„Bis zur letzten Instanz“ gegen die Stadtbahn

Standpunkt | Das es Gegenwind zur Einführung der Stadtbahn geben wird, war klar. Diese Erfahrung machen alle Städte im In- und Ausland, zudem scheint es zur bürgerlichen Pflicht geworden zu sein, erst einmal gegen alles und jeden zu sein. Veränderungen will man nicht und Neuerungen schon gar nicht.

„Die Welt“ berichtete letzten Sonntag darüber, dass eine Bürgerinitiative gegründet und ein Bürgerbegehren gegen die Stadtbahn initiiert werden soll. Daneben spricht sich auch Wolfgang Kopitzsch, seines Zeichens Leiter des Bezirksamtes Nord mit SPD-Parteibuch, gegen die projektierte Streckenführung aus. Dessen Argumente sind bemerkenswert: Er beklagt, laut „Welt“, den Druck, etwas schnell vorzeigen zu müssen. Man habe sich nicht genug Zeit mit der Trassenwahl gelassen.

„Ich hätte mir mehr Zeit bei der Festlegung der Strecke gewünscht“

Im gleichen Atemzug bemängelt Kopitzsch, dass man auf alte – und damit jahrelang bekannte! – Planungen zurückgreift. Wie passt denn das bitte schön zusammen?

Verwundert mag man sich die Augen reiben: noch mehr Zeit? Herrje, seit vielen Jahrzehnten wird schon an der Stadtbahn herumgedoktert und da wird allen Ernstes von „Druck“ gesprochen? Wie viel Zeit will er sich denn noch lassen? Bis Stadtbahnen das Fliegen lernen? Wobei Zyniker sicher anmerken werden, dass im Raum-Zeit-Kontinuum eines Bezirksamtsleiter Jahrzehnte quasi Lichtgeschwindigkeit gleichkommt.

Aberwitzig wird die Argumentation Kopitzsch, dass man sich auf alte Pläne aus der Schublade stützt. Auch hier kann man sich fragen: alte Pläne? Zufällig aus SPD-Regierungszeit? Sind alle „alten“ SPD-Pläne Mumpitz? Und was spricht dagegen, teuer erstellte, fertige Pläne umzusetzen, wenn sich an den Rahmenbedingungen nahezu nichts verändert hat? Leider hat der „Welt“-Redakteur diese Fragen nicht gestellt.

Stadtbahn ja, aber doch bitte sehr woanders

Immerhin: Gegen die Einführung der Stadtbahn an sich spricht sich Herr Kopitzsch nicht aus, was ja auch absurd wäre, hat sich die SPD doch lange vor der CDU für die Stadtbahn positioniert. Stadtbahn ja, aber doch bitte nicht vor der eigenen Haustür. Die geplante Streckenführung schmeckt Kopitzsch nämlich nicht:

„Schaut man sich die geplante Stadtbahntrasse an, so wird man feststellen, dass sie in weiten Teilen parallel zu den U-Bahn-Linien U1 und U3 verläuft.“

Mit dem gleichen Argument könnte man das halbe MetroBus-Netz eindampfen. Und wo wird denn die Stadtbahn parallel zur U3 fahren? Haben wir da eine Linienerweiterung nicht mitbekommen? Es wäre neu, dass die U3 jetzt zum Bahnhof Altona fährt. Selbst wenn wir uns mal das UKE vornehmen: Von hieraus wären es zur nächstgelegenen Haltestelle Eppendorfer Baum der U3 satte ein Kilometer (Google Routenplaner); die Stadtbahntrasse liegt also größtenteils ganze Häuserblocks weit von einer U-Bahnlinie entfernt.

Um eine sinnvolle Verknüpfung mit dem U-Bahnnetz zu realisieren, muss man zwangsläufig die Stadtbahn an eine U-Bahnlinie heranführen und kreuzen. Den ersten Verknüpfungspunkt wird es an der Haltestelle Hudtwalckerstraße geben. Ja, dann würden die Stadtbahn und die U1 natürlich „einen weiten Teil“ parallel fahren. Nämlich exakt eine Haltestelle von der Hudtwalckerstraße zur Kellinghusenstraße. Zwar fährt die Stadtbahn in der City Nord nahe zur U1, verknüpft dort aber nicht, dient also der Feinerschließung.

Ein nennenswerter Parallelverkehr findet definitiv nicht statt (siehe Streckenführung).

Fahrgastflüsse

Kopitzsch bemängelt auch, das die Fahrgastflüsse nicht vernünftig berücksichtigt werden, so sei der Weg über Alsterdorf und Winterhude eher ungewöhnlich:

„Wer aus Steilshoop in die Innenstadt will, nutzt die guten Busanbindungen nach Barmbek“ … „Die Verkehrsströme sind in Diagonalen in Richtung Zentrum ausgerichtet. Und daran haben sich die Menschen gewöhnt.“

Steilshooper sollen auch nicht über Alsterdorf oder Winterhude in die Stadt fahren, was ein Umweg wäre. Sie sollen, wie jetzt auch, mit der Metrobuslinie 26 oder der Stadtbuslinie 118, am S-Bahnhof Rübenkamp in die S-Bahn umsteigen und in die Stadt fahren. Der Weg mit dem Bus über den Bahnhof Barmbek ist im Übrigen bereits jetzt ein Umweg. Der Bahnhof Barmbek und die Einkaufsstraße Fuhlsbütteler Straße werden weiterhin mit der Metrobuslinie 7 erreichbar sein, denn mit Einführung der Stadtbahn wird das Metrobusnetz ja nicht eingestellt werden.

