

Eher weniger euphorisch begrüßt wurde der „Einstieg vorn“ im Busverkehr, seit 07.03.2011 zunächst in Bergedorf und Harburg, seit diesem Jahr im gesamten Verbundgebiet. Hierdurch soll den Leistungserschleichern (Schwarzfahrern) das Leben etwas schwerer gemacht werden. Bemerkenswert war hier die Öffentlichkeitsarbeit: Dieser Kraftakt wurde von allen Beteiligten generalstabsmäßig geplant und professionell durchgeführt.

Gleiches gilt beim Alkoholkonsumverbot (AKV), das seit 01.09.2011 in Kraft ist. Dieses ungeliebte Kind, von der Politik eingebrockt und liberal gehandhabt, wurde ebenso glänzend unters Volk gebracht. Erstaunlicherweise ist es sogar recht erfolgreich; zwar wird auch weiterhin in Bus & Bahn gesoffen, was man – wir leben glücklicherweise nicht in einem Überwachungsstaat – sowieso nie hätte gänzlich verhindern können. Trotzdem ist der offene Konsum merklich zurückgegangen und die Verkehrsmittel und -Anlagen sauberer, als vor dem AKV.

Neu im Raum Harburg wurde die elektronische Kundenkarte mit dem Tarifangebot „Vorteil 25“ eingeführt. Bei diesem Angebot gibt es, bei einer monatlichen Grundgebühr ab dem zweiten Monat, 25 % Rabatt auf das Einzelkartensortiment. Dieses Angebot lohnt sich nur für bestimmte Zielgruppen. Das eigentliche Revolutionäre ist hier das damit verbundene eTicket (elektronische Fahrkarte), an dem bereits seit Jahren gearbeitet wird.

Kleiner Ausblick auf 2012

Das eTicket wird auch in diesem und den kommenden Jahr(en) noch für viel Beschäftigung sorgen. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine Insellösung für den HVV, sondern soll den Nahverkehr und dessen Benutzbarkeit in ganz Deutschland voranbringen („VDV-Kernapplikation“, inzwischen unter dem Namen www.eticket-deutschland.de bekannt). Kerngedanke: ein Ticket von der Wiege bis zur Bahre, kein Fahrkarten- und Wertmarkensalat mehr.

Bereits zu haben sind HVV-Apps für iPhone & Android-Smartphones, die unglücklicherweise als „FahrInfo“ bezeichnet werden und nicht, wie eigentlich auf dem ersten Blick sinnvoll erscheint, schlicht als HVV-App. Auch lassen sich mit diesen Apps keine HandyTickets kaufen, dies geschieht durch separate Produkte. Die eigentliche Fahrgastinformation ist noch unzureichend.

Grund hierfür ist die noch immer fehlende, gemeinsame Schnittstelle der großen Verkehrsunternehmen mit ihren Echtzeit-Daten. So erfährt der Kunde zwar an der Haltestelle per dynamischen Anzeiger (Display), das der Bus oder die Bahn in 3 Minuten eindrudelt – online sind jedoch nur die festgelegten Fahrpläne erreichbar. Diese Situation ist im Jahre 2012 eindeutig mangelhaft. Gleiches gilt bei aktuellen Betriebsstörungen: Die erfährt der Kunde, wenn überhaupt im Netz, nur auf den Websites der Verkehrsunternehmen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurde dieses so wichtige Feld per umfangreicher Machbarkeitsstudie in Angriff genommen, nun steht die Realisierung an.

Angebotsverbesserungen werden laufend vorgenommen, je nach Leitungsfähigkeit des entsprechenden Verkehrsunternehmens. So vergrößerte die VHH PVG durch neue Gelenkbusse bereits auf den Metrobuslinien 3, 25 und teils 15 das Platzangebot. Weitere Verbesserungen sind partiell angedacht.

Leistungsausweitungen führen, so ist das nun einmal, jedoch auch zu höheren Kosten. Im Allgemeinen können Angebotsverbesserungen nur zu circa 60 % aus den laufenden Fahrgeldeinnahmen gedeckt werden. Wann und wie hoch die nächste Tarifanhebung stattfindet, ist noch nicht konkret bekannt.

Für das laufende Jahr erwartet der Verbund eine weitere Steigerung der Personenfahrten um ordentliche 1,5 %. ♦
— Tabellen: Rycon

2 responses to this post.

  1. Posted by Philip Newton on 10.07.2012 at 19.30

    Er lebt! :)

  2. Posted by Busfahrer on 13.07.2012 at 16.57

    Und die Gehälter für die Fahrer bleiben wie immer auf der Strecke liegen…. kein Wunder, daß immer mehr andere VU`s für die HHA fahren. Fahrer massenhaft krank oder es kündigen bzw. wechseln Viele. Aber bei der HHA sitzt man chronisch auf dem hohen Roß…

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