„Das wäre etwas gewesen“

Peer Steinbrück , ehemaliger SPD-Bundesfinanzminister und gebürtiger Hamburger, in seinem Buch „Unterm Strich“, S. 90, zum Scheitern des Transrapids:

Tief im politischen Bewusstsein arbeitet der Stachel, dass wir in Deutschland eine Strecke für diese Verkehrstechnologie hätten realisieren müssen. Nicht in eine Verbindung, die in Konkurrenz zum Hochgeschwindigkeitssystem der Bahn gestanden hätte (Köln – Frankfurt), und auch nicht auf einer Kurzstrecke zu Lasten des Ausbaus und der Vernetzung des Schienen-Personennahverkehrs (München Hbf – München Flughafen). Ebenso wenig in einem Ballungsraum mit diversen Haltepunkten (Dortmund – Köln), die den Systemvorteil des Transrapids schmelzen ließen. Aber Berlin – Hamburg, die beiden größten Metropolen der Republik, in einer auch noch vorteilhaften Topographie über 200 Kilometer in 30 Minuten verbinden: Das wäre etwas gewesen, um ein technologisches Vorzeigeprojekt im praktischen Einsatz zu demonstrieren. Heute ist der Zug buchstäblich abgefahren und liefert Stoff für die Debatte, ob und weshalb in Deutschland entwickelte Technologien (das Patent für die Magnetschwebetechnik stammt schon aus dem Jahr 1934) es so schwer haben, bei uns zur kommerziellen Nutzung gebracht zu werden.

Vermutlich, weil so etwas „Prestige“ hätte bedeuten können. Igitt. ♦

2 responses to this post.

  1. Posted by Batterie on 22.05.2011 at 11.47

    Man kann Steinbrück sicher zustimmen, dass der Transrapid wünschenswert gewesen wäre, auch die Strecke Berlin-Hamburg käme vermutlich als Teststrecke idealerweise in Betracht, da hier die meisten Passagiere am jeweiligen Zielort bleiben möchten und nicht weiterfahren.
    Außer der Politik, so muss man aber leider feststellen, hat den Transrapid keiner der Beteiligten wirklich gewollt. Die Industrie hat keine Gewährleistungsrecht eingeräumt, weil sie offensichtlich von der Funktionsfähigkeit ihres eigenen Systems nicht überzeugt war.
    Und die DB hat schlicht von der Politik die Übernahme des wirtschaftlichen Risikos gefordert; sie wollte die Strecke also im Zweifelsfall lieber doch nicht haben.
    Wenn man diese Positionen mit jenen bei anderen nationalen Prestigeprojekten vergleicht, fällt schnell auf: So unverschämt sind üblicherweise weder die DB noch die Industrie, nicht einmal bei Stuttgart 21!
    Es bleibt, zu hoffen, dass der Transrapid einmal so weiterentwickelt wird, dass tatsächlich alle Beteiligten von dem System überzeugt sind. Als Vorschläge stelle ich mal in den Raum: Die Möglichkeit einer ebenerdigen Trassenführung, um das Projekt billiger zu machen. Zudem könnte man sich bemühen, eine Fahrbahn zu entwickeln, auf der auch, Rad-Schiene-Züge fahren können, dann müsste man nicht in Hamburg einen komplett neuen Bahnhof bauen. Ob sowas machbar ist?

  2. Posted by Mitropa1 on 23.05.2011 at 16.47

    Geld verdient die Deutsche Wagonindustrie weltweit mit klassischen Schienenfahrzeugen, sei es Vollbahn, sei es Straßenbahn. Aber das ist Politikern viel zu vulgär. Statt Hybrideisenbahnen zu fördern, fördert man Elektroautos. Statt in Hamnurg wieder eine Straßenbahn einzuführen träumt Herr Steinbrück von der Hamburger Regierungspartei vom Transrapid. Vielleicht sollte sich unsere Politiker einmal wieder auf den Boden der Tatsachen begeben, statt das Geld der Steuerzahler mit ungelegten Eiern zu verschwenden, nur um dann die große Rede zu schwingen und die Schere zum Durchscheiden des Bandes. Selbst China baut den Transrapid nicht weiter, warum wohl, und bezieht stattdessen ICE. Vielleicht sollte Hamburg erst das naheliegende tun und den ÖPNV verbessern, auch wenn eine Stadtbahn so ungemein altbewährt und praktisch ist, ehe es von einem Transrapid träumt, den keiner will und niemand braucht, außer vielleicht als Einzelkabine für Herrn Steinbrück auf dem steuerzahlerbezahlten Dienstweg von Hamburg nach Berlin.

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