Schlappe für den ADAC

Für dieses Blog eigentlich kein Thema, aber interessant ist es dann doch: Der wohlbekannte ADAC führte im Juli einen „Schulbustest“ durch, bei dem man gravierende Mängel und zu schnelles Fahren festgestellt haben will. Der Automobilclub inszeniert sich gerne mal als Stiftung Warentest und derlei „Testergebnisse“ werden von Journalisten aufgesogen und, wie üblich ohne nachzudenken, kolportiert. Dabei ist der ADAC sicher nicht gleichzusetzen mit der unabhängigen Stiftung Warentest, sondern ein ganz profaner Lobbyverband.

Dabei machte der Autofahrerverein schon zu Beginn einen Fehler: Im angeblichen „Schulbustest“ wurden ganz normale Linienfahrten, wo jeder der will mitfahren kann, hineingenommen. Schulbusse – wie der Name ja schon sagt – sind dagegen exklusiv für Schüler. Aber das ist nur Nebensache.

Zwei der unter ADAC-Anklage stehenden Busunternehmen wollten die Sache nicht auf sich beruhen lassen und gingen dem Thema nach, berichteten die „Nahverkehrs Nachrichten“ (nur Print, nicht online). Und zwar die Unternehmen Abellio GmbH, für ihre Tochter Werner und die Verkehrsbetriebe Kreis Plön, VKP.

Die VKP wertete die Fahrtenschreiber aus und konnten nicht feststellen, was der ADAC zu messen glaubte: eine Geschwindigkeitsübertretung von 41 km/h. Zudem seien längere Streckenabschnitte gar nicht geschwindigkeitsbeschränkt da außerorts, und ohne Geschwindigkeitsbegrenzung kann man diese ja auch schlecht übertreten.

Abellio ging noch einen Schritt weiter, schnappte sich den Bus und fuhr die Strecke mit Vollgas ab. Und siehe da: Mehr als 83 km/h schaffte die Karre aufgrund der Motordrosselung gar nicht. Der ADAC behauptete hingegen, der Bus wäre mit 96 km/h durch die Lande gebrettert.

Mit unterschwelliger und verständlicher Häme watscht man dann den ADAC ab:

Während der ADAC fordert, dass die Geschwindigkeitsüberwachung auf deutschen Straßen mit geeichten und zertifizierten Geräten erfolgt, hat der Automobilclub seine eigenen Geschwindigkeitsmessungen im Schülerverkehr mit einem handelsüblichen GPS-Gerät durchgeführt.
„Die ADAC-Testergebnisse sind nicht mehr glaubhaft“, resümiert Dr. Friedrich-Wilhelm Rademacher, Geschäftsführer für den Bereich Bus des Mutterunternehmens Abellio.

Na sowas.
— OR

2 responses to this post.

  1. Posted by mitropa1 on 10.08.2010 at 11.23

    Der ADAC ist doch inzwischen Weltpolizist. So testet der ADAC auch den Wasserzustand an der Ostsee und kommt dabei in Kühlungsborn zu der Erkenntniß, das Ostseewasser sei verseucht. In Wirklichkeit wird außerhalb der Badezone an der Stadtgrenze am Zufluß eines Baches gemessen, der wohl tatsächlich geringfügig erhöhte Einträge aus der Landwirtschaft mit sich führt. Das ist aber für den „was Autofahrer dürfen, dürfen auch wir und Das Ist Alles, Club“ einfach zu wenig spektakulär.
    So würde ich mich auch nicht wundern, wenn sich der ADAC als Mitherausgeber des Hamburger Abendblattes herausstellen würde.

  2. Posted by Christian Schmidt on 19.08.2010 at 16.36

    Hämischen abwatschen recht da nicht – eine Unterlassungserklärung wäre das mindeste!

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