Auch wenn in der Hamburger Verkehrspolitik das Mantra „Alles zum Hauptbahnhof!“ gilt: Nicht jeder will in die Innenstadt, warum auch, da gibt es praktisch keine Wohnungen oder Freizeiteinrichtungen. Außer (überteuerten) Einkaufsmöglichkeiten bietet die Innenstadt nichts für den Normalbürger; von allen Großstädten hat Hamburg die mit Abstand bemitleidenswerteste, einfältigste und traurigste Innenstadt überhaupt. Wenn Samstagabend die Bürgersteige hochgeklappt werden, ist die Stadt für die nächsten 36 Stunden mausetot. Außer ein paar Touristengrüppchen verirrt sich dort niemand hin. Das die Verkehrsflüsse (wohlgemerkt: nur die des öffentlichen Nahverkehrs) in die Innenstadt gehen liegt nicht daran, dass sich die Menschen daran gewöhnt haben, sondern an der schlichten Tatsache, dass sie keine leistungsfähigen und attraktiven Alternativen haben.

Festgenagelte Streckenführung

Gerne wird der Standort des Betriebshofes übersehen. Mit dem Gelände im sogenannten „Gleisdreieck“ (rechts die U1, links die S1 und unten die Güterumgehungsbahn) hat man geradezu ein Glücksgriff. Dort sind keine Anwohner, die sich durch einen Betriebshof gestört fühlen könnten, das Gelände muss nicht gekauft werden, weil es schon im Bestand ist und es ist groß genug, auch noch einen Busbetriebshof aufzunehmen. Der Weg zur Linie (sog. Ein- und Aussetzweg) ist minimal, was für die Wirtschaftlichkeit der Stadtbahn ausgesprochen günstig ist. Im Bereich S-Bahn Rübenkamp ist die Linienführung daher festgenagelt.

Bezeichnend ist auch, dass Herr Kopitzsch erst jetzt mit seiner Kritik an die Öffentlichkeit geht, obwohl die Streckenführung doch schon seit vielen Monaten bekannt ist (respektive, wie er selbst sagt, auf „alte Pläne“ zurückgeht). Hat er so lange geschlafen oder wollte er erst abwarten, aus welcher Richtung der Wind weht, bevor das Fähnchen hochgehalten wird?

Bürgerproteste

Man ist ja heutzutage gegen alles: Kindergärten, Spielplätze, Behindertenwerkstätten, große Einkaufsläden in Einkaufsstraßen und so weiter. Da ist es nur konsequent, gegen den öffentlichen Nahverkehr zu sein. Als Rächer der Enterbten kristallisiert sich Andreas Wagener heraus, der eine Boutique betreibt und dessen Argumentation hier im Blog noch an anderer Stelle ausführlichst auseinandergepflückt werden wird.
Fleißig bastelt er an einer Bürgerinitiative, die sich aus Stadtbahngegner der Stadtteile Winterhude, Eppendorf und sogar Steilshoop speisen soll. Gesprächen und Argumenten erteilt er forsch (aber immerhin ehrlich) eine Absage, seine Meinung steht unumstößlich fest. In der „Welt“ lässt er sich mit den Worten zitieren:

„Wir werden uns bis zur letzten Instanz wehren“

Das kann ja noch heiter werden.

— HS/OR

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30 responses to this post.

  1. Posted by Reinhard Fenske on 07.03.2010 at 23.10

    Der Autor uebersieht, dass die von ihm ertraeumte Straßenbahn unbezahlbar ist, weil Hamburg pleite ist. Das Geld der Steuerzahl kann und sollte weder für dieses noch für weitere „Elbphilharmonien“ eingeplant werden, solange das von uns Buergern gespeiste Staatssaeckel wieder gefüllt ist. Zumal hier eine nur regional wirksame Verkehrsmaßnahme auch von allen denjenigenHamburgerinnen und Hamburgern bezahlt werden muss, die diese niemals nutzen werden. übrigens: jeder Investor berechnet erst die Kosten, bevor er Geld anlegt – doch fuer Straßenbahn liegen unserioeserweise bis heute keine verbindlichen Berechnungen vor… Daher: Stadtbahn neee – keine Elphi auf Schienen!

  2. Posted by Rycon on 08.03.2010 at 09.59

    Die Autoren (hier: zwei) „erträumen“ sich nicht die Stadtbahn, sondern erachten sie als die billigste Möglichkeit, den Nahverkehr auszubauen und attraktiver zu gestalten. Die Kosten und die Gegenargumente werden hier auf Rycon an den nächsten Sonntagen thematisiert. Verkneifen kann ich mir aber Folgendes nicht:

    Ein Massentransportmittel mit einem Konzerthaus zu vergleichen ist schon sehr gewagt, zumal ohne vernünftigen Nahverkehr gerade sozial schwächere Mitbürger nicht mobil wären. Der Vergleich ist hanebüchen, populistisch und geschmacklos.

    Ich habe keine Kinder; soll ich jetzt auf die Straße gehen und fordern, die Schulen und Kindergärten abzuschaffen, weil ich persönlich davon nichts habe? Wie soll eine Gesellschaft funktionieren, wenn jeder nur an seine eigene Nase und sein eigenes Wohlbefinden denkt?

    Kosten: Glücklicherweise wurde noch keine Pi-mal-Daumen-Zahl in den Raum geworfen. Eine seriöse Kostenschätzung kann man doch erst nach der Planung abgeben. Aber gerade dieser Sachverhalt wird am nächsten Sonntag hier thematisiert.
    — OR

  3. Posted by andromeda on 08.03.2010 at 17.58

    Inzwischen hat Herr Kopitzsch übrigens in der Bezirksversammlung widerrufen – will er so alles gar nicht gesagt haben ;o)

    http://www.hh-heute.de/kopitzsch-selbstkritik-bzgl-stadtbahn/

  4. Posted by Wahl-Hamburgerin on 08.03.2010 at 19.37

    Guten Abend,

    ich folge der Diskussion noch nicht lange. Aber natürlich sind auch mir als Zugezogene das, sagen wir mal, Ungleichgewicht bei der Anbindung der verschiedenen Stadtteile nicht verborgen geblieben. Besonders die Strecke Altona – Winterhude im Bus ist nicht wirklich angenehm.

