HOCHBAHN präsentiert Rekordergebnis – mehr Verkehr, mehr Fahrgäste, weniger Zuschüsse


Nachdem bereits der HVV ein Rekordergebnis präsentierte, folgt nun das größte Verkehrsunternehmen im Verbund, die Hamburger Hochbahn AG. Der Hamburger Nahverkehr lässt sich sowohl beim Erfolg bei den Fahrgästen als auch bei der wirtschaftlichen Gesundung nicht von Wirtschaftskrise(n) beeindrucken.

2009 beförderte die HOCHBAHN erneut deutlich mehr Fahrgäste als im entsprechenden Vorjahr; glatte 2 % beträgt das Wachstum auf nun 401,6 Millionen Personenfahrten.

Imposant ist der Kostendeckungsgrad, der über die letzten Jahre deutlich gesteigert wurde. Der Kostendeckungsgrad gibt an, zu wie vielen Prozent die Kosten durch eigene Einnahmen gedeckt werden. Erreichte man hier 1998 noch magere 69,8 %, kann das städtische Unternehmen nun seine Kosten zu 88,1 % selbst decken – bundesweit gesehen eine Spitzenposition. Der Jahresfehlbetrag fiel auf 58,4 Millionen Euro, der durch die städtische HGV – zudem der HOCHBAHN-Konzern gehört – ausgeglichen wird.

HGV – Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH

Die Verluste werden übrigens nicht unbedingt vom Steuerzahler ausgeglichen, wie oft behauptet wird. In der HGV hat die Stadt Hamburg sämtliche Beteiligungen zusammengefasst; die Gewinne des einen Unternehmens gleichen die Verluste eines anderen aus. Erst wenn die HGV selbst einen Fehlbetrag verbuchen muss, springt der Steuerzahler ein; kann sie einen Gewinn ausweisen, entlastet das den Hamburger Haushalt. 2007 wies die HGV einen von Überschuss von 1.339 Millionen Euro aus, 2008 einen Verlust von 627 Millionen Euro. Die Diskrepanz erklärt sich aus jeweiligen Einmaleffekten, 2008 schlug das HSH-Nordbank-Desaster auch auf die Bilanz der HGV ein.

Interessant dabei ist, dass der HOCHBAHN bei der wirtschaftlichen Verbesserung ein Kunststück gelungen ist. Man hat die Verkehrsleistung nicht runtergefahren um Kosten zu senken, sondern im Gegenteil hochgefahren: im U-Bahn-Ressort um 24,1 % und im Bus-Ressort um 8,5 % (jeweils 1999 bis 2009).

Das Verkehrsunternehmen wurde restrukturiert, aber nicht wie sonst üblich in der Wirtschaft per Holzhammermethode inklusive Massenentlassungen. Tatsächlich wurde, anders als bei vielen anderen städtischen Verkehrsunternehmen, nicht ein einziger Arbeitnehmer vor die Tür gesetzt. Es gab dafür Schmälerungen bei den Löhnen, die aber mit den Gewerkschaften umgesetzt wurden und nicht gegen sie. Jedenfalls gelten die HOCHBAHN-Gehälter noch immer als anständig; im letzten Tarifkonflikt der Busfahrer in Schleswig-Holstein wurde stets darauf verwiesen, das die HOCHBAHN bessere Gehälter biete als die bestreikten Unternehmen.

Gespart wurde und wird nicht bei den Investitionen. So wurden und werden Busumsteigeanlagen – z.B. Wandsbek-Markt, Poppenbüttel, zurzeit Barmbek – mit viel Geld praktisch komplett neu gebaut. Im Busressort steht als Nächstes der faktische Neubau des Betriebshofes Langenfelde auf der Liste. Bei der U-Bahn wurde nicht weniger Geld in Attraktivitätsverbesserung gepumpt, siehe U Jungfernstieg, Sternschanze, Schlump, Horner Rennbahn und viele weitere. Für gut 13 Millionen Euro wechselt man aktuell Viadukte/Brücken bei der U3 aus, zusätzlich die Aufwertungen der Haltestelle Baumwall für 5,4 Millionen Euro; auch die großangelegten Bauarbeiten Berliner Tor (für den Linientausch U2/U3) waren kein Schnäppchen. Die Betriebsleitstelle für U-Bahn und Busverkehr gehört zum modernsten, was der Markt zu bieten hat.

Im Fahrzeugpark tut sich auch eine ganze Menge, so steht der brandneue U-Bahn-Typ DT5 vor dem Tor. Für rund 4,7 Millionen Euro hat man noch die alten Züge vom Typ DT3 eine Schönheitskur verordnet, damit der Innenraum für die nächsten paar Jahre, bis der DT5 den DT3 ablöst, ein adäquates Erscheinungsbild den Fahrgästen bietet. Auf der Agenda steht noch die Anschaffung von 91 neuen Bussen; zwei Diesel-Hybridbusse sind im Testeinsatz, acht kommen noch dazu, und dieses Jahr werden zehn nagelneue Brennstoffzellen-Busse (mit Hybridtechnik) erwartet. Auf dem Feld Forschung & Entwicklung ist man gut aufgestellt. Im Bus-Ressort steht darüber hinaus die Einführung neuer Bordcomputer (EFAD2) an.

Auf dem Umweltsektor läuft es auch Rund. So freut man sich, den Stromverbrauch seit 1999 bei der U-Bahn – trotz mehr Verkehrsleistung, siehe oben – um gut 17 % gesenkt zu haben. Die Masse der eingesetzten Busse erfüllt die Euro5-Norm, neue Fahrzeuge werden selbstredend nur noch nach Euro5 geordert (es gibt jedoch noch die freiwillige, strengere EEV-Norm).

