Nahverkehr, anderswo: Dublin, Irland

Öffentlicher Nahverkehr in Irland ist so eine Sache und ich bin sicher nicht der erste, der sich darüber lustig macht. Da diese Seite umfassend informieren will, müssen wir natürlich darauf zu sprechen kommen. Also, und ich möchte das ausdrücklich festgehalten wissen, dass es sich hier keinesfalls – wie zum Beispiel beim schottischen Nessie – um ein Gerücht handelt.

Der Autor Seamus lebt seit 2001 in der irischen Hauptstadt Dublin. Dieser Beitrag stammt – mit freundlicher Genehmigung – von seiner sehr empfehlenswerten Website www.irland-reise.org.

Auch wenn sie ungefähr so häufig anzutreffen sind wie Dinosaurier in einem schottischen Loch (See), sei hier und ein für allemal die frohe Botschaft verbreitet: Es gibt in Irland öffentliche Verkehrsmittel!

Nun, da die Wahrheit raus ist, sollten wir darüber reden. Der ÖPNV in Irland ist so schlecht, so unterirdisch grottig, dass es eigentlich Zeitverschwendung ist, sich darüber auszulassen. Er ist teuer, unzuverlässlich, sehr sporadisch und – zumindest nach meinem Dafürhalten – potenziell lebensgefährlich. Da es immer auch Unverbesserliche gibt, hier ein paar nützliche Tipps.

Dublin Bus

DB ist Inbegriff der Notwendigkeit, in Irland ein eigenes Auto zu besitzen. Zwar gibt es eine ganze Reihe von Buslinien, doch sind Busse so derart unzuverlässig, dass sie einen Phlegmaten die Wand hochtreiben. Das Konzept kann man kurz so umreißen: Von 50 verschiedenen Punkten an der Peripherie fahren Busse ins City Centre, wo sie dann im Stau stecken, Querverbindungen gibt es so gut wie keine, sprich man muss zuerst ins Zentrum, um dann von dort in den nächsten Bus zu springen zum Beispiel in Richtung Flughafen. Das Konzept hört sich nicht nur schwachsinnig an, es ist es auch und selbstverständlich funktioniert es nicht.

Seltenes Exemplar: Dublin Bus. Bild: Trainler, Wikipedia

Die einzig gute Busverbindung in Dublin, Nervenzentrum und kulturelles Zentrum der Heimat von Oscar Wilde, James Joyce, George Bernard Shaw, Elfen und Kobolden, ist der Nachtbus. Nachts ist kein Verkehr und so sind die Busse tatsächlich einigermaßen pünktlich und flott unterwegs. Zwar kostet eine einfache Fahrt dann fünf Euro statt normal 2,00 aber das ist immer noch billiger als Taxi.
Das mißfiel im Laufe der Zeit nicht nur den Taxifahrern sondern schließlich auch den verantwortlichen Verkehrsplanern – wobei ich vermute, dass die Verkehrsplanung im ÖPNV von der Lobbyistenvereinigung der Taxigewerkschaft betreut wird – und so wurde der Nachtbus unter der Woche kurzerhand abgeschafft. Die fahren – offiziell wegen Rezession usw. – nur noch Freitag und Samstag. Im Prinzip ist das auch gut so. Da gehen die Leute wenigstens früher heim.

Seit ein paar Jahren gibt es auch den sogