Hybrid-Dieselbus: Fotos vom Innenraum

Fahrzeugvorstellung, Teil 2 | Früher waren Busse das Stiefkind in der Nutzfahrzeugbranche. Man bediente sich, was die Technik angeht, fröhlich aus dem LKW-Regal und schusterte etwas zusammen. Jahrzehntelang gab es auch nur ein „Standard“-Modell, was aus Sicht der Verkehrsbetriebe natürlich den enormen Vorteil hatte, dass praktisch jedes Ersatzteil in jede Karre passte – und die Hersteller konnten günstigerweise in großen Stückzahlen produzieren.

Heute ist das völlig anders. Der ordinäre Omnibus hat sich zu einer hochtechnischen, innovativen Fahrzeugsparte gemausert – und einer dieser Quantensprünge bildet der neue Diesel-Hybridbus. Da solche Entwicklungsschritte nicht alle Tage stattfinden, soll an dieser Stelle noch ein wenig mehr darüber berichtet werden; ging es bei der letzten Fahrzeugvorstellung auf Rycon um die Karosserie, wollen wir heute verstärkt den Innenraum vorstellen, der – aus Fahrgastsicht – schließlich viel wichtiger ist. Zunächst soll der Hybride aber erst einmal Hamburger Boden unter seinen Rädern bekommen.
Alle folgenden Bilder können durch Klick vergrößert werden.

Rampen angebracht

Aus unerfindlichen Gründen zeigt die Zielbeschilderung „Rathausmarkt“ an. Rechts ist die Wasserstofftankstelle zu sehen, welche die Brennstoffzellenbusse mit Sprit versorgt. Der Stoff wird übrigens auch dort produziert, was in etwa so ist, als würde neben einer herkömmlichen Tankstelle ein Bohrturm nebst Raffinerie stehen. Dieses Jahr beschafft die HOCHBAHN neue Brennstoffzellenbusse, die auch auf die Hybridtechnik setzen – das spart auch dort jede Menge Treibstoff.

Beim abladen; Fahrerseite

Hier sind nochmals die Dachaufbauten gut zu erkennen; die geschwungene Form der Lüftungsschlitze (hinten) sieht nicht übel aus. Auch ein sehr schönes Unterscheidungsmerkmal zu herkömmlichen Bussen sind die metallischglänzenden Felgen.

Beim abladen

Vorsichtig wird der Bus zurückgesetzt, wie es so schön heißt. Damit ist der Hamburger Nahverkehr nun um eine neue Technologie reicher.

Innenraum

Vorderwagen; linke Sitzreihe

Hier ist der Vordere, von insgesamt drei, TFT-Bildschirm gut zu erkennen. 3 ½ „Schwerbeschädigten“-Sitzplätze sind, wie üblich, auf der linken Fahrzeugseite untergebracht, die früher mit einem Plussymbol gekennzeichnet waren. Heute verwendet man runde, blaue Aufkleber; für jeden Sitzplatz einen. Ältere Herrschaften sind aber der irrigen Meinung, die allererste Sitzreihe gehöre ihnen; das war vor anno dazumal tatsächlich so. Jetzt müssen sie aber kein Podest mehr erklimmen, sondern können sich viel bequemer hinpflanzen. Im Alltag wird das aber konsequent ignoriert. Sollte sich ein Mitfahrgast unter 70 auf den vordersten Plätzen verirren, wird dieser weggescheucht oder mit den Augen getötet. Fahrgäste können sehr gemein sein.

Vorderwagen;rechte Sitzreihe

Hier sieht man sogenannte 1 1/2-Sitze, welche für größere Menschen konzipiert sind. Unterm Strich bietet dieser Gelenkbus 37 Sitz- und 97 Stehplätze an, sowie ein Rollifahrer kann mitgenommen werden. Was auch jede Hausfrau/-mann erfreuen würde: Die Sitze sind so angebracht, dass der Fußboden unter ihnen leicht zu reinigen ist. Ecken und kannten werden heutzutage möglichst vermieden, da der Wischmopp dort schlecht ran kommt und der Dreck sich bekanntlich gerne Nischen sucht.

Blick vom Tür II-Bereich nach hinten

Bildschirm Nummer 2 zeigt gegen die Fahrtrichtung. Unter den wuchtigen Sitzen sind die Radkästen. Die Elektromotoren sind direkt an den Radnaben angebracht.

Blick vom Nachläufer nach vorne

Der Innenraum wirkt hell und aufgeräumt.

Nach dem Gelenk

Direkt hinter dem Gelenk befindet sich Bildschirm drei. Solche Gimmicks sind ungeheuer beliebt und werten ein Nutzfahrzeug auf, sind allerdings auch teuer.

Nachläufer; direkt nach dem Gelenk, Fahrerseite

Neben dem Mehrzweckbereich im Vorderwagen befindet sich ein Zweiter gegenüber der letzten Tür (Tür III). Dort befinden sich zwei „Notsitze“, die aber auch schlicht als Klappsitze bezeichnet werden.

Nachläufer; Fahrerseite

Der Sitzbezug hat ein vom HOCHBAHN-Standard abweichendes Design erhalten; ebenso wie der Fußboden. Die Haltestangen sind aus Edelstahl, abblätternde Farbe gehört so der Vergangenheit an, obendrein sind sie leichter zu reinigen.

Nachläufer; hintere, linke Ecke

Die Sitzplätze sehen sogar recht bequem aus, nur die seitlich angebrachte 3er-Sitzgruppe mag nicht so recht begeistern.

