R10-Station Gartenholz: EBA watscht Ahrensburg und DB ab

Schon seit Monaten sollte es an der Regionalverkehrslinie 10 eine neue Station mit Namen Gartenholz geben. Mehrmals wurde der Eröffnungstermin verschoben, zuletzt verzichtete man ganz auf ein konkretes Datum. Als Verzögerungsgrund nannte die Schleswig-Holsteinische Landesweite Verkehrsservicegesellschaft, LVS, die Einrichtungen des eigentlich fertiggestellten Haltepunktes würde EU-Normen nicht entsprechen, weshalb das Eisenbahnbundesamt (EBA) keine Genehmigung erteile. Ein gefundenes Fressen für die Tageszeitungen, u.a. „Bild“, schließlich kann man mal wieder sehen, wie böse die EU-Bürokratie ist.

Nun hat sich das EBA selbst zur Posse per Pressemitteilung geäußert und das ziemlich angepieselt.

Wenn die Stadt Ahrensburg in den Medien den Eindruck erweckt, der Haltepunkt sei seit Monaten fertig gestellt und das EBA sei untätig geblieben, entbehrt dies sachlich jeder Grundlage. Die Beweggründe für die unzutreffenden Äußerungen von Vertretern der Stadt Ahrensburg in der Presse sind nicht nachvollziehbar.

Den Schwarzen Peter schiebt das EBA in der Hauptsache der DB Station & Service AG (DB S&S) zu, die es bis heute nicht geschafft hat, benötigte Unterlagen einzureichen. So fehlten „beispielsweise“:

– komplette Baupläne,
– notwendige Unterschriften,
– Angaben, welche Arbeiten durchgeführt wurden,
– Angaben, welche Personen bei der DB Station & Service AG für das Projekt Haltepunkt Gartenholz verantwortlich sind und
– weitere grundlegende Erläuterungen zum Bauvorhaben.

Der Antrag auf Inbetriebnahmegenehmigung ging beim EBA schon am 02.11.2009 ohne die oben angeführten Unterlagen ein und die DB S&S behauptete, der Haltepunkt sei schon fertiggestellt. Zwei Tage später schickte das EBA den Antrag zurück mit dem Hinweis auf fehlende Unterlagen. Dennoch schickte man Leute am 23.11.2009 zur Abnahme des angeblich fertigen Haltepunktes los und die staunten wohl nicht schlecht:

Die Bauarbeiten waren noch in vollem Gange. Größere Teile der Bahnsteige und Zuwege fehlten vollständig. Von einem Abschluss der Bauarbeiten konnte keine Rede sein.

Sprecher Ralph Fischer: „Für eine Inbetriebnahme des angeblich fertig gestellten Haltepunktes waren am 23. November 2009 keinerlei Voraussetzungen erfüllt. Die Inbetriebnahme für den Personenverkehr kam aufgrund des erreichten Bautenstandes und der damit verbundenen erhebliche Sicherheitsgefahr für die Reisenden nicht in Betracht. Daher konnte der Haltepunkt nicht für den Verkehr freigegeben werden.“

Als sich Anfang Januar 2010 noch immer kein entscheidender Baufortschritt abzeichnete, hat das EBA die Projektverantwortlichen der DB Station & Service AG zu einem Gespräch geladen. Dabei sollte geklärt werden, wie es zu den Problemen und Fehlern auf Seiten der DB Station & Service AG kommen konnte.

Die DB Station & Service AG begründet diese mit der zeitlichen Überlastung der Verantwortlichen aufgrund deren bundesweiter Tätigkeiten. Auch seien die Pflichten für die Projektleitung an die Stadt Ahrensburg übergeben worden. Diese habe die Inbetriebnahmefähigkeit des Haltepunktes Gartenholz bescheinigt und die entsprechenden Unterschriften geleistet.

Daraufhin hat das EBA die DB Station & Service AG am 14. Januar 2010 schriftlich aufgefordert, für das Projekt Fachkräfte mit ausreichenden Fachkenntnissen einzusetzen und die erforderlichen Voraussetzungen für die sachgerechte Wahrnehmung der Aufgaben zu schaffen. Weiterhin mahnte die Behörde die noch immer nicht vollständig vorliegenden Unterlagen an.

Erst nach satten zwei Monaten (!) meldete sich die DB S&S wieder und man gab zu, dass der angeblich fertiggestellte Haltepunkt noch gar nicht fertiggestellt ist – also überhaupt nicht abnahmefähig sei. Das EBA stellt fest:

Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Im schönsten diplomatischen Pressesprech watscht das EBA auch die Stadt Ahrensburg ab, denn obwohl die DB S&S für den Haltepunkt zuständig ist und später Stationsgebühren für jeden haltenden Zug kassieren wird, bastelt Ahrensburg selbst an der Station (die übrigens auch teurer werden wird, da man etwas schickeres haben wollte, als die DB-Einheitsware). Und da wittert EBA-Sprecher Ralph Fischer gewisse Unzulänglichkeiten:

„Da die Stadt Ahrensburg erstmals eine solche Bahnanlage baut, fehlen verständlicherweise die notwendigen Kenntnisse. Aus Sicht der Behörde ist es die Aufgabe der DB Station & Service AG, die mit dem Bauvorhaben betraute Stadt Ahrensburg zu unterstützen. Hier ist dringend Abhilfe geboten.“

Zu gut deutsch: Ahrensburg ist offenkundig zu inkompetent für den Bau, man solle bitte Profis ranlassen.

Und die sagenumwobenen EU-Vorschriften? Die gibt es an bestimmten Strecken, aber noch sind nicht alle Ideen EU-weit vereinheitlicht und solange gelten die nationalen Vorschriften, wie gehabt, weiter. Im Übrigen könne das EBA auf Antrag gewisse EU-Regelungen aussetzen.

Dafür muss der Antrag aber auch eingereicht werden – vollständig.
— OR; Bild: Ausriss (modifiziert) HVV-Schnellbahnplan

One response to this post.

  1. Posted by reiner willamowski on 11.11.2010 at 09.53

    guten tag,

    danke für diese für mich sehr wichtige info über die r10 bahnhaltestelle gartenholz.
    das, was sie da beschreiben ist eigentlich unglaublich und es wundert, dass die ahrensburger sich das so bieten lassen.
    ich bin an eigentum in gartenholz /weinberg sehr interessiert,wenn die bahnstation realität ist.so wie sie es darstellen, kann das noch lange dauern,wenn denn überhaupt.schade !
    reiner willamowski.

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