Der ADAC kann es nicht lassen

Unter der Horrorüberschrift „Bald droht Tempo 20 auf allen Straßen“ räumt das „Abendblatt“ mal wieder Platz für den ADAC frei. Den gelben Autolobbyisten wird eine Art wünsch-Dir-was-Fragestellung geboten, die der verkehrspolitischer Sprecher des ADAC Hansa, Carsten Willms, dankbar annimmt.

Bei der fünten Frage wünscht sich Willms:

Wir fordern schon lange, etwa 80 Millionen Euro pro Jahr in den Unterhalt zu stecken. Dafür müsste man vielleicht auch große Investitionen wie die Stadtbahn nach hinten verschieben.

Die Bundesmittel, die zur Finanzierung der Stadtbahn dienen sollen, sind überwiegend für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs zweckgebunden und stehen daher gar nicht für die Sanierung von Straßen zur Verfügung. Und auch die HOCHBAHN wird sicherlich keine Kredite aufnehmen, um die Verkehrswege für Autofahrer in Schuss zu halten. Die verbliebenden Mittel, die der Hamburger Haushalt bereitstellen wird, sind über mehrere Jahre gestreckt und würden selbst in Gänze nicht die 80 Millionen erreichen, die sich der ADAC jährlich so sehr wünscht. Es handelt sich schließlich um Investitionsgelder, was Willms aber fordert, ist eine Erhöhung der laufenden Kosten (eben jedes Jahr 80 Millionen Euro). Oder anders: Es wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein und das nur zeitlich arg begrenzt.

Beim ADAC arbeiten gewiss kluge Leute und deshalb unterstelle ich einmal, dass der ADAC und Herr Willms diese Sachverhalte ganz genau kennen. Warum man dann trotzdem den Ausbau des Nahverkehrs torpediert, sagt mehr über diesen Verein aus, als jede Werbebroschüre.

Der ADAC wäre nicht der ADAC, wenn er nicht auch apokalyptische Zustände heraufbeschwöre:

Investiert die Stadt nicht in erforderlichen Ausmaß in den Unterhalt der Straßen, werden wir wohl flächendeckend Geschwindigkeitsbegrenzungen von 20 Kilometern pro Stunde haben. Zudem wird die Unfallrate extrem steigen.

Mal abgesehen von dem unsinnigen dramatisierenden Quatsch: Es dürfte allgemein bekannt sein, das die Unfallrate extrem sinkt, wenn auch die erlaubte Höchstgeschwindigkeit abgesenkt wird.
— OR

4 responses to this post.

  1. Sehr aufmerksam aufgegriffen & klug und kompetent kommentiert. Dieser geschilderte sachliche Zusammenhang war mir beim schnellen Lesen gar nicht so aufgefallen. Ich hatte es mehr als ADAC typische Polemik gegen die Stadtbahn abgetan. Kompliment!

  2. Bonuspunkt für den Link zum kostenfreien Mobilangebot :)

  3. Posted by Rycon on 01.08.2010 at 18.46

    Danke schön! Jetzt müsste ich nur noch lernen, nicht immer gleich Romane zu schreiben. ;-)

  4. Posted by mitropa1 on 11.08.2010 at 12.24

    Ich finde es beachtenswert, dass der ADAC hier ein schlagendes Argument liefert Straßenbaumittel einzusparen. Selbst wenn die Unfallrate extrem stiege, so würden doch die Folgen der Unfälle ebenso extrem sinken. Da schlägt sich der ADAC mit den eigenen Argumenten.
    Außerdem gibt er zu, dass die Stadtbahnkosten mit dem Straßenbau nichts zu tun haben, außer vielleicht, dass dort wo Stadtbahnstrecken gebaut werden auch die anzupasssenden Straßen sicher in einen guten Zustand gebracht werden. Der ADAC müsste also eigentlich angesichts seiner maroden Straßen ein glühender Verfechter der Stadtbahn sein, denn wenigstens wo die Stadtbahn fährt werden seine Forderungen zum Straßenzustand erfüllt.

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