Leserumfrage: Neue Regierung, neues Konzept

Mit der neuen Hamburger Regierung ändert sich nicht nur die Struktur – der Verkehr wurde von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) zum Wirtschaftsressort verlagert – sondern auch die grundsätzliche Ausrichtung zur Zukunft des Nahverkehrs. In Hamburg regiert keine Koalition aus mindestens zwei Parteien, sondern ungewöhnlicherweise nur die SPD; der Wirtschaftssenator ist jedoch parteilos und kommt aus der Handelskammer.

Inzwischen haben alle Senatorin(en) ihre Häuser bezogen und sich ein wenig eingelebt; der Erste Bürgermeister verkündete seine erste Regierungserklärung und jede Menge öffentliche Äußerungen gab es.

Der neue Wirtschaftssenator Frank Horch, Jahrgang 1948, seit gestern in Personalunion auch HOCHBAHN-Aufsichtsratvorsitzender, laut Pressemitteilung nach seiner Ernennung:

Hamburg als dynamische, wachsende Metropole braucht Mobilität. Das stellt
hohe Anforderungen an den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Die HOCHBAHN ist hier ein wichtiger Partner, um diese Herausforderung anzugehen.

Sozusagen als erste Amtshandlung wurde der – für knapp 8 Millionen Euro – fertig geplante Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, die Stadtbahn von Bramfeld über Steilshoop und CityNord nach U Kellinghusenstraße, eingeäschert.

Das Konzept für die nächsten Jahre wurde vom Ersten Bürgermeister, Olaf Scholz, SPD, skizziert [PDF, S.18], kurz zusammengefasst:

  • Errichtung eines noch ggf. zu entwickelnden, „modernsten Bussystem“ in Europa, für den innerstädtischen Verkehr. Steigerung der Kapazität um über 30 %.
  • Ab 2020 ausschließliche Anschaffung emissionsfreier Busse.
  • Sehr wahrscheinliche Fortführung der U4 bis zu den Elbbrücken, jedoch aus Kostengründen vermutlich keine Verknüpfung mit der dort auch fahrenden S-Bahn.
  • Bis 2020 barrierefreier Ausbau von 20 U-Bahn-Stationen.
  • Anvisierter Bau der S4, Hamburg will sich für diese „einsetzen“, eine tatsächliche Einführung ist nicht versprochen.

Die Umfrage läuft bis 01.06.2010 und ist, wie alle derartigen Umfragen, nicht repräsentativ, sondern gibt die ungefähre Meinung der hiesigen Leser wider. ♦

7 responses to this post.

  1. Posted by Tarik on 07.05.2011 at 21.52

    Mich soll keiner falsch verstehen aber brauchen wir wirklich eine S4 es gib Stadtteile ohne s-Bahn und den sollte man eine geben Stadt Schiene dort zu verlegen wo schon welche sind

  2. Posted by Batterie on 08.05.2011 at 12.05

    Konzept? Welches Konzept?
    Sieht man von der S4 ab, welche gemeinsam mit Schleswig-Holstein bereits früher fertig geplant wurde, und von der Beschleunigung des bereits existierenden Programms zum barrierefreien Ausbau vor, erkenne ich gar kein Konzept.
    Das einzige Konzept ist, dass man mit den Bussen ein Konzept machen will. Und wer sich nur ein Bisschen mit der Materie auskennt, der weiß, dass die Zielvorgaben für das geplante Konzept nicht oder nur mit unrealistischem Aufwand umsetzbar sind. Im Blog weiter unten ist das sehr anschaulich und verständlich erklärt bei ,,Billig ist nicht umsonst (1/2)“ und in den Artikeln über die Brennstoffzellenbusse.

  3. Sehe kein Konzept, aber sehe sehr wohl den HVV als zukünftigen Sündenbock am politischen Horizont.

    Die Politik verspricht schwammig und der HVV, sprich die von der Politik delegierten Fachleute, kriegen es halt nicht auf die Reihe. Peng, Legislaturperiode vorbei, neue Versprechen, neues Glück. Nix Strategie, aber demagogisch geschultes Gehör bei allen politisch Beteiligten.

