Ganztägige Fahrkartensichtkontrolle im Busverkehr geplant

Der HVV plant, dass künftig zu jeder Tageszeit der Bus vorne Betreten und die Fahrkarte vorgezeigt werden muss. Die sogenannte Sichtkontrolle wird bereits seit acht Jahren eingesetzt, jedoch bisher nur Montags-Samstags von 21 bis 6 Uhr, sowie Sonn- und Feiertags ganztägig. Allein diese Maßnahme führte nach HVV-Angaben jährlich zu rund drei Millionen Euro mehr Einnahmen.

Schwarzfahrern soll so das Leben deutlich erschwert werden; man geht von gut und gerne 20 Millionen Euro aus, die jedes Jahr den HVV durch die Lappen gehen – was der „ehrliche“ Kunde natürlich letztendlich ausbaden muss.

Einführungsphase

Wie die Testphase – respektive Einführungsphase – genau aussehen soll, diskutiert der HVV derzeit mit den Busunternehmen. Man hört, das entweder alle Buslinien umgestellt oder die MetroBus-Linien von der Sichtkontrolle, zumindest vorerst, ausgenommen werden sollen. Die reine Testphase kann auch regional begrenzt stattfinden, von Harburg und Bergedorf ist die Rede. Die betroffenen Buslinien würden dann am Haltestellenmast und/oder an den Fahrzeugen gekennzeichnet werden. Letzteres hätte für die Unternehmen den großen Nachteil, ihre Fahrzeuge nicht mehr flexibel im Liniennetz einsetzen zu können. Man wird sehen.

Fahrkartenprüfdienst konzentriert

Als Nebeneffekt würde das vorhandene Personal vom Fahrkartenprüfdienst auf die Schnellbahnlinien konzentriert, wenngleich auch im Bus weiterhin die Fahrkarten geprüft werden, da es sich ja nur um eine Sichtkontrolle handelt, die der Busfahrer durchführt.

Bisher war es den Busfahrern mehr oder weniger freigestellt, von der Sichtkontrolle abzuweichen, wenn an einer Haltestelle besonders viele Fahrgäste stehen (beispielsweise bei Veranstaltungen). Ob diese Regelung aufrecht erhalten bleibt, ist noch nicht ganz sicher.

Fahrgastwechsel

Der zu erwartende Aufschrei wird sicherlich damit begründet, dass der Fahrgastwechsel durch die Sichtkontrolle deutlich verlängert wird. Das ist zum Teil richtig, allerdings steht der Effekt gegenüber, dass die Ein- und Ausstiegsprozeduren geordneter ablaufen: Vorne Einstieg, hinten Ausstieg. Der Fahrgastwechsel „fließt“ also durch das Fahrzeug, gegenseitige Behinderungen gehören so der Vergangenheit an – freilich erst nach einer Gewöhnungsphase, die allerdings, das zeigen die Erfahrungen, schnell verinnerlicht wird.

Die Sichtkontrolle ist in Deutschland sehr weit verbreitet, vor allem beim Regionalverkehr sowie in vielen Städten. Von den Großstädten verlangt, wie bei uns, der MVV (Münchener Verkehrsverbund) den Vordereinstieg ab 21 Uhr, ebenso die Stuttgarter SSB.
Bei der Berliner BVG, dem Pendant zur HOCHBAHN, gilt die ganztägige Sichtkontrolle schon seit Jahren. Ebenfalls gute Erfahrungen machte die EVAG in Essen, die seit 2004 den „kontrollierten Vordereinstieg“ praktiziert.

Im Grunde war dieser Schritt in Hamburg schon lange überfällig.
— OR

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One response to this post.

  1. Posted by Arnold Martinson on 09.03.2010 at 14.51

    Ein Problem der derzeitigen Fahrkartenkontrollen ist man zu viele der Pruefer auch in Zivil von weitem erkennen kann.

    Fast alle Fahrkartenpruefteams bestehen aus zwei mittelalten Maenner, ohne Taschen, aber mit Aktenordner unterm Arm, und tragen auch in zivil oft die Diensthose.

    Ich hab das auch mal Pruefer gemacht. An einem Tag kam ich in Jeans, Turnschuhen, Pullover und dem Papierkram im Rucksack. Meine Fangquote stieg rapide an, aber am Schichtende fragte mich dann der Chef wie ich den aussehe und belehrte mich dass ich auch in Zivil ‚ordentlich‘ auszusehen habe.

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