Rückzug der DB Regio – metronom erhält das Hanse-Netz

Als Anfang des Jahres durchsickerte, das der metronom die Ausschreibung des Hanse-Netzes (Schienennahverkehr zwischen Bremen, Hamburg und Uelzen) gewonnen habe, war die Deutsche Bahn darüber gar nicht glücklich, fochte die Vergabe an und zog vor Gericht. Man habe doch, so die eigene Aussage, das deutlich preiswertere Angebot gemacht, folglich habe man auch ein Anrecht auf die Strecken. Diesem Automatismus – der Billigste gewinnt – schloss sich auch der Steuerzahlerbund an, der sich bisher nicht als Expertenverband für Nahverkehrsfragen hervortat.

Falsch, so die Quintessenz aus der mündlichen Vorverhandlung. Der Aufgabenträger (sprich: der Auftraggeber) hat bei der Vergabe sehr wohl Spielraum, der zurecht genutzt wurde. Die zuständige Richterin gab zu verstehen, dass man der Argumentation seitens der Deutschen Bahn in einer Hauptverhandlung nicht folgen würde, berichtet Radio Bremen. Am 04.03.2010 gab dann die DB bekannt, den Nachprüfungsantrag zurückzunehmen. Damit ist der Zuschlag des Hanse-Netzes für den metronom rechtskräftig und die Deutsche Bahn steht ziemlich düpiert da. Allerdings bekam auch die LNVG ihr Fett weg: Deren Behauptung, das Angebot der DB Regio hätte formale Fehler gehabt, folgte das Gericht nicht.

Dumpingangebot der DB?

Dem Aufgabenträger LNVG (Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH) schien das Angebot der DB wohl nicht nur zu günstig, sondern zu billig – bei eigenen Berechnungen kam man auf deutlich höhere Kosten. Der Verdacht liegt nahe, dass die DB hier ein Dumpingangebot abgegeben hatte, dessen Verluste durch Erträge aus anderen Netzen kompensiert werden könnte; eine typische Quersubventionierung. Dies kann nur ein Unternehmen bewerkstelligen, das über genügend Masse verfügt, was bei der Deutschen Bahn zweifellos der Fall ist. Mutmaßliches Ziel: Den unliebsamen Konkurrenten metronom die Geschäftsgrundlage entziehen. Wäre der Konkurrent weg vom Fenster, könnte man im Zweifel immer noch Nachforderungen stellen, womit der Wettbewerb pervertiert wäre. Das ist eine Interpretation der Geschehnisse.

Eine andere ist, dass die LNVG ihre Ausschreibungen praktisch für den metronom schreibt, dieser Anbieter also von vorneherein gewünscht und damit letztendlich bevorzugt wird. Warum auch nicht, wenn die Bilanz äußerst positiv ausfällt?

Erfolgsstory metronom

Gesellschafter des metronom. Grafik: Rycon.

Die metronom Eisenbahngesellschaft mbH ist eine Erfolgsstory auf Schienen. Als man 2003 das Hanse-Netz von der DB übernahm, unkten nicht wenige, das „der Neue“ wahrscheinlich nicht einmal den Betrieb richtig bewerkstelligen könne. Das Gegenteil trat ein, schon im ersten Betriebsjahr zählte man satte 30 % mehr Fahrgäste als zu DB-Zeiten. 2006 waren es schon sensationelle 50 %, während die Pünktlichkeit spürbar stieg. Der metronom konnte den Betrieb nicht nur günstiger bewerkstelligen, er generierte auch mehr Fahrgeldeinnahmen, was dem Etat doppelt entgegen kommt.
Die günstigeren Betriebskosten werden dabei nicht mit Dumpinglöhnen erkauft. Die selbstbewusste Gewerkschaft der Lokführer, GDL, führt im Tarifkonflikt mit der ODEG die Löhne der metronom-Lokführer sogar als gute Grundlage an.

Bei den Fahrgästen ist der metronom um Welten beliebter als der Vorgänger DB. Immer wieder gelobt werden – neben sauberen Zügen – Freundlichkeit des Personals und die gute Fahrgastinformation. Dinge, die beim DB-Personal schmerzlich vermisst werden. Das Image der Deutschen Bahn ist, ob zu Recht oder zu Unrecht sei dahingestellt, hundsmiserabel. Nicht unwahrscheinlich, dass einige Fahrgäste wieder ins Auto steigen, wenn statt dem metronom-Logo plötzlich der rote „DB-Keks“ an den Waggons prangt. Das wiederum würde zu sinkenden Fahrgeldeinnahmen führen; ein Umstand, den der Steuerzahlerbund hätte berücksichtigen müssen.

Fahrzeugpool der LNVG

Die eingesetzten Fahrzeuge (Lokomotiven, Doppelstock- bzw. Steuerwagen) gehören nicht dem metronom, sondern dem Aufgabenträger LNVG. Die Züge werden an das jeweilige Eisenbahnunternehmen – hier also dem metronom – vermietet. Bei Ausschreibungen können sich daher auch kleinere Unternehmen beteiligen, die nicht das Kapital haben, die (sehr teuren) Fahrzeuge zu beschaffen. Für das Hanse-Netz stockt die LNVG ihren Fahrzeugpool auf: 20 Elektrolokomotiven und 126 Doppelstockwagen werden künftig unterwegs sein.

Es würde auch das Gerechtigkeitsgefühl empfindlich stören einem Unternehmen, das augenscheinlich alles richtig macht, die Existenz zu entziehen, weil der Auftraggeber gezwungen wäre stupide auf die Kosten zu achten, ohne die Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Vor allem dann, wenn der Konkurrent im begründeten Verdacht steht, unfaire Mittel einzusetzen.

Gleichzeitig zeigt sich, dass Ausschreibungen ein Segen aus Fahrgastsicht sind: Denn der metronom kann es sich nicht leisten, selbstgefällig und überheblich zu werden, wie es die Bundesbahn war und die Deutsche Bahn in Teilen noch immer ist. Den erkämpften, guten Ruf und den selbst gesetzten hohen Standard muss der metronom auch in Zukunft mindestens halten. In acht Jahren wird das Hanse-Netz erneut ausgeschrieben – um dann wieder als Sieger hervorzugehen, darf man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen.

Mehr zum Thema auf Rycon:

— OR; Bild/Titel: metronom-Presse

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