    Allerdings verstehe ich nicht ganz wieso die Erweiterung des U-Bahn-Netzes so gar nicht in Betracht gezogen wird? Sind es allein die Kosten?
    Ich frage mich
    * Wäre eine Stadtbahn wirklich so viel schneller als der Bus? Passen wirklich so viel mehr Passagiere in eine solche Bahn?
    * Die Stadt platzt aus allen Nähten, die Mietpreise setigen ins exorbitante. Den Menschen öffentliche Verkehrsmittel als Alternative zu bieten ist sinnvoll. Aber wieso nicht unterirdisch? Autos konsequent von der Straße und freiwerdende Flächen könnten als Wohn- und Lebensraum genutzt werden.
    * Braucht Hamburg noch eine neue Sorte von Fortbwegungsmitteln? Setzte man auf „ein für alles“ wäre ein fleixiblerer Einsatz der vorhandenen Vehikel möglich.
    * Hamburg hat mehr Erfahrung beim Bau von unterirdischen Bahnen. Kann dann überhaupt eine realitische Kosteneinschätzung gegeben werden – oder ist es wie im Kommentar oben schlicht zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich?

    Haben Sie einen Tipp, wo diese Fragen bereits diskutiert wurden?

    Ich freue mich auf Antworten!

    Viele Grüße
    M. Peter

  5. Posted by Rycon on 08.03.2010 at 20.11

    Hallo,

    @andromeda: Danke für den Hinweis! :-)

    @Wahl-Hamburgerin:
    Vielleicht helfen ja die folgenden Beiträge weiter:
    „Was“ für ein Verkehrsmittel die Stadtbahn eigentlich ist
    Was für Eigenschaften eine U-Bahn hat
    Kosten U-Bahn vs. Stadtbahn
    Verkehrsmittel im Vergleich

    Viele Grüße!
    — OR

  6. Posted by Mitleser on 09.03.2010 at 20.30

    Was ich immer erstaunlich finde: Hamburg ist meines Wissens nach die einzige unter den 50 größten Städten der EU, die (noch) keine Stadt-/Straßenbahn hat. Sicher, das heißt nicht im Umkehrschluss, dass auf Biegen und Brechen nun an die Elbe auch eine muss- aber ständig dieser Einwand, dass dieses verkehrsmittel ja ohnehin niemand wolle und überflüssig sei, ist unverständlich. Niemand bezweifelt, dass eine U-Bahn mehr Personen pro Minute schneller transportieren kann und das Problem nicht hat, mit dem Autoverkehr in Konflikte zu geraten. Aber es ist eben immer eine Frage vom besten Kosten-Nutzen-Verhältnis und wie man mit den verfügbaren finanziellen Mitteln den höchsten Effekt erzielen kann. Sicherlich würden auch die Megastädte vieler Entwicklungsländer gern U-Bahnen bauen. Da das Geld nicht da ist, reicht es eben nur für BRT-Systeme (falls jemand nicht weiß, was das ist: Das Beispiel aus Bogotá: http://de.wikipedia.org/wiki/TransMilenio). Und so ähnlich ist es eben auch mit der Strab.

  7. Posted by Wahl-Hamburgerin on 10.03.2010 at 21.07

    Hallo Rycon,

    danke für die Links – werde mich gleich mal an die Lektüre machen. :)

    Schönen Abend!

  8. Posted by Bovist66 on 11.03.2010 at 21.27

    Das stimmt (leider) nicht ganz: Kopenhagen hat auch (noch) keine Stadt- oder Straßenbahn (Abschaffung der Kopenhagener Straßenbahn 1972).

    Mich erinnern die aktuellen Proteste gegen die Stadtbahn Hamburg an die Auseinandersetzungen in
    Strasbourg vor rund 20 Jahren, als es dort um die Wiedereinführung der Straßenbahn ging. Vor allem viele Geschäftsleute waren damals gegen die „Elektrische“. Nachdem aber die Tram ab 1994 wieder durch Strasbourg fuhr, bemerkten viele von ihnen, wie gut sich das auf den Einzelhandel auswirkte. Seitdem konnte es mit dem weiteren Bau von Straßenbahnlinien in der Elsass-Metropole gar nicht schnell genug gehen!

    Von 10 Menschen haben vielleicht 9 spürbare Vorteile durch ein modernes Straßenbahn-System, einer hat aber Nachteile. Wenn nun der Bau einer Straßenbahnlinie ansteht, glauben leider viele Menschen, künftig zu der Minderheit der Verlierer zu gehören.

    Mir scheint es daher wichtig, beharrlich Überzeugungsarbeit für die Stadtbahn Hamburg zu leisten.
    Von der ersten Strecke profitieren bereits rund 60 000 Fahrgäste – im Zweifel sehr viel mehr Menschen, als Nachteile durch einzelne wegfallende Parkplätze haben.

    Das aber müsste immer wieder kommuniziert werden – ansonsten kann es den Stadtbahn-Plänen in Hamburg leicht so gehen wie dem Stadtbahn-Projekt in Wiesbaden, das vor fast 10 Jahren leider erfolgreich mit den dümmsten Argumenten torpediert wurde. Seitdem herrscht dort eine völlige verkehrspolitische Stagnation, weil sich die Ideen der Gegenseite (mehr Straßen) ebenfalls nicht durchsetzen ließen. Die für die Stadtbahn bestimmten Gelder wurden schließlich aus Wiesbaden abgezogen und nach Kassel umgeleitet, wo dann ein regionales Stadtbahnnetz aufgebaut werden konnte, das sich zunehmender Nachfrage erfreut.

    Hamburg hat die Wahl: Ein modernes Stadtbahnnetz für ganz Hamburg oder Vorrang kurzfristiger Partikularinteressen einiger weniger Bürger.

  9. Posted by Herbert on 14.03.2010 at 01.55

    M.Peter/Wahl-Hamburgerin:

    Ich will Ihre Fragen einmal beantworten.