Nachläufer; hintere, rechte Ecke

Hier finden Aggregate Platz, Wartungsklappen ermöglichen einen hoffentlich einfachen Zugang. Die Konstruktion ist allerdings etwas unglücklich, das sie schlecht einsehbar ist und dort imaginär „bitte beschmier mich!“ draufsteht. Aber es gibt ja immer was zu meckern.

Über den Türen; LED-Leuchte

Auch kleine, nette Details sind erwähnenswert: Direkt über den Türen sind jeweils zwei derartige LED-Leuchten installiert, die sich beim Öffnen der Tür einschalten. Sie sehen nicht nur schnuckelig aus, sondern sparen tüchtig Strom und halten eine Ewigkeit. So profan einem das Vorkommen mag, so wichtig sind solche Kleinigkeiten. In einem Bus sind unzählige Lämpchen innen und außen angebracht, die sehr gerne kaputt gehen. Während das Ersatzteil nicht die Welt kostet (wobei ja auch Kleinvieh Mist macht), geht viel Zeit drauf, die Lampen auseinander zu fummeln und die Leuchtmittel zu ersetzen. Hier langlebige Bauteile zu verwenden, sorgt daher für weniger Wartungsaufwand.

Fahrerarbeitsplatz; Decke

Wandern wir nun in den vorderen Teil des Busses. Damit dem Fahrer ein Licht aufgeht, sind diese beiden schicken LED-Leuchten angebracht.

Arbeitsplatz

Der Busfahrer findet auch hier seine gewohnte Arbeitsumgebung vor. Wie hier zu sehen, kann der Fahrer Tür III (also die letzte Tür) nicht selbst schließen; statt Taster ist für Tür III nur ein roter Leuchtmelder vorhanden. Das führt bei Fahrgästen immer wieder zur Verwirrung: Der letzte Einstieg geht nur dann zu, wenn der Türbereich frei ist. Steht dort jemand, kann die Tür nicht geschlossen werden. Diese Automatik ist gesetzlich vorgeschrieben, da der Busfahrer dort durch die Spiegel nichts sieht. Bei einigen Verkehrsunternehmen werden Kameras eingesetzt, worüber der Fahrer den Türbereich einsehen und das Türenschließen erzwingen kann. Das ist aber ein sehr teurer Spaß, zudem ist es inkonsequent.

Fahrersitz

Auch der Fahrersitz ist im schicken Rot gehalten. Solche Sitze verfügen übrigens über wahnsinnig viele Einstellungsmöglichkeiten, was man an den ganzen Schaltern unten erkennt. Captain Kirk würde vor Neid erblassen.

Damit ist unser kleiner Rundgang im neuen Mercedes-Benz Citaro G BlueTec Hybrid-Bus abgeschlossen.

Zu diesem Artikel gibt es einen Hinweis in eigener Sache
— OR; Fotos: Rycon

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5 responses to this post.

  1. Nix zu meckern am Artikel, außer über die Verwendung von „Quantensprünge“, welche ja in Wirklichkeit außerordentlich winzig sind bzw. schwer nachzuweisen :)

    Was mir spontan überhaupt nicht im Bus gefällt sind die Edelstahlbügel an den Sitzen. Diese sind in mehrfacher Hinsicht gefährliche Fallen für Leib und Sachen. Speziell für Kinder sehe ich da viele gefährliche Situationen: Handschuhe baumeln aus Ärmeln, Schulranzen verfangen sich, Jackenkordel mit kindersicheren Enden bleiben hängen, Finger werden eingeklemmt, selbst ein unfreiwilliges ‚Aufhängen‘ an den Klamotten erscheint durch die Bügelhöhe möglich.

    Das Einklemmen von Tüddelkram, auch von Erwachsenen, beim Aufstehen erscheint mir vorprogrammiert!

    Bitte mal diese Sicherheitsanmerkung zwecks Stellungnahme weiterleiten. (Kommentare abonniert)

  2. Nachtrag: Und da diese Edelstahlbügel im Nachläufer angebracht sind, hat der Fahrer auch keinerlei Einsicht bei entsprechender ‚Panik‘ da hinten.

  3. Posted by Rycon on 18.02.2010 at 22.05

    Hallo,

    ich kann dich beruhigen: Diese Armlehnen gibt es schon seit vielen Jahren in Hunderten von Bussen. Der Innenraum des Hybriden ist nicht anders konstruiert als in einem gewöhnlichen Citaro – nur die Farben sind letztlich anders.

    Ich persönlich würde mir sogar wünschen, wenn die Armlehnen öfters zum Einsatz kommen würden, rutscht man in den Kurven doch dann nicht immer in den Gang.

    Viele Grüße!
    — OR

  4. Komisch, derartig geformte Bügel sind mir noch nie in normalen Bussen aufgefallen. In die Sitzschale eingeformte Griffe/Bügel dagegen schon. Ich werde darauf achten.

    Und beruhigt bin ich nicht gerade.

    Auf dem oberen der beiden Fotos (Nachläufer; Fahrerseite) kann man die Falle in Form des schmalen Spalts sehr gut erkennen. Ich halte das weiterhin für einen Konstruktionsfehler. Der Bügel sollte mit dem Rückenteil verschraubt sein.

  5. (Nachtrag) Also ich habe jetzt seit meinem ersten Kommentar im Februar verschärft in der Hamburger Innenstadt auf diese Bügel geachtet. Ich habe sie nirgendwo gesehen. Ich fahre zwar derzeit zu fast 100% U-Bahn, aber man kann ja auch von außen in Busse hineinlinsen.

    Ich bleibe bei meinen Sicherheitsbedenken, egal ob die Dinger in hunderten von Bussen im Einsatz sind oder nicht.

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