Kostenprognose zur Stadtbahn im Umlauf: 18 Mio. Euro/Kilometer

Das „Hamburger Abendblatt“ will die offizielle Kostenprognose zur Stadtbahn erfahren haben und diese liegen demnach mit 18 Millionen Euro je Streckenkilometer innerhalb der Erwartungen. HOCHBAHN-Chef Günter Elste nannte bisher einen Kostenkorridor zwischen 15 und 20 Millionen Euro, ziemlich genau die Mitte wurde getroffen. Hinzu kommen die Investitionen in Betriebshof und Fahrzeuge, die mit 60 Millionen Euro angegeben werden, für einen Stadtbahnzug werden 3 Millionen Euro angenommen. Eine offizielle Bestätigung der Zahlen steht noch aus.

Investitionskosten der Stadtbahnstrecke im Vergleich mit der U4 (bis HafenCity Universität, im Bau) und der Flughafen-S-Bahn, je Streckenkilometer. Aktualisierung der Tabelle aus dem Artikel „Die Kosten und die Stadtbahn“ vom 14.03.2010.

Standpunkt |
„Abendblatt“ macht weiter Stimmung gegen den Ausbau des Nahverkehrs

Das „Abendblatt“ fügte dem Artikel eine Leserumfrage hinzu mit der suggestiven, beinahe scheinheiligen Frage: „Allein die Strecke der Stadtbahn kostet mehr als 18 Millionen Euro pro Kilometer. Sollte Hamburg trotz der Finanznot an diesem Projekt festhalten?“ – im ganzen Artikel erfährt der Leser dagegen nicht, das Hamburg beileibe nicht die kompletten Investitionskosten tragen muss, sondern der Bund hierfür einen Fördertopf bereitstellt; bis zu 60 % könnte der Bund übernehmen. Genau für den Ausbau des Nahverkehrs werden diese Mittel zur Verfügung gestellt.

Eingeleitet wird der Bericht mit „Die Stadtbahn ist das Prestigeprojekt der GAL“, was falsch ist. Denn auch die oppositionelle SPD ist für die Stadtbahn, was selbst im Artikel steht. SPD-Verkehrsexpertin Marina Koeppen wird mit den Worten zitiert: „Die Stadtbahn an sich ist ein wichtiges Projekt für die Stadt“.

In dem allem voran das „Abendblatt“ immer und immer und immer und immer wieder versucht, die Stadtbahn einer einzelnen Partei (hier die GAL) zuzuschieben, hofft man wohl, das nach der politischen Logik sich die Opposition automatisch dagegen positioniert. Dann würde die Stadtbahn im politischen Tagesgeschäft zerrieben und mal wieder auf die lange Bank geschoben. Man kann nur hoffen, dass sich die Politiker der unterschiedlichen Parteien nicht gegenseitig aufhetzen und von der Presse ausspielen lassen. Die Stadtbahn ist schließlich nicht exklusiv für GAL-Mitglieder oder GAL-Wähler gedacht, sondern für alle betroffenen Fahrgäste, Kunden und Bürger dieser Stadt.

Natürlich muss auch wieder der „Bund der Steuerzahler“ seinen Senf zugeben, der – trotz des sympathisch-klingenden Namens – insbesondere dadurch auffällt, dass praktisch alle Nahverkehrsprojekte aus deren Sicht Steuerverschwendung sind. Man könnte beinahe annehmen, der „Steuerzahlerbund“ wäre eine Unterabteilung des ADAC.

Jedenfalls wird deren Geschäftsführer Marcel Schweitzer mit den Worten zitiert:

Wir haben in Zeiten leerer Kassen kein Geld für einen solchen Leuchtturm auf der Straße. Das wäre purer Luxus, denn es besteht kein dringender Bedarf für ein solches Verkehrsmittel

„Luxus“, „Leuchtturm“ – offenbar hat der Steuerzahlerbund noch nicht mitbekommen, dass es hier um ein Schienenbeförderungsmittel von der Stange geht, und nicht um ein neues Opernhaus. Grotesk wirken diese Begriffe, wenn man sich in Erinnerung ruft, das Stadtviertel wie Bramfeld oder Steilshoop angebunden werden sollen, von denen man nicht behaupten kann, das sie mit ähnlichen opulenten Investitionen wie die HafenCity bedacht werden.

Dass Herr Schweitzer keinen dringenden Bedarf sieht, zeigt, dass er sich mit dem Nahverkehr nicht auskennt. Vermutlich fährt auch er Mercedes-Benz – allerdings vom Typ S-Klasse und nicht vom Typ Citaro. (Manchmal wünscht man sich, solchen Leuten einen Monat lang das Auto wegzunehmen, so dass sie wie das einfache Volk busfahren.)

Auch CDU-Verkehrsexperte Klaus-Peter Hesse wird im „Abendblatt“ zitiert:

Natürlich kann die Stadtbahn nur dann gebaut werden, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt. Alles andere wäre verantwortungslos.

…und schlicht unmöglich, da nicht finanzierbar. Eine Kosten-Nutzen-Analyse muss selbstverständlich durchgeführt werden (und einen Wert gleich oder mehr als 1 ergeben), sonst fließen keine Fördermittel.

Schließlich fordert kein Mensch eine Stadtbahn, die nur heiße Luft befördert.

— OR

One response to this post.

  1. Posted by Mitropa1 on 07.06.2010 at 21.35

    Dass die Stadtbahn, im Gegensatz zur U 4, nur gebaut werden kann, wenn das Nutzen Kosten Verhältnis über 1 ist, eigentlich eine Binsenweisheit. Das einzige Nahverkehrsvorhaben, wo das nicht gilt ist eines der Lieblingsprojekte Hamburger Großmannssucht, die U 4. Sie liegt weit unter 1. Daher ist es gut, wenn sich mit diesen Punkt eine Diskussion ergibt. Wo war eigentlich der Rechnungshof bei der U 4 und wo ist er bei den jetzt vorgestellten Verlängerungsplänen dieser Linie?
    Mit den Leuchtürmen ist es schon etwas anders, wieso zweifelt eigentlich niemand die bevölkerungsfeindlichen teure Autobahnneubauspange an, die zudem den Bahnverkehr weiter schwächt und damit defizitärer macht. Wieso werden eigentlich Straßen immer noch saniert, solange sie noch befahrbar sind. Mit einigen Schlaglöchern spart man viel Geld und hilft durch die verringerte Geschwindigkeit den Fußgängern und der Umwelt. Außerdem werden Straßen dort, wo Stadtbahnen gebaut werden zwangsläufig umgebaut und damit saniert. Das heißt, wo die Stadtbahn fährt sind auch die Straßen in gutem Zustand. Wenn das nun mal für den ADAC und seine Freunde nicht eine gute Nachricht ist.

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