    – DIe Stadtbahn ist allein kaum schneller als ein Bus. Sie wird schneller, wenn sie ihre eigene Spur hat und eine Ampelbevorzugung bekommt. Die eigene Spur kann man auch einem Bus geben, wobei diese dann zwingend asphaltiert sein muss. (Die Stadtbahn kann auch auf Rasengleis fahren). Die Ampelbeeinflußung auch, allerdings kann ein Bus viel weniger Fahrgäste „auf einmal“ transportieren. Für die gleiche Kapazität müssen also auf einer Strecke mehr Busse als Stadtbahnen fahren, also muss auch die Ampelschaltung viel öfter zugunsten des Busses „gedreht“ werden. Das geht auf Kosten der Querstraßen und macht ggf. die Ampelbeeinflußung unmöglich, weil der Autoverkehr zusammenbräche.
    – Der Bau von unterirdischen Strecken ist leider extrem teuer. Die neue U4 bekommt zwei neue Haltestellen und kostet etwa 330 Millionen Euro. Die S-Bahn zum Flughafen hat eine Station und kostete 280 Mio. Euro. Die Stadtbahn soll pro Kilometer 10 bis 20 Mio.Euro kosten. Sie ist also dramatisch günstiger. Für die oberirdische Bauweise sprechen zudem zwei weitere Faktoren: Erstens ist der Zugangsweg nicht so lang. Sie können im Idealfall direkt einsteigen und müssen nicht erst mehrere Meter unter die Erde. Zweitens können die Fahrgäste aus dem Fenster schauen und sehen dabei die Stadt. Klingt banal, wird allgemein aber als sehr positiver Aspekt oberirdischer Verkehrsmittel empfunden.

    Ich will nicht die Vorteile von (unterirdischen) Schnellbahnen bestreiten: Diese sind extrem zuverlässig, weil sie nichts mit dem Straßenverkehr zu tun haben. Man erreicht hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten (in Hamburg um die 30 km/h), einerseits durch die unabhängige Streckenführung (kein Stau), andererseits durch die großen Stationsabstände. (U-Bahnhöfe liegen deutlich weiter auseinander als es Stadtbahnhaltestellen sein sollen). Andererseits sorgt letzterer Punkt dafür, dass der durchschnittliche Weg zur Haltestelle weiter wird. Dadurch kann eine Stadtbahn Tür-zu-Tür auf kurzen bis mittleren Entfernungen in Sachen Geschwindigkeit auf vielen Wegen durchaus mit der U-Bahn konkurrieren. Zudem ist die Kapazität der Schnellbahnen nochmals um eine Dimension höher als bei der Stadtbahn.

  10. Posted by Bovist66 on 14.03.2010 at 18.52

    Dem kann ich nur zustimmen! Hinzu kommt, dass sich elektrische Antriebs-Energie bei (Stadt-)Bahnsystemen am sinnvollsten bzw. wirtschaftlichsten umsetzen lässt. Bei einer Nachfrage von rund 60 000 täglichen Reisenden auf eher kürzeren Distanzen – wie auch in Hamburg – ist ein Straßen- bzw. Stadtbahnsystem grundsätzlich eine gute oder sogar die beste Lösung!

    Ein weiteres Argument pro Stadtbahn: Ein Straßenbahn-Triebwagen hat eine wesentlich längere Lebensdauer als ein Bus. Somit müssen nicht so oft neue Fahrzeuge angeschafft werden. Zeitgemäßer Komfort für die Fahrgäste lässt sich ggf. auch in ältere Triebwagen einbauen.

    Es stellt sich jedoch immer wieder die Frage, wie man die Öffentlichkeit davon überzeugen kann.
    Leider sind die Vorurteile gegen Straßen- und Stadtbahnen nach wie vor hoch – was man in Hamburg gerade erleben kann.

  11. Posted by Herbert on 15.03.2010 at 16.50

    Bovist66:

    Nun, und der Energieverbrauch pro Fahrgast fällt bei angemessener Auslastung ebenfalls deutlich besser aus. „Hybrid-Technik“ ist nämlich bei Straßenbahnen seit Jahrzehnten Standard. Bremst der Zug, dann läuft der Motor als Generator und erzeugt mit der Bremsenergie Strom. Der Strom wird dabei sofort ins Netz zurückgespeist und kann unmittelbar von anderen Zügen genutzt werden. Das senkt den Stromverbrauch um 20-30 Prozent. Bei Bussen wird da gerade erst herumexperimentiert, Stichwort „Hybridtechnik“. Den Wirkungsgrad der Rückspeisung bei Straßenbahnen wird die Technik bei Bussen vermutlich nie erreichen.

  12. Posted by Wahl-Hamburgerin on 15.03.2010 at 19.41

    Guten Abend,

    die Zahlen sprechen wirklich für sich – vielen Dank für Ihre ausführlichen Antworten!
    Umso unverständlicher, dass die Kommunikation in diesem Zusammenhang den Verantwortlichen so schwer zu fallen scheint. Aber die Diskussion gehört wohl nicht hierhin.. ;)

    Viele Grüße
    M. Peter

  13. Posted by Bovist66 on 15.03.2010 at 21.19

    Genau darin liegt meines Erachtens das größte Problem bei Straßen- bzw. Stadtbahnvorhaben!
    Es mangelt vielen Verantwortlichen und manchmal auch Befürwortern daran, die Vorteile solcher
    Verkehrssysteme zu vermitteln. Vielfach rufen Stadtbahn-Planungen Ängste bei Bürgern hervor, auf die oft nicht richtig eingegangen wird. Bei Gegenpositionen richtig zuzuhören, fällt wohl den wenigsten Menschen leicht, erst recht nicht bei irrational wirkenden Argumenten.

    Dabei lässt sich der größte Teil der Kritik an Stadtbahnen ganz leicht entkräften. Warum zum Beispiel wird die Straßenbahn so häufig als Hindernis für Autofahrer angesehen? An vielen Stellen verlaufen Straßenbahnlinien auf eigenen Trassen, so dass auf Busverkehre und Busspuren verzichtet werden kann (bzw. könnte). Letztlich profitieren davon alle Verkehrsteilnehmer.

    Meines Erachtens gründet sich die Abneigung vieler Menschen gegen die Tram im wesentlichen „nur“ auf psychologischen Motiven: Ein Auto neben einer Straßenbahn zeigt halt schon von der Größenordnung her, wer der „Stärkere“ ist. Beim Bus fällt dieser Unterschied nicht ganz so deutlich aus, überdies kann man die „Verwandtschaft“ von Verkehrssystemen auf Gummirädern nicht leugnen.