    S.a. ‚Beobachtungen & Anmerkungen‘ https://rycon.wordpress.com/2011/04/07/beobachtungen-anmerkungen/: „Der HVV setzt sich für den Ausbau und Entwicklung des Hamburger Nahverkehrs nicht ein. Standpunkte oder eine eigene Meinung werden nicht vertreten, jedenfalls nicht sichtbar für die allgemeine Öffentlichkeit. Das ist nicht schön. (…)“

  4. Nachtrag: Passend zum Thema ‚wenn man den will, geht es (ganz schnell)‘ in der Welt: ‚Bahn (sic!) frei für die A 26 bis Hamburg‘ http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13359287/Bahn-frei-fuer-die-A-26-bis-Hamburg.html

    Money quote: „… Für den Süderelberaum bedeutet der Bau der vierspurigen Schnellstraße erhebliche Verkehrserleichterungen. Denn Tausende Pendler, die entlang der Unterelbe wohnen und in Hamburg arbeiten, kommen schneller an ihren Arbeitsplatz und zurück. …“

    Man entscheidet so natürlich vorrangig für die Wirtschaft, aber die inkludierte Förderung des individuellen KfZ-Verkehrs wird politisch gerne mit genommen.

    Ein ähnliches Deppenspiel – aus Sicht des ÖPNV – leistete man sich ja bereits mit dem Ausbau der Autobahn von Stellingen bis zur Nordsee. Am Anfang gähnend leer und heute der zweite große Dauerstau vor dem Elbtunnel am Autobahndreieck.

    Die Autobahn HH-Lüneburg wird – aus Sicht des ÖPNV – zumindest durch den Metronom ganz gut gekontert.

  5. Posted by Rycon on 09.05.2011 at 04.18

    Die Politik verspricht schwammig und der HVV, sprich die von der Politik delegierten Fachleute, kriegen es halt nicht auf die Reihe.

    Ich bereue den Standpunkt (sprich den damaligen Beitrag) sehr, da der Kontext fehlt. (Was bedeutet, dass ich den Kauderwelsch zum HVV mal etwas beschleunigen muss.)

    Der HVV an sich und die Verkehrsunternehmen sind hier in Schutz zu nehmen, denn sie sind weisungsgebunden. Der öffentliche Personennahverkehr ist eines der wenigen Felder, wo tatsächlich die Politik das Heft in der Hand hat, zumindest was den Ausbau angeht.

    Ganz speziell „die Fachleute“, denn diese sind meist wenig erfahren in Öffentlichkeitsarbeit. Aber gerade bei uns in Hamburg arbeiten hochkompetente Leute. Diese lassen sich nicht delegieren, sondern werfen ihre Erkenntnisse den Verantwortlichen vor die Füße; die letztendliche Entscheidung ist aber politisch.

    Vielleicht das Spannende an dem Thema: Die Dinge sind derart hochkomplex und intransparent, dass so ein Blog wie dieses eine gewisse daseinsberechtigung hat. Apro pos: Wer Interesse hat, hier mitzuwirken, soll sich gerne melden.

  6. Eigenzitat: „Die Politik verspricht schwammig und der HVV, sprich die von der Politik delegierten Fachleute, kriegen es halt nicht auf die Reihe.“

    Sorry für den Ausfall Richtung Fachleute, mir fehlte spontan das Wort ‚weisungsgebunden‘. Was aber nichts daran ändert, dass der HVV flott zum politischen Sündenbock gemacht werden kann (und zur eigenen Verteidigung nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten hat).

  7. Posted by Mitropa1 on 10.05.2011 at 20.07

    Das Konzept für öffentlichen Verkehr in Deutschland ist von Hamburg (U4) über den Thüringer Wald bis Stuttgart doch nur das, wie investiere ich möglichst viel Geld in sinnlose ÖPNV Projekte um so zu tun, als täte ich etwas für den ÖPNV. In Wirklichkeit geht es doch nur darum, nicht nur die Führungsposten z. B. bei der staatlichen DBAG mit Auto- oder Flugzeugmanagern zu besetzen, es geht darum der Autoindustrie nicht weh zu tun. Was hilft einem Politiker wenn er eine Modellbahn geschenkt bekommt, da er für ein sinnvolles Bahnprojekt war. Da ist ein Phäton als Äquivalenz für MAN Busse oder ein großer Mercedes Dienstwagen für die vielen neuen Daimler Benz Busse statt einer Stadtbahn doch persönlich viel angenehmer. Und ein Posten bei der Firma die die neue Startbahn in Frankfurt baut und hie und da in Köln einmal einen U Bahntunnel einstürzen läßt ist für den Ministerpräsidenten des Startbahnlandes sicher auch nicht mit Nachteilen verbunden. Und die Nähe von Hamburgs SPD zu gewissen Busherstellern hat schließlich nicht nur erneut den Bau der Stadtbahn verhindert, sie hat auch bereits die Stillegung der Straßenbahn befördert.

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