Genug ist genug! Eine Abrechnung mit der „MOPO“

Lieber Herr Lars Albrecht,

dies hier ist zwar nicht der HVV, aber es sei trotzdem gestattet, auf Ihre „Abrechnung“ vom 01.08.2011, bei der Sie sich so herzergreifend über den HVV ausgekotzt haben, zu reagieren. Zunächst: Glückwunsch zu Ihrem aktiven Beitrag zur Überbrückung des Sommerlochs.

Sie schreiben:

Allerdings habe ich, der als MOPO-Redakteur täglich von Barmbek-Süd nach Bahrenfeld pendelt, schon lange das Vertrauen in Dich verloren. […]

U3 steht für mich mittlerweile für Unglaublich DREIst. Oder für drei Baustellen in drei Jahren. So oft war sie nämlich schon gesperrt, seit ich an dieser Strecke wohne.

Klar, Haltestellen und Brücken müssen saniert werden. Aber dass die seit Mai andauernde Sperrung der Strecke, die mich auf direktem Wege in Richtung Hauptbahnhof führt, jetzt auch noch bis Oktober verlängert wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Ich weiß, als Journalist sollte ich vielleicht anders denken, doch als Bürger dieser Stadt sind mir die baulichen Hintergründe völlig egal. Punkt.

Als Journalist wäre es wohl das mindeste gewesen, einmal kurz über die Gründe zu recherchieren. Dafür werden Sie nämlich (hoffentlich) bezahlt. Und in Zeiten des Internets ist es doch so einfach.

Dann hätten Sie, auch wenn es Ihnen herzlich egal ist, lesen können, dass die Erweiterung der Sperrung nicht gegen Sie persönlich geht. An der Haltestelle Uhlandstraße wurden im Zuge der Arbeiten Korrosionsschäden entdeckt. Die sind zwar noch kein Sicherheitsproblem, aber es wäre doch ungünstig, einfach alles zuzuschütten, um in ein paar Jahren die Strecke nochmals mehrere Monate zu sperren und erneut zu buddeln. Die Sperrung zu verlängern und die Schäden zu beseitigen ist daher eine nachhaltige Maßnahme. Sie und Ihre Zunft hätten sonst – zurecht! – gefragt, warum man die Arbeiten nicht gleich richtig erledigt hat.

Klar, dass Ihnen solche lästigen Details völlig egal sind. Eventuell wäre es aber für den ein oder anderen Leser von Ihnen schon interessant. Punkt.

Zu meiner einzigen Ausweichmöglichkeit wurde die S1, oder wie ich sie nenne: Die Spät 1. Denn Pünktlichkeit ist bei Dir die Ausnahme, Verspätungen die Regel. So empfinde ich es.

Natürlich kamst Du, lieber HVV, am vergangenen Wochenende auf die Idee, auch die S1 zu sperren. Warum? Mir doch wurscht!

Wenn Sie auch nur ein bisschen Ahnung hätten, wüssten Sie, dass der HVV mit dem Schienennetz der S-Bahn ungefähr soviel am Hut hat, wie Ihre Tiraden mit einigermaßen anständigem Journalismus. Nämlich nichts.

Bauarbeiten sind immer lästig, weshalb sie auf die Ferienzeit und dann noch möglichst auf ein Wochenende gelegt werden, um so erträglich wie nur möglich zu sein. Dass zwei Sperrungen im selben Gebiet höchst unglücklich sind – keine Frage. Es lässt sich aber manchmal beim besten Willen nicht vermeiden.

Seien Sie gewiss, das ein marodes, auseinanderfallendes Schienennetz nicht förderlich für die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der S1 ist. Auch wenn es Ihnen wurscht ist.

Nein, Deine Erklärungsversuche brauche ich nicht.

Ihre Ehrlichkeit ist erfrischend. Sie tun nicht einmal mehr so, sachlich und einigermaßen objektiv ihre Leser zu informieren. Stattdessen kippen sie fröhlich Kübel voller billiger Polemik über ein Thema, von dem Sie offenkundig nicht den blassesten Schimmer haben – und darauf auch noch Stolz sind.

Ich bin durch mit Dir – Du hast mich schon zu viel Zeit meines Lebens gekostet. Ich werde jetzt wieder auf das Auto umsteigen – aber kann das wirklich die Lösung sein in einer Stadt, die sich 2011 Umwelthauptstadt Europas nennt? Du lässt mir jedenfalls keine andere Wahl.

Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten. Jedoch steht zu befürchten, dass Sie auch mit dem Auto nicht glücklich werden. Viel Lebenszeit wird draufgehen bei Stop-and-Go, Staus und natürlich der Parkplatzsuche.

Sollten Sie sich einen Parkplatz mieten wollen, so kostet dieser im groben Durchschnitt 50 Euro monatlich – allein mehr als die Hälfte einer HVV-Monatskarte für den Großbereich. Hinzu kommen natürlich Steuern, Versicherung, Reparaturen und jeder Tankstellenbesuch wird Ihnen die Tränen in die Augen treiben.