    Ich halte es für wichtig, sich bei den Diskussionen über Straßenbahn-Projekte rege zu Wort zu melden und immer wieder darauf hinzuweisen, dass letztlich alle Bürgerinnen und Bürger von Stadtbahn-Systemen profitieren.

  14. Posted by Werner Klingbiel on 16.03.2010 at 14.26

    Die Aussage zu Kopenhagen stimmt noch, aber wahrscheinlich auch nicht mehr lange. Auch dort sind die Planungen zur Wiedereinführung im Gange.
    Interessant ist allerdings dass neben Kiel auch Lübeck nun wieder eine Straßenbahn haben will, alle anderen wichtigen Städte Norddeutschlands haben Stadtbahnen (Bremen, Hannover, Schwerin, Rostock). Und auch Slandinavien baut seine Straßenbahnnetze wieder auf bzw. aus. Genannt sei Bergen als neuestes Beispiel der Wiedereinrichtung einer Stadtbahn. Aber auch Malmö, Kopenhagen und Aarhus planen, Stockholms Restnetz wird wieder erweitert, von Göteborg, Helsinki oder Norköpping brauchen wir nicht zu sprechen.
    Es spricht als bereits aus dieser Richtung alles dafür, dass die Entscheidung Hamburgs richtig um nicht zu sagen überfällig war.
    Das heißt, die Vernunft und der Blick über den Tellerrand spricht für die Stadtbahn. Das einzige, was dagegen spricht, sind die guten Beziehungen mancher Politiker zur Autoindustrie, seien es Herr Althaus bei Magna, der frühere Verkehrsminister Wissmann als oberster Autolobbyist, oder Niedersachsen als Sachwalter von VW. Und warum sollte nicht bei willigen Geschäftsleute auch in Hamburg mit kleinen Geschenken die Freundschaft zur freien Fahrt für freie Autofahrer unterstützt werden. Und das ist ja wohl ein Argument, dass gegen alles, nur nicht gegen die Stadtbahn spricht.

  15. Posted by Bovist66 on 16.03.2010 at 21.50

    Wie konkret sind denn die Planungen für eine Straßen- oder Stadtbahn in Kopenhagen? Mir ist eine „angedachte“ Tangentialverbindung bekannt, allerdings ist das auch schon ein paar Jahre her.
    Nähere Informationen und Quellenangaben erwünscht!

  16. Posted by Al on 09.05.2010 at 14.23

    Hallo Stadtbahn-Fans, ich bin etwas erstaunt wie vorbehaltlos hier für einen solch massiven Eingriff in das Stadtbild votiert wird. Ich bin sicher nicht gegen alles und schon gar nicht gegen alles Neue und ich möchte auch nicht pauschal in so eine Ecke gedrängt werden nur weil ich eine Straßenbahn in Hamburg für eine rückschrittliche Idee halte. Ich bin im Übrigen auch kein Autolobbyist sondern benutze die ‚Öffis‘ um zur Arbeit zu fahren. Ein Teil meines Arbeitsweges lege ich mit der Linie 7 zurück und ich finde nicht, dass an dieser Stelle erheblicher Handlungsbedarf besteht (in Bramfeld mag das anders aussehen, aber dort ist ja auch nur eine Endhaltestelle geplant). D.h. ich sitze täglich in den angeblich ja so überfüllten und ’ständig im Stau‘ stehenden Bussen. Nur mal ein Beispiel: Neulich gab es einen Unfall auf der Fuhlsbüttlerstrasse und die Busse sind nach kurzer Absprache mit der Zentrale einfach über den Rübenkamp ausgewichen. Das möchte ich mal bei einer Straßenbahn sehen! Sicher gibt es immer Verbesserungsmöglichkeiten in der Taktung des Busverkehrs, aber deshalb zig Millionen (die wir nicht haben) in den Umbau weiter Straßenzüge zu investieren um im Ergebnis eine unpraktischere und hässlichere Lösung zu haben, leuchtet mir einfach nicht ein.
    Die Lebensqualität der Bürger für die hier so stark gewettert wird, misst sich ja wohl nicht nur an der Zeit die ich für meine Fahrt zur Arbeit benötige, sondern auch an dem Umfeld in dem ich mich in der sonstigen Zeit bewege. Es ist ein Bisschen so, als würde plötzlich man alle Leitungen wieder oberirdisch verlegen lassen, weil das ja auch viel kostengünstiger ist. Ja stimmt, ist billiger. Sieht aber auch echt schlimm aus…

  17. Posted by Rycon on 09.05.2010 at 16.32

    Hallo Al,

    vorbehaltlos ganz bestimmt nicht, aber „wir“ haben uns mit dem Thema bereits ausführlich auseinandergesetzt. Zu Deinen Anmerkungen:

    Die von dir Genutzte 7 hat mit der Stadtbahnstrecke nichts am Hut, sie wird auch nicht durch diese ersetzt.
    An Autounfällen wird man in der Stadtbahn vorbeifahren, da diese (zu gut 90%) auf eigenem Fahrweg verkehrt, von Verkehrsunfällen also nicht berührt wird. Deshalb ist diese nicht nur schneller, sondern auch pünktlicher als der Bus.

    Was die Hässlichkeit angeht, liegt das sicher im Auge des Betrachters. Es gibt Leute, die fangen beim Anblick eines roten Ferraris zu sabbern an, andere eben nicht. ;-)
    Die, optisch wirklich nicht hübsche, Oberleitung ist für die Stromzuführung notwendig, denn die Stadtbahn pustet – anders als ein Dieselbus – örtlich keine Abgase in die Luft. Irgendwas ist halt immer. Zudem soll nach dem Bau der Stadtbahn das Stadtbild nicht hässlicher werden, sondern schöner & lebenswerter (siehe auch „Die Kosten und die Stadtbahn“).

