Wo ist der „Skandal“?

Wer es gerne einmal in die Zeitung schaffen will, hat zurzeit bei der „MOPO“ allerbeste Chancen. Eine ärgerliche Begebenheit aus dem Nahverkehrsalltag reicht, ein Telefonat mit der Redaktion und zwei gestellten Bildern – voilà, schon steht man in der Zeitung. Die Hamburger Morgenpost, „MOPO“, saugt derartige Geschichten wie ein Schwamm auf, und es entsteht der Eindruck, die Redaktion hätte noch reichlich Bedarf an Munition, um allgemein auf den Nahverkehr und speziell auf die HOCHBAHN zu schießen.

Die Vorgeschichte: Marc Thomalla folgte der Aufforderung eines Hotels, Busse mit dem Werbemotiv für Hagenbecks Tierpark zu fotografieren. Seit 21.07.2011 fahren zunächst davon zwei, später zehn Gelenkbusse für drei Jahre mit der auffälligen Beklebung herum. Die Aktion des Hotels, welches zu Hagenbeck gehört, startete einen Tag später auf Facebook:

Wir suchen Eure Fotos von den Hagenbeck Bussen. Jede Einsendung wird belohnt! Wer findet die Busse wo? Einfach das Bild an unsere Pinnwand posten.

Woraus die Belohnung bestehen soll, steht da zwar nicht, aber Marc Thomalla knipste trotzdem reichlich Fotos und erlebte, wie er in seinem Blog schreibt, Unerfreuliches:

Ich wollte gerade entspannt und glücklich, wieder einen Bus erwischt zu haben (erst gestern Abend an gleicher Stelle den identischen Bus, nur anderes Kennzeichen) zur Arbeit schlendern, da wurde ich aus dem Bus unwirsch angefahren. „Du (!) hast gefälligst zu fragen, bevor du den Bus fotografierst!“ – Ich: „?“. Nach kurzem Überlegen, ob ich einfach weitergehe oder ein wenig diskutiere (ich kenne mich mit Fotorecht aus, betreibe seit 2003 den DigicamClub und meiner Kenntnis nach hat der HVV in den AGB nicht verboten, Busse zu fotografieren). Ich entschied mich für die Diskussion, auch wenn man mit älteren Leuten (Fahrer war sicher Ende 50, eher älter) besser nicht diskutieren sollte.

Ich zeigte ihm also das Foto. Er: „Das will ich nicht sehen. Du Spinner (!) hast zu fragen!“ – Ich: „Nein, ich muss nicht fragen, wenn ich nicht direkt Sie, sondern den Bus ablichte!“ – Er: „Doch, du hast zu fragen und nun raus aus meinem Bus!“ – Ich: „Alles klar, das kläre ich dann anderweitig!“ – und da gingen die Türen zu und ich hörte meiner Ansicht nach ein „Verpiss dich!“ und bin dennoch höflich gegangen, obwohl ich genauso gern den Typen genommen und durch den Bus befördert hätte.

Noch am selben Tag – Donnerstag, den 04.08.2011 – nahm sich „MOPO“-Redakteurin Maren Rosche der Sache an und verpasste ihrem Artikel folgende Überschrift:

Sollte es sich wirklich so zugetragen haben, dann sind dem Fahrer die Leviten zu lesen. Wo aber bei diesem mutmaßlichen Fehltritt eines Einzelnen der „HOCHBAHN-SKANDAL“, wie es in der Dachzeile des Artikels heißt, sein soll, erschließt sich nicht. Mit unfreundlichen Mitarbeitern haben bekanntlich auch andere Dienstleister zu kämpfen. Dafür gleich das Ganze Unternehmen mit all seinen Mitarbeitern in Mithaftung zu nehmen, nach dem Credo: Alle Busfahrer sind unfreundlich, ist schlicht … widerlich.

Mal sehen, was die nächste Folge HOCHBAHN-Bashing der „MOPO“ zu bieten hat. ♦
— Abbildung: mopo.de

2 responses to this post.

  1. Posted by busfahrer on 08.08.2011 at 10.34

    Der eigentliche Skandal ist, daß es keiner ist. Hat er Zeugen dafür?? Heute kann doch jeder Dödel irgendeine Beschwerde schreiben und jeder Müll wird bearbeitet, was das Betriebsklima unheimlich schadet. Und jede noch so unsinnige Beschwerde wird zu der Personalakte gelegt. Würde endlich mal eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von mind. 5 Euro erhoben werden, dann wäre Ruhe im Karton. Man muß es nur mal gegenrechnen, was so etwas kostet. Bearbeitung(Personal) Beschwerdeabteilung Zeitkosten für Vorgesetzte den Fahrer aus dem Fahrdienst für das Gespräch nehmen….. da kommt was an Personalkosten zusammen.

  2. Posted by BusBus on 26.11.2011 at 12.32

    abesehen davon, dass es keine beschwerdestelle für busfahrer gibt, die sich über fahrgäste beschweren können, die das personal beleidigen, anspucken oder sogar schlagen, müssen sich die fahrer „beschwerden“ in ihrer freizeit anhören (die teilweise 3-4wochen zurückliegen)…es glaubt doch wohl niemand ernsthaft, dass der fahrer wegen einer beschwerde seinen dienst unterbrechen darf!
    und noch eines: die mehrheit der eingegangenen „beschwerden“ stellen sich als unberechtigt dar. ich persönlich durfte mir auch schon 1X so eine lügengeschichte anhören. vermutlich war das eine art frustabbau eines fahrgastes, der gerade kein anderes „opfer“ finden konnte:-)

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