Nicht mehr, sondern bessere Mobilität

Wortlaut | Bundespräsident Horst Köhler, 67, CDU, hat auf dem Weltverkehrsforum in Leipzig eine bemerkenswerte Rede gehalten, vor allem mit Blick auf den weltweiten Verkehr und Transport. Was im großen gilt, ist auch im „kleinen“ Nahverkehr nicht falsch. So plädiert Köhler, das man kein „mehr“ an Mobilität braucht, sondern eine „bessere“. (An dieser Stelle könnte man Bus und Stadtbahn heranziehen.)

Einige interessante Auszüge aus Köhlers Rede, die er heute (27.05.2010) hielt.

Experten schätzen, dass sich die Zahl der Kraftfahrzeuge zwischen 2002 und 2030 verdoppeln wird. Der Flugverkehr in Asien und in Südamerika, der bisher erst einen Bruchteil der hiesigen Dichte hat, wird rasant zunehmen. Für praktisch alle Verkehrsbranchen gilt: Wer die in den westlichen Industrienationen erreichten Werte auf die anderen Kontinente hochrechnet, dem kann schwindlig werden angesichts von so viel Bewegung. Wenn aber dieses Mehr an Bewegung auch mit einem entsprechenden Zuwachs an Umweltbelastung und Ressourcenverbrauch einhergeht, dann muss uns allen nicht nur schwindlig werden, sondern angst und bange. Schon heute werden mehr als 13 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen durch Verkehr und durch Transport verursacht. Das kann und darf nicht einfach so weitergehen. Darum ist klar: Die Welt braucht kein bloßes Mehr an Mobilität, sie braucht um unserer Ökosphäre willen – also um unser selbst willen! – bessere Mobilität.

[…]

Ein Beispiel: Durch Berlin fuhren in diesen Wochen Busse mit der Werbung einer Fluggesellschaft: „Norwegen rückt näher“. Angeboten wurde ein Flug nach Oslo für 29 Euro. Norwegen ist aber keinen Zentimeter näher gerückt. Oslo ist noch immer rund 1000 Kilometer von Berlin entfernt. Wie viel Wert legen die Berliner auf die Option, für den Preis einer Krawatte nach Oslo reisen zu können? Und was kostet die Reise dorthin an Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung, ohne dass sich das im Flugpreis spiegelt?

Wer Menschen oder Waren befördert, der zahlt heute Treibstoff, Personal, Verkehrsträger, Gebühren. Er zahlt aber wenig bis gar nicht für Luftverschmutzung, Lärmbelästigung, Gesundheitskosten, Umwelt- und Klimaschäden.

[…]

Im Gegensatz zur Stromsteuer, die die Bahn bezahlen muss, ist Kerosin von der Energiesteuer befreit – ebenso übrigens wie Schiffstreibstoff. Wäre es im Sinne der Gleichbehandlung der Verkehrsträger nicht gerecht, die Aussetzung der Energiesteuer für Kerosin und Schiffstreibstoff zu beenden?

[…]

Wer solche Städte will, muss mit der Planung und den Veränderungen jetzt beginnen. Investitionen, die wir heute tätigen, werden erst in ein paar Jahren ihre volle Wirkung entfalten und dann noch Jahrzehnte nachwirken.

[…]

Aber selbst in der Stadt der kurzen Wege braucht Mobilität Unterstützung, vor allem durch einen guten Öffentlichen Personennahverkehr. Das haben wir in vielen Städten noch nicht erreicht – auch das ist eine Herausforderung für die Logistikbranche.

Die vollständige Rede findet sich hier.
— OR

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