    Der Fahrweg selbst wird, wo immer möglich, übrigens eine Rasenfläche sein (Rasengleis). Ich weiß ja nicht wie Du es siehst, aber eine Rasenfläche finde ich deutlich schöner als eine asphaltierte Straße.

    Viele Grüße!
    — OR

  18. Posted by Bovist66 on 09.05.2010 at 20.52

    Man muss sich auch darauf einstellen, dass Benzin und Diesel in den nächsten Jahren wesentlich teurer werden. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wird es auch bei vielen anderen Rohstoffen erhebliche Preissteigerungen geben.
    Daher ist es dringend geboten, Buslinien mit hoher Nachfrage auf Straßenbahn umzustellen – nicht nur in Hamburg. Eine Tram fährt eben elektrisch, hat eine günstige Energie-Effizienz und eine hohe Lebensdauer.
    Andere Länder wie z.B. Frankreich haben das längst begriffen und bauen in rasantem Tempo neue Straßenbahnlinien!
    Wie groß wird das Geschrei erst sein, sollte es dazu kommen, dass Buslinien wegen Kraftstoffmangels nicht mehr bedient werden können?

  19. Posted by Al on 15.05.2010 at 15.08

    Hallo Rycon,
    >> aber „wir“ haben uns mit dem Thema bereits ausführlich auseinandergesetzt
    naja, also so ausführlich kann es ja noch nicht gewesen sein, denn die Linie 1 der geplanten Straßenbahn überschneidet sich sehr wohl mit 9 Haltestellen der Metrobus Linie 7 (Borchertring, Gründgensstraße (Ost), Erich-Ziegel-Ring, César-Klein-Ring, Alfred-Mahlau-Weg, Fritz-Flinte-Ring, Gründgensstraße (West), Eichenlohweg und Hebebrandstraße).
    Die Behauptung ‚Hat damit nichts am Hut‘ entspricht also schon mal nicht den Tatsachen.
    >> von Verkehrsunfällen also nicht berührt wird
    Von Unfällen auf Straßenkreuzungen ist die Straßenbahn ebenso betroffen wie jeder andere Verkehrsteilnehmer, selbst wenn sie zum grossen Teil alleine in der Straßenmitte fährt. Darüber hinaus hat sie aber gegenüber dem Bus den Nachteil, dass sie eben nicht auf andere Strecken ausweichen kann.
    >> die Stadtbahn pustet – anders als ein Dieselbus – örtlich keine Abgase in die Luft
    Richtig, die Betonung liegt dabei allerdings auf ‚örtlich‘, denn der Strom kommt ja bekanntlich nicht aus der Steckdose. Im Übrigen ist es ja nicht so, dass wir nur Dieselbusse in Hamburg hätten. Wenn man sich also unbedingt ohne örtliche Abgase fortbewegen möchte, tut es ja auch ein Wasserstoffbus.
    >> Ich weiß ja nicht wie Du es siehst, aber eine Rasenfläche finde ich deutlich schöner als eine asphaltierte Straße.
    Da sind wir uns auf jeden Fall einmal einig, das Problem ist nur, die betroffene Strecke (Straßenmitte Gründgenstraße, Hebebrandtstraße, Überseering, Jahnring) enthält zu einem großen Teil bereits Grünfläche mit Baumbestand, also genau da wo die Straßenbahn entlang fahren soll.
    Mir ist eine Rasen- und Gebüschfläche mit Bäumen jedenfalls allemal lieber als eine schienendurchzogene Rasenfläche mit Oberlandleitungen und Strommasten.

  20. Posted by Bovist66 on 15.05.2010 at 19.36

    Wasserstoffbusse sind keine Alternative zur Straßenbahn. Wasserstoff muss erst aufwändig hergestellt werden und ist als Speichermedium wegen seiner geringen Energiedichte nur mäßig geeignet. Überdies besteht der Verdacht, dass Wasserstoffgas Klimaschädigungen hervorrufen kann.
    Es ist kein Zufall, dass sich die Wasserstoff-Technologie bei Bussen nicht durchsetzen konnte.
    Am effizientesten wird elektrische Energie nach wie vor genutzt, wenn sie per Leitung dem Motor zugeführt wird – also nach dem Prinzip Straßenbahn.

    Mögliche Verkehrsunfälle sind für mich auch kein Argument gegen die Straßenbahn. Sofern auf Kreuzungen Unfälle geschehen, müssen die Unfallfahrzeuge ohnehin sofort beiseite geräumt werden – egal, ob dort eine Straßenbahn verkehrt oder nicht.

    Dass ein Straßenbahnbetrieb auch bei hohem Verkehrsaufkommen in einer großen Stadt auf engem Raum gut funktionieren kann, konnte ich vor einigen Wochen in Amsterdam feststellen. Die vielen Radfahrer wissen, wie sie mit Straßenbahnen umzugehen haben. Soweit eine Straßenbahnlinie wegen Bauarbeiten gesperrt ist, wird die Linie eben auf eine andere umgeleitet. Die Menschen scheinen damit ganz „relaxt“ umzugehen.
    Es ist für mich kein Grund ersichtlich, weshalb das nicht auch in Hamburg gehen sollte.

  21. Posted by Herbert on 15.05.2010 at 23.34

    A1:

    Die Stadtbahn hat vielleicht Haltestellen gemeinsam, führt aber in eine ganz andere Richtung. Der M7 wird sie da höchstens Binnenverkehr wegnehmen.
    Von Unfällen auf Kreuzungen ist die Straßenbahn auch betroffen, ja. Allerdings: wie oft passiert das? Und wie lang ist eine Kreuzung dann blockiert?
    Und wenn schon ein kompletter Kreuzungsbereich längere Zeit lahmgelegt ist, gibt es in der Umgebung meistens auch nur eins: Stau! Der Bus kommt also durch, aber mit ordentlich Verspätung und er kann durch die Umleitung Haltestellen nicht bedienen. In so einer Lage besteht auch bei der Stadtbahn die Möglichkeit, einen Ersatzverkehr mit Bussen einzurichten.