Der Ausbau des Nahverkehrs darf natürlich auch nicht fehlen; die U4 befindet sich im Bau und die Stadtbahn in der Planung.

Äußerst interessant bei der Präsentation der Bilanz [PDF, S.13] ist der CO²-Vergleich der einzelnen Verkehrsträger in Personenkilometer. So spart der Bus gegenüber dem Auto 33,9 % an CO²-Emissionen, bei der U-Bahn und der Stadtbahn (!) sind es sogar saftige 61,7 %. Bei U- und Stadtbahn entsteht am Einsatzort selbst (also örtlich) keinerlei Emissionen.

Unterm Strich ist die HOCHBAHN außerordentlich gut aufgestellt und hat das Kunststück vollbracht, wirtschaftlich in der ersten Liga zu spielen und das nicht auf Kosten der Mitarbeiter und der Fahrgäste. Anstatt per Holzhammer und Investitionsstopp kurzfristig die Bilanz zu optimieren, erhält man nicht nur die Infrastruktur, sondern baut diese sogar aus. Damit legt man das Fundament für eine nachhaltige, gesunde Entwicklung.

Mit dem neuen Verkehrsträger Stadtbahn hat man im Heimatmarkt Hamburg nun auch eine echte, wenn auch längerfristige, Wachstumsperspektive (der Bau der U4 muss als absolute Ausnahme betrachtet werden). Zwar musste die HOCHBAHN ein wenig Richtung Stadtbahn gestupst werden, nun hat man aber wohl das Potenzial erkannt. Es wird eventuell in den nächsten Jahren aufgrund der Stadtbahn zu einer Delle kommen (Investitions-, aber noch mehr die Betriebskosten), langfristig gesehen und ein entsprechendes Streckennetz vorausgesetzt, wird sich der Einstieg in den neuen Verkehrsträger auch bilanztechnisch bezahlt machen.
— OR; Bild: Rycon

5 responses to this post.

  1. Posted by Raubtier on 29.06.2010 at 10.03

    [gelöscht wg. fehlerhafter E-Mail-Adresse. —Rycon.]

  2. Posted by Hans on 01.07.2010 at 13.14

    Und die Fahrer müssn dafür bluten um ein optimales Ergebnis zu bekommen. Die Schichten werden länger und das Geld ist ein Witz. Kein Wunder, daß bei der internen Umfrage kaum einer die Fragebögen beantwortet hat. Jeder weiß das die Hochbahn die Fahrer weiter schröpfen wird. Kein Wunder das Mesterkamp und co so einen hohen Krankenstand haben. Viel Fahrer haben für das wenige Geld einfach kein Bock mehr.

  3. Schöner detaillierter Überblick. Kompliment (5*).

  4. Posted by Thomas on 01.07.2010 at 23.38

    Der Krankenstand bei den Busfahrern ist sehr gering. Der Busbetrieb hat im Juni 2010 mit einem Krankenstand von nur 5,8% abgeschlossen. Andere Unternehmen würden sich danach die Finger ablecken. Und die Fragebögen haben bei dieser Umfrage so viele Mitarbeiter abgegeben wie noch nie. Auch wenn die Beteiligung noch besser sein könnte. Zu den Gehältern sei gesagt, daß die Fahrer bei der Hochbahn so viel verdienen, wie bei fast keinem anderen Unternehmen im Linienbetrieb. Wer dann schon einige Jahre länger bei der Hochbahn ist, genießt zu dem auch noch den sogenannten Sicherungstarif der nochmal zum Grundgehalt dazu kommt. Auch wer den nicht genießt, sollte mal über den Tellerrand zu den privaten Unternehmen schauen. Sicherlich wird der eine oder andere Fahrer eines privaten Unternehmens von mindestens …€ erzählen die er verdient. Was er aber nicht erzählt ist, daß er dafür auch fast 200 Stunden pro Monat arbeiten muss und das Gehalt nicht sicher ist, denn er bekommt einen Stundenlohn.Nebenbei sei auch nochmal gesagt, daß es andere Arbeitgeber nicht die Bohne interessiert, ob ihre Mitarbeiter zufrieden sind. Wer denn der Meinung ist, er habe kein Bock mehr, sollte sich einfach mal bei anderen Unternehmen bewerben und schauen, was ihm dort angeboten wird. Die Hochbahn beschäftigt ihre Mitarbeiter auch noch selbst zum gültigen Tarifvertrag. Andere Verkehrsbetriebe umschiffen ihre Tarifverträge, indem sie eine Tochterfirma, eine Personalleasingfirma, gründen oder ein bereits bestehendes Busunternehmen kaufen und die Mitarbeiter nur noch darüber einstellen, wenn dieses Unternehmen einen nedrigeren Tarifvertrag hat. Alle diese Unternehmen besitzen weder Fahrzeuge noch Linienkonzessionen. Sie haben nur Personal, welches an die durchführenden Unternehmen vermietet wird. Und nein, Jasper und Süderelbebus gehören nicht dazu, da sie eigene Busse und Süderelbebus sogar eigene Linienkonzessionen besitzen. Die Hochbahn stellt wie gesagt auch direkt ein und nicht über Jasper oder SBG.

  5. Posted by Hans on 05.07.2010 at 00.13

    @ Thomas
    Ha Ha der Juni mag ja schön gewesen sein, aber wie sieht`s denn mit den anderen Monaten aus Du Witzbold. Die Zeit wird kommen wo andere Busunternehmen Fahrer mit besseren Gehältern versuchen abzuwerben. Denn der Fahrermangel wird kommen wenn nicht bald ordentlich an der Gehaltsschraube gedreht wird. Die Späße die bald kommen wo die Bezahlung erst auf den Bus losgeht, wird nicht gerade zu einer Motivation führen.

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