Die Mehrheit drückt‘ für Dich

Flächendeckend: Notrufsäulen der S-Bahn

Gewaltvorfälle scheinen für Teile von Presse, Funk und Fernsehen wie ein gefundenes Fressen, wobei die Opfer nur Protagonisten sind. Lieber fährt man Kampagnen, wie es „Radio Hamburg“ im vergangenen Jahr auf besonders unappetitliche Weise vollbrachte.

Entscheidend ist dabei nicht, über die Hintergründe zu berichten, sondern, an welchem Ort die Tat geschah. Dass Taten auch im öffentlichen Nahverkehr stattfinden, ist und bleibt ein nicht lösbares Faktum.

Dabei kann man dem hiesigen Nahverkehr nicht vorwerfen, das Thema zu vernachlässigen (siehe auch „Sicherheit im Hamburger Nahverkehr“, Teil 1 und Teil 2). Dennoch wurde eine große Debatte hochgekocht, in ihrer Folge steht uns nun ein „Alkoholkonsumverbot“ ins Haus. (Dass viele Täter weder besoffen noch Schwarzfahrer sind, ist ein Detail, das gerne ignoriert wird.)

Die Verkehrsunternehmen, sowie die Bundespolizei die für den Bereich der Deutschen Bahn zuständig ist, zu dem auch die S-Bahn zählt, reagierten mit einer Reihe von Aktionen und stockten ihr Sicherheitspersonal auf.

Die Hamburger Hochbahn legte sich besonders ins Zeug und startete am 20.09.2010 eine großangelegte Öffentlichkeitsaktion: „Ich drück‘ für Dich“. Im Fokus stand dabei, die Hemmschwelle zur Benutzung längst vorhandener Einrichtung zu senken. Die Notrufsäulen am Bahnsteig oder die Gegensprecheinrichtung mit dem Fahrer in den U-Bahnen sind schließlich nicht aus Spaß eingebaut worden. Ohne die Mithilfe von Mitbürgern funktioniert das beste Sicherheitskonzept nämlich nicht.

Begleitet wurde die Aktion durch eine Marktforschung, um festzustellen, ob die Mühe Früchte trägt. Demnach haben ¾ der befragten Fahrgäste die Anzeigenkampagne zur Kenntnis genommen, knapp 90 Prozent sind die Sicherheitseinrichtungen bekannt. Gute Voraussetzungen, dass die Mehrheit im Falle eines Falles aufs Knöpfchen drückt.

Erfreulich auch entsprechende Punkte am HVV-Kundenbarometer 2009, auf einer Skala von 1 (top) bis 5 (flopp) verbesserte sich der Wert „Subjektives Sicherheitsempfinden“ auf 3,17, vor 10 Jahren – 1999 – lag er noch bei 3,57. Ebenso lag die „Sicherheit an Haltestellen abends“ mit 3,41 wesentlich besser als noch 1999 (3,80).

Erhoben wurde der Kundenbarometer durch das Institut TNS Infratest, bekannt aus dem ARD-Deutschlandtrend. Die Diskrepanz gegenüber anderen Umfragen lässt sich leicht erklären: Man wählte 2.750 HVV-Kunden repräsentativ aus und befragte sie telefonisch. Andere Umfragen haben alle Bürger der Stadt nach ihrer Meinung zur Sicherheit im Nahverkehr befragt, also auch solche, die den HVV nur aus der Berichterstattung aus dem Radio kennen.

Derartige Umfragen sind folglich nicht das Papier wert, auf das sie geschrieben wurden. Abgesehen davon sind Internetumfragen grundsätzlich nicht repräsentativ und leicht zu manipulieren.
— Fotos (Anzeigenmotiv abfotografiert): Rycon

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