    Einmal davon abgesehen wirst Du mit dem XXL-Bus an vielen Straßenzügen ebenso scheitern. Knapp 25 m passen nicht durch jede Kurve. „Flexibel“ ist relativ.

    „Wenn man sich also unbedingt ohne örtliche Abgase fortbewegen möchte, tut es ja auch ein Wasserstoffbus.“

    Schau dir mal die Kosten an. 1 kleiner Gelenkbus mit Wasserstoff ist nahe an den Kosten eines Stadtbahnzuges, der aber knapp doppelt soviel Kapazität hat und mindestens eine doppelt so lange Lebensdauer. Die Technik ist m.E. tot, nach der langen Entwicklungszeit sollte man sonst weiter sein.

  22. Posted by Rycon on 16.05.2010 at 03.31

    Hallo Al,

    Deine Argumente/Kritik/Anmerkungen würden den Rahmen für den Kommentarbereich sprengen (und das hier ist ja auch kein Forum). Zudem wäre es schade das mit ein paar Sätzen „abzuhandeln“, schließlich ist das ja keine Lappalie. Ich werde daher deine Argumente aufgreifen und in Blogbeiträgen behandeln und beleuchten.

    Nur eines möchte ich an dieser Stelle behandeln:

    die Linie 1 der geplanten Straßenbahn überschneidet sich sehr wohl mit 9 Haltestellen der Metrobus Linie 7

    Natürlich, weil die 7 eine direkte Verbindung nach Barmbek für Steilshooper bietet – und da fährt die Stadtbahn nicht hin, diese bedient einen anderen Verkehrskorridor.

    Verkehrsfachmenschen sprechen hier von Quelle und Ziel. Die von dir angesprochenen neun Haltestellen bilden die Verkehrsquelle, bei dem das gemeinsame Ziel Barmbek ist (in der Gegenrichtung umgekehrt). Derartige „Parallelverkehre“ sind nicht ungewöhnlich und auch gewollt. Man sammelt quasi alle ein, die zu einem bestimmten Ziel wollen und erspart ihnen so das Umsteigen (→ Direktverbindungen).

    Das sich zwei Linien überlappen ist auch nicht ungewöhnlich; im Busverkehr ergeben sich aus 2x 10-Min. Takt ein 5-Min. Takt. Auch bei der S-Bahn findet eine Überlappung statt (S11/S21/S31 respektive S1/S2/S3).

    Viele Grüße!
    — OR

  23. Posted by Al on 22.05.2010 at 16.57

    Habe mich wohl missverständlich ausgedrückt, denn ich bin kein Fan von Wasserstoff als Antrieb. Hier findet die Energieerzeugung weit weg von dem eigentlichen Verbrauch statt und das ist natürlich ineffizient und damit kontraproduktiv. Ich halte das nur eben für genau die gleiche Augenwischerei wie bei der Straßenbahn. Wenn ich keine Abgase sehe, dann gibt’s auch keine. Dies war ja zumindest ein Argument von Rycon warum eine Straßenbahn besser sei als ein Bus und das fand ich so jedenfalls nicht nachvollziehbar, daher meine Bemerkung dazu.
    Wir sind uns über die technischen Vor- und Nachteile vollkommen einig. Was ich aber trotz eurer Ausführungen nach wie vor nicht verstehe, ist warum wir eine Straßenbahn an den geplanten Streckenabschnitten so zwingend brauchen, dass wir dafür mehrere Millionen ausgeben, Anwohner enteignen und Bäume fällen müssen. „Irgendwas ist ja immer“ ist jedenfalls keine angemessene Bemerkung dazu.
    Die Quelle/Ziel Bezeichnung der sogenannten ‚Verkehrsfachmenschen‘ (was immer das sein soll) leuchtet mir schon ein, ändert nun aber nichts an dem Anschein, dass zumindest die geplante erste Teilstrecke gar nicht wirklich notwendig ist, sie liefert eben nur eine zusätzliche Verbindung bei der man einmal umsteigen spart.
    Hier würden mich viel mehr Zahlen interessieren, die eine absolute Notwendigkeit eines solch massiven Umbaus an diesem Abschnitt wirklich mal belegen. An allen Links die ich bisher gefunden habe, gab es leider immer nur Zahlen über die erhöhte Fahrgastmenge die theoretisch aufgenommen werden könnte, aber nicht wie viele Fahrgäste man tatsächlich zur Zeit an genau diesen Stellen hat und über die nächsten Jahre erwartet. Hat jemand da Hintergrundinfos oder einen passenden Link zur Hand?

  24. Posted by Herbert on 25.05.2010 at 00.46

    „Hier findet die Energieerzeugung weit weg von dem eigentlichen Verbrauch statt “

    „Erzeugt“ wird Energie nicht, sondern höchstens irgendwie umgewandelt. Enegrie aus Materie „herzaubern“ können bis dato nur Atomkraftwerke (-bomben) sowie die Sonne. Soweit das Klugscheißen, sorry. Was meinst du denn eher?

    „Dies war ja zumindest ein Argument von Rycon warum eine Straßenbahn besser sei als ein Bus und das fand ich so jedenfalls nicht nachvollziehbar, daher meine Bemerkung dazu.“

    Interessant ist der Wirkungsgrad und da liegt die Straßenbahn m.W. deutlich besser. Da fällt einfach der Zwischenschritt „Wasserstoff“ weg. Die Bahn fährt direkt mit Strom und beim Bremsen erzeugt sie auch wieder Strom, der dank Oberleitung anderswo genutzt werden kann, ohne dass man eine Armada von Ingenieuren bräuchte, die superteure Batterien dafür entwickeln müssen.

    „warum wir eine Straßenbahn an den geplanten Streckenabschnitten so zwingend brauchen“

    Dass wir eine Straßenbahn brauchen, zeigt der Metrobus 5. Dass wir sie da „unbedingt“ brauchen, wo jetzt der erste Abschnitt hinsoll, muss noch errechnet werden. Aber wenn der Betriebshof in Ohlsdorf gebaut werden soll, muss dort auch eine Strecke längsführen und zwar die erste, denn ohne Betriebshof geht es nicht. Absehbar denke ich aber schon, dass eine schnelle Tangente im Hamburger Netz fehlt, denn ansonsten würden weiterhin große Teile des Verkehres zwischen den Stadtteilen über die Innenstadt laufen müssen. Die Strecke Eppendorf-Bramfeld ist wiederum Teil der Tangente Altona-Eppendorf-Bramfeld-Rahlstedt.

  25. Posted by Bovist66 on 25.05.2010 at 21.45

    Die in Hamburg jetzt geplante Stadtbahnlinie müsste einer standardisierten Bewertung unterzogen worden sein. Fördermittel vom Bund gibt es erst bei einem Wert oberhalb von 1,0. Das bedeutet, dass ein Projekt volkswirtschaftlich sinnvoll ist, d.h., dass jeder investierte Euro einen Nutzen > 1 hat.

    Ich muss zugeben, jetzt den Wert für die Stadtbahn Hamburg nicht parat zu haben. In Erinnerung ist mir lediglich eine prognostizierte Nachfrage von 60 000 Fahrgästen auf der ersten Strecke.

    Ein solcher Wert legt definitiv den Bau eines Schienenverkehrsmittels nahe. In manchen Städten gilt eine Stadtbahn schon ab einer Nachfrage von 5000 täglichen Fahrgästen als wirtschaftlich.

    Würde es ernsthafte Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der Stadtbahn Hamburg geben, hätte man das Projekt nicht weiter verfolgt.

    Näheres vielleicht einmal bei der Hochbahn erfragen?

  26. Posted by EVE on 10.06.2010 at 12.50

    Ich bin Anwoherin der geplanten neuen Strecke und ich bin sehr froh das es endlich wieder eine Stadtbahn geben soll. Schon zur damaligen Zeit habe ich an einer Straßenbahnstrecke (Grindelallee) gewohnt .Nun wohne ich am Jahnring . Obwohl am Tage genug Busse hier fahren ist am Wochenende und abends nichts zu erreichen wenn man auf die Öffentlichen angewiesen ist. Wenn man nicht gerade Gehbehindert ist kann man die nächsten U-Bahnhöfe anlaufen, aber als Gehbehinderte Person ist es fast unmöglich nach Mitternacht nach Hause zu kommen. Hier wurde die Planung der Busse nur auf die City Nord gerichtet. Nicht aber auf die Anwohner die in dem Bereich wohnen.
    Wenn die Stadtbahn nun kommt, habe ich die Hoffnung, das diese Strecke, wie die U + S Bahn auch abend/Nacht etwas länger fährt , zumindest am Wochenende, damit ich endlich wieder sicher von der Arbeit nach hause kommen kann und nicht mehr auf Taxi und ähnliches angewisen bin. Der Nachtbus fährt nur bis Winterhude Markt….. die meißten Taxifahrer wollen die kurze Strecke nicht fahren (2 Bushaltestelen) und Nachts steht ausserdem kaum eine Taxe am Markt so das es immer schwer ist nach Hause zu kommen. Da die Verkehrsbetriebe keine Rücksicht auf die hier wohnenden Personen nimmt, bin ich für die Stadtbahn, die zudem auch noch leiser sein wird, als die vielen Busse die hier jeden Tag direkt unter meinem Balkon an der Ampel laut bremsen und anfahren.
    Und was die Kosten betrifft, ich denke mal wenn die Elbphilharmonie bei den Kosten geblieben wäre, die man veranschlagt hat, wäre die Stadtbahn kein Thema mehr gewesen. Warum holt man sich nciht das Geld von denen die die Mehrkosten verschuldet haben ? Wozu ist ein Kostenvoranschlag binden ?
    Ich freue mich auf die Stadtbahn und hoffe, das es endlich los geht. Dafür bin ichauch bereit während der Bauzeit mit Einschräkungen zu leben.

  27. Posted by Herbert on 10.06.2010 at 14.46

    EVE:

    Es würde sich zumindest sehr anbieten, die Stadtbahnstrecken wie U-/S-Bahn durchgängig zu betreiben. In Berlin fahren die MetroTram-Linien (die exakt die Funktion übernehmen, die für die Hamburger Stadtbahn vorgesehen ist: Hauptachsen bedienen, die keine Schnellbahn haben) sogar jede Nacht durchgehend, mindestens alle 30 Minuten. In den Wochenendnächten fahren die MetroTrams wie U- und S-Bahn jede Viertelstunde.
    Siehe: http://www.bvg.de/index.php/de/3718/name/MetroTram.html

    Auf den geplanten Hamburger Strecken wird das Verkehrsaufkommen wohl ähnlich ausgehen, der Nachtverkehr einer Straßenbahn ist deutlich billiger als der von U- und S-Bahn, von daher spräche einiges für einen solchen Betrieb.

  28. Posted by Peter Holm on 14.12.2010 at 22.32

    Ich finde die Stadtbahn total überflüssig.
    Lieber sollte man unter die Erde gehen,auch
    wenn es teurer wird. Kommende Generationen
    werden es uns danken.

  29. Posted by Bovist66 on 14.12.2010 at 23.09

    Unter die Erde zu gehen, ist illusorisch, weil die Investitionskosten einer Untergrundbahn sieben – bis zehnmal so hoch wären wie bei einer oberirdischen Stadtbahn. Ebenso sehr sind die Betriebskosten einer Stadtbahn niedriger als bei einem u-bahn-
    ähnlichen System.

    Man kann wählen: Entweder die Stadtbahn oder keine U-Bahn.

    P.S.: Der erste Abschnitt der Stadtbahn wurde übrigens vom Bundesministerium für Verkehr als volkswirtschaftlich sinnvoll bewertet.

  30. Posted by manuel on 04.08.2011 at 01.09

    Karlsruhe
    hat es von Anfang an richtig gemacht. Da hat man noch nie eine Straßenbahnlinie stillgelegt, sondern seit den 50er Jahren bis heute die Straßenbahn ausgebaut.

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