Kauderwelsch (17): Reinkommer

Heutzutage würde man sicher einen Hippen (d)englischen begriff dafür finden, aber er konnte sich dann doch halten: der Reinkommer. Mindesten hier im Norden werden innerbetrieblich damit Busse gemeint, die, es liegt so nahe, Reinkommen.

Nur – wo kommen sie denn rein? Rein in die Werkstatt, weil diese mit dem entsprechenden Fahrzeug etwas vorhat. Das muss nicht einmal selbst die Werkstatt sein, sondern auch Firmen, die irgendwelche Arbeiten am Fahrzeug durchführen wollen. Beispielsweise möchte ein Hersteller (z.B. EvoBus für seine Marke Mercedes-Benz) daran herumwerkeln.

Die wichtigste Eigenschaft ist erst einmal, dass der Aufenthalt geplant wird. Es handelt sich hier also nicht um ein nicht-vorgesehenes Ereignis. Alles brav geplant. Busse möchten schließlich gehegt und gepflegt werden, um ihren Dienst für den zahlenden Kunden technisch einwandfrei erledigen zu können.

Wartungsaufgaben

Die Klimaanlage, heute bekanntlich ein Grundbedürfnis des modernen Menschen, ist zum Beispiel so ein Pflegefall. Filter und Kühlmittel müssen regelmäßig gecheckt bzw. ausgewechselt werden. Interessanterweise ist die Luft in einem Bus sauberer, als dessen Umgebung. Wenn, ja wenn, denn die Klappfenster brav geschlossen sind. Leider haben viele Fahrer und ihre Fahrgäste dieses noch immer nicht begriffen und machen diese blöden Dinger auf (und nach Dienstschluss nicht zu, was zur Überschwemmung bei der Außenwäsche führt).

Neben Klimaanlagen und den Reifen, die nach einer gewissen Zeit nachgezogen werden müssen, sowie Sonderaufgaben steht auch eine technische Überprüfung immer wieder an. Beispiel anhand eines in Hamburg oft anzutreffenden Mercedes-Benz Citaros, Fachbezeichnung O 530, in der Standardausführung (alle 5 Monate) und in der Gelenkbusausführung (alle 6 Monate):

  • Reifendruck und Felgen aller Laufräder
  • Antriebsachse [hinten] Bereifung prüfen [„Ganzjahresreifen“]
  • Kühlanlage abdrücken
  • Sichtkontrolle Keilriemen/Spannrolle
  • Tankablaufbohrung reinigen [so sie denn vorhanden!]
  • Alle Flüssigkeiten [Betriebsstoffe] prüfen, bei Bedarf ergänzen
  • Brandmelder Motorraum: Zustand prüfen
  • Kontrolle Steckverbinder Kraftstoffleitung
  • Ölleitungen, -behälter im Motorraum auf Dichtheit prüfen
  • Vorderachse anheben, Achsschenkel/Vorderachse abschmierten
  • Hintersachlüftung Rohrausgang reinigen
  • Motor und -raum reinigen
  • Kühler: Zusatzöl- und Ladeluftkühler reinigen, bei Bedarf Ladeluftkühler aufklappen
  • Kühlerklappe reinigen
  • Radlaufbürsten reinigen
  • Dreck an den Luftaustrittsöffnungen hinten beseitigen
  • Filter Fronteinsatz erneuern [=ersetzen]
  • Filtermatten Unterflurheizung [=unter dem Fussboden] erneuern
  • E-Fach hinten beim G-Bus Ablaufbohrung reinigen/entwässern
  • Fahrzeugbeleuchtung prüfen [innen wie außen, so ein Bus strahlt vor Lämpchen]
  • Filtermatten Klimaanlage Dach erneuern [erfordert entsprechende Werkstattausrüstung, namentlich hochbühnen]

Jede Menge zutun also, an so einem profanen Bus. Und davon gibt es Hunderte. ♦
— Abbildung: Rycon (zeigt eine Wartungsliste der FFG für die HOCHBAHN)

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