Trockengelegt

Am 1. September wird der Hamburger Nahverkehr trockengelegt, dann gilt ein allgemeines Alkoholkonsumverbot auf allen Anlagen und in Fahrzeugen. Eingebrockt wurde dies von der politischen Klasse, Verbund und Verkehrsunternehmen sind weniger angetan. Es handelt sich nämlich um astreine Symbolpolitik.

Vorangegangen war eine Diskussion um Sicherheit im Nahverkehr, was vor allem die Innenminister, stets anfällig für Verbote aller art, auf den Plan riefen. Während auf der Innenministerkonferenz vermutlich auf diese Idee angestoßen wurde, hielt man auf der Verkehrsministerkonferenz davon wenig. Das sehen die Beteiligten ebenso, allen voran die HOCHBAHN hält diese Schnapsidee für „nicht zielführend“.

Unterstützt von Presse und nicht wenigen Fahrgästen, die allesamt eine Verbindung zwischen Alkoholkonsum und Gewalt herstellen, verdonnerte die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, BSU, den HVV zusammen mit den Verkehrsunternehmen ein Verbot zu konzeptionieren.

Zuerst: Im HVV wird keine Null-Promille-Grenze eingeführt. Anders als Politiker und Presse ist man beim HVV der deutschen Sprache mächtig und bezeichnet diese Soße korrekterweise als „Alkoholkonsumverbot“. Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied.

Sie saufen gerne wie ein Loch und werden dann schön aggressiv? Kein Problem, Sie dürfen gern weiterhin in Bus & Bahn die Sau rauslassen. Denn untersagt werden soll (und kann) nur der Konsum von prozenthaltigen Getränken. Sturzbesoffen wird man auch weiterhin befördert, man darf währenddessen nur halt nicht die Schnapsflasche rausholen und sich dabei erwischen lassen.

Schwer kontrollierbar

Ein Verbot muss, um effektiv zu sein, auch durchgesetzt werden und dies ist im flächigen Nahverkehrsnetz kaum mit vertretbarem Aufwand möglich. Deshalb ist der Verweis auf die Regionalbahn metronom, die bereits ein Alkoholkonsumverbot einführte, nicht auf den städtischen Nahverkehr ohne weiteres übertragbar. Die Reisezeiten sind deutlich kleiner, oft wird umgestiegen und vorgeglüht wird dann halt vor der Haltestelle.

Wer mit geöffneter Flasche oder gar trinkend doch mal erwischt wird, muss ab 1. Oktober eine Vertragsstrafe von erstaunlich hohen 40 Euro berappen; die HVV-Beförderungsbedingungen [PDF] werden hierfür entsprechend ergänzt. Insbesondere bei Jugendlichen wird das Eintreiben der Strafzahlung sicher nicht einfach.

Erfindungsreichtum

Wie wenig praxistauglich das Verbot sein dürfte, zeigt sich vor allem daran, dass der Erfindungsreichtum des trinkfreudigen Fahrgastes unterschätzt wird. Eine gute Mischung in einer Colaflasche, sicherheitshalber im Rucksack verstaut, hebelt so ein Verbot im Nu aus.

Wenn es darum geht, ein Verbot zu umgehen, werden die Leute auch anderswo erfinderisch. In den USA, wo lokal der Konsum von Alkohol auf der Straße verboten ist, behelfen sich die Leute mit einer schnöden Papiertüte, in dem die Buddel der Begierde steckt. Wann immer die Kehle trocken ist, wird ein kräftiger Schluck genommen.

Verbieten, was verboten ist

Was der Nahverkehr eigentlich am allerwenigsten brauchen kann, ist noch ein Verbot. Es gibt nämlich schon genug nicht durchsetzbare Verbote, das Rauchverbot ist dabei sogar noch eines, das relativ erfolgreich ist. Untersagt ist es nämlich auch, Speisen und generell Getränke im Bus zu konsumieren. Und schon lange können Kunden, die in irgendeiner Form berauscht sind und damit eine Gefährdung für andere Fahrgäste sind, schlicht von der Beförderung ausgeschlossen werden.

Mehr Sicherheit?

Der eigentliche Grund des Konsumverbots, mehr Sicherheit im Nahverkehr, erscheint kaum erreichbar. Unbestritten führt übermäßiger Alkoholkonsum gerade bei Testosteron geschwängerten Jugendlichen zu asozialem Verhalten. Die örtliche Begrenzung auf den Nahverkehr hindert diese Gruppe aber eben nicht ab, trotzdem zur Flasche zu greifen und dann berauscht eine S-Bahn-Station zu betreten. So bleibt der fade Geschmack eines neuen Papiertigers zurück, der mehr Probleme verursacht, als löst.

Immerhin, ein paar positive Effekte hat die Sache: möglicherweise weniger Müll und neue, frische Piktogramme in Bus & Bahn. Wenn das kein Grund zum Feiern ist. ♦

One response to this post.

  1. Posted by Mitropa1 on 17.06.2011 at 08.41

    So schlecht ist das Alkoholverbot insbesondere auch für die, die bisher keinen Alkohol mit sich führten nicht, fördert es doch die überfällige Verbesserung der Sicherheit in der U Bahn. Wenn man zukünftig eine Flasche Bier hochzeigt ist im Gegensatz zm Mitführen eines Springmessers oder einer Keule mit Sicherheit umgehend der Sicherheitsdienst bzw. die Polizei vor Ort.
    Es wird dann gewisse z. T. tödliche Zwischenfälle nicht mehr geben, denn im Gegensatz zu Gewaltexzessen, wird bei Alkoholverboten erfahrungsgemäß richtig duchgegriffen.
    Es ist also jedermann der um seine Sicherheit fürchtet eine Bier oder Schnapsflasche, gefüllt mit Leitungswasser mit sich zu führen, das erhöht sine perönliche Sicherheit maßgeblich.

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