Und nein, ohne Störungen werden Sie auch dann nicht in ihre Redaktion kommen: Unfälle, Feuerwehreinsätze, Umleitungen und so weiter warten auf Sie. Im Winter werden sie entsetzt schreiben, dass Hamburgs Straßen voller Schlaglöcher sind – um dann im nächsten Sommerloch fassungslos feststellen zu müssen, das die Stadt voller Baustellen ist und Sie nirgends mehr durchkommen.

Immerhin, als Journalist erhalten Sie, dank des Presseausweises, kräftige Rabatte der Autohersteller beim Kauf eines Neuwagens. Natürlich gewähren die Konzerne aus reiner Nächstenliebe solche Rabatte und knüpfen daran keinerlei Erwartungen.

Schließlich sind Sie Journalist und deshalb auf Sachlichkeit, Objektivität und Recherche gebucht.

Ach – ich vergaß: Das ist Ihnen ja egal.

Hochachtungsvoll,

Ihr Rycon ♦
— Abbildung: mopo.de

9 responses to this post.

  1. Wohl gebrüllt Rycon :)

  2. Treffer, versenkt.

    Leider wird der gute Mann sich auch von diesem Posting nicht in seinem Job-Verständnis beirren lassen. Vielleicht sollte man ihm den Volontärskurs an der Akademie für Publizistik empfehlen. Da schickt die Mopo immer ihre Volos hin. ;-)

  3. Posted by Thomas on 05.08.2011 at 14.12

    Seit wann betreibt der HVV die U-Bahn in Hamburg?

  4. Posted by track78 on 05.08.2011 at 21.33

    Der HVV hat mit der S-Bahn in Hamburg ungefährsoviel zu tun wie mit der U-Bahn. Die U-Bahn wird von der HHA betrieben und die S-Bahn von der DB. Beide zusammen werden im Hamburger Verkehrsverbund vermarktet…

  5. Posted by Batterie on 06.08.2011 at 01.44

    Zunächst Gratulation, Rycon, für den gelungenen Konter!

    Ergänzend kann man noch das etwas übersteigerte Vertrauen des MOPO-Journalisten in seine eigenen Fähigkeiten thematisieren.

    Denn wenn er störungsfrei mit dem Auto überall hinkommen möchte, dann muss er nicht nur zügig, sondern vor allem unfallfrei fahren. Wenn er im Winter vergessen hat, die richtigen Reifen aufzuziehen, ist das, wenn man seine strengen Maßstäbe anlegt, keine Entschuldigung für eine Verspätung.

    Wenn die Batterie aufgrund kalter Temperaturen leer ist, ist das dann konsequenterweise auch keine Entschuldigung. Und zum Eiskratzen hätte er eben früher aufstehen müssen.

    Wenn er beim Fahren telefoniert und deswegen von der Polizei rausgezogen wird, kann das auch keine Entschuldigung für eine Verspätung sein.

    Wenn man also nur den Maßstab dieses MOPO-Journalisten gegen selbigen anwendete, hätte ein guter Chef diesen Mann bestimmt schon längst gefeuert. Oder waren wir etwa tatsächlich immer pünktlich?

  6. Posted by busfahrer on 06.08.2011 at 10.31

    Ob das alles so stimmt mit dem „Hochbahn Skandal“? Ich glaube nicht, da hat sich wohl ein Freund des Redakteurs mal ein Schnitzer erlaubt. http://www.mopo.de/hamburg/panorama/bus-fotografiert—vom-fahrer-bepoebelt-/-/5067140/8761170/-/index.html Der Fotograph hat sicherlich rumgesponnen. Allein schon wie er lacht auf dem Foto sagt alles, ein Beleidigter sieht anders aus.

  7. Posted by Rycon on 07.08.2011 at 07.31

    Das Foto verwendet der Beschwerdeführer – der übrigens die Story zuerst in seinem Blog brachte – auf vielen weiteren Websites, es entstand also vorher.

    Die Story kommt mir aber auch reichlich merkwürdig vor. Ständig wird dieses Hotel angepriesen („mein Bruder hatte dort vor 2 Wochen auch standesamtlich geheiratet; die 90m² Suite kann ich euch sehr empfehlen“), es taucht auch im „MOPO“-Artikel auf. Der Herr arbeitet im Bereich Marketing & Werbung und „bietet“ Social Media Monitoring, Social Media Analysis, Social Media Research, Social Media Strategien, Social Media Marketing, und so weiter.

    Komische Sache, das.

  8. Posted by Fußgänger on 09.08.2011 at 13.32

    Gröööhl, einfach nur geil ! Wie würde man in Amerika dazu sagen ? “ In your face!“ Derbe genialer Konter. Punkt !!! xDDD Ich lach mich grad kringelig…

  9. Posted by Tikitorch on 24.08.2011 at 00.18

    DAAANKE für diesen Beitrag!!! Tut echt gut!

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