Autofahrer-Denke

Aus dem lesenswerten SPIEGEL Online-Artikel „Mobilität der Zukunft: Raus aus dem Schlagloch“:

Wenn es an vermeintliche Interessen der Autofahrer geht, kommt aber schnell eine aggressive Stimmung auf, und die Politik gerät sehr grundsätzlich in die Defensive. Ideen, die nicht auf immer mehr Autos hinauslaufen, haben es schwer. Das ist das Ergebnis des großangelegten Laborversuchs Verkehrspolitik, bei dem über Jahrzehnte hinweg fast ausschließlich die Autofahrer-Denke belohnt wurde.

Wer sich als Autofahrer wie ein Versuchsobjekt vorkommt, sollte sich heute vor allem die vielen Reize bewusst machen, die ihn überhaupt hinter das Lenkrad bringen. Wer sich von der Pendlerpauschale in eine Vorortsiedlung locken ließ, will sich nun nicht nachträglich mit einer Maut dafür bestrafen lassen. Wer auf dem Land mit dem Auto viel schneller ans Ziel kommt als mit dem Bus, empfindet eine zusätzliche Autogebühr als Freiheitsbedrohung. Wer meint, dass er ein höheres Sozialprestige verdient, weil ihn eine teure Tonne Metall und Plastik umgibt, tut sich mit Carsharing schwer. […]

Warum bei der Maut nicht klein anfangen? Sofort sinnvoll wäre eine City-Maut für deutsche Metropolen. Auch in Berlin, München und Hamburg ist möglich, was in London und Stockholm wunderbar funktioniert und die Lebensqualität gesteigert hat.

Ein sehr schöner, umfassender und unaufgeregter Bericht, der auch ziemlich mutig ist. Immerhin hat SPIEGEL Online ein eigenes „Auto“-Ressort und Autohersteller sind gute Werbekunden.
— OR

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