BusZug in Barmstedt

Am 02.07.2010 wurde in Barmstedt der BusZug der Öffentlichkeit vorgestellt. Es handelt sich um einen Solobus (MAN, 12 Meter), der einen Anhänger zur Personenbeförderung mitführt. Hiermit ist eine Zugbildung im Busverkehr möglich; in der Hauptverkehrszeit – besonders der Schülerverkehr – ist der BusZug unterwegs, in der restlichen Zeit, wo ein Solobus völlig ausreichend ist, wird der Anhänger abgekuppelt. Eine sehr Interessante, wenn auch nicht neue, Entwicklung.

Gerade der Schülerverkehr stellt den Busverkehr im ländlichen sowie Klein- und Mittelstädten vor große Probleme. Nur in sehr begrenzten Zeiträumen wird eine hohe Kapazität benötigt. Gelenkbusse haben den Nachteil, den Rest des Tages mehr Luft als Menschen zu befördern, unwirtschaftlich und nicht gerade ökologisch. Abhilfe: zwei Solobusse, was die Sache auch nicht besser macht, wenn einer davon außerhalb der Verkehrsspitze auf dem Hof herumsteht. Zudem lässt sich der Personalbedarf schlecht handhaben.

Das Zug-Fahrzeug erhält laut Herstellerinformationen eine etwa 180 kg schwere Zusatzausrüstung die Verstärkungen und Anhängertraverse beinhaltet; Voraussetzung ist ein ordentlicher Motor (ab 310 PS). Der Anhänger wird mit MAN-Komponenten gebaut um Wartungskosten und Ersatzteile (Lagerhaltungskosten) im Griff zubehalten. Technisch ausgelegt für eine Höchstgeschwindigkeit von 84 km/h, Kneeling (Absenkvorrichtung) ist Serie, vollständig Niederflurig. Zulässiges Gesamtgewicht 14,4 Tonnen, die sich auf zwei Achsen verteilen, laut Datenblatt sind beide lenkbar. Dies ermöglicht einen angenehmen Wendekreis von gut 22 Metern.

Die Videoüberwachung zeigt automatisch je nach Fahrt die relevanten Kameras, so kann der Busfahrer während der Fahrt prüfen, ob die Fahrgäste im Anhänger sicher befördert werden. Bei angelegter Haltestellenbremse schaltet der Bildschirm auf die Türbereichskamera, um den Fahrgastwechsel zu überwachen. Beim lösen der Haltestellenbremse zeigt ein Bild den Bereich zwischen Anhänger und Zugfahrzeug; dieser Bereich (60 cm) ist daneben auch mit Absperrbändern ausgestattet. Bei Bedarf steht eine Gegensprechanlage mit dem Fahrer zur Verfügung. Im Cockpit-Display wird per automatische Anhängererkennung der Kupplungsstatus angezeigt. Sicherheit steht an oberster Stelle.

Zwei Türen (jeweils 1250 mm breit) sorgen für einen schnellen Fahrgastwechsel, Einstiegshöhe 320 mm. Da der „Beiwagen“ keinen Antrieb besitzt, ist er entsprechend geräuscharm, im Falle der Schüler- und Fahrradbeförderung eher sekundär. Länge des Anhängers: 11,09 Meter, Gesamtlänge des BusZuges gut 23 Meter. Kapazität: 28 Sitz- und 72 Stehplätze, im Saldo können 177 Menschen befördert werden, 40 mehr als in einem Gelenkbus. Der Betrieb erfolgt per Ausnahmegenehmigung, Fahrer werden geschult.

Vier entsprechend ausgerüstete Solobusse und zwei Anhänger beschaffte VHHPVG und setzt diese auf den KviP-Linien 6542, 6543 und 6544 im Raum Barmstedt ein. Am Wochenende dient der Anhänger auf der Buslinie 589 zur Fahrradbeförderung, Sitze sollen für diesen Zweck ausgebaut werden.

Ein Anhänger soll angeblich etwa 20 bis 25 % weniger Kosten als ein Solobus. Man investierte gut 1,6 Millionen Euro, ergo 800.000 Euro pro BusZug (jeweils inklusive eines Reserve Zugfahrzeuges), kein Sonderangebot also. Aufgrund des temporären Einsatzes am Tag verlängert sich die Lebensdauer und – sicher nicht ganz uninteressant für die Verkehrsunternehmen – der Abschreibungszeitraum. Achillesferse der Idee ist die Frage, wo man den Anhänger abstellt, wenn er nicht gebraucht wird. Immer zum Betriebshof (leer) zurückzufahren ist unerwünscht, also wird ein Parkplatz herhalten. Zum Glück ist die Welt im ländlichen noch in Ordnung.

Bleibt zu wünschen, dass der BusZug für positive Erfahrungen bei Fahrgästen und Betreiber sorgt.

Nachtrag, 09.07.2010: Auf der VHHPVG-Website findet sich ein Bericht und ein paar Fotos.
— SK/RK(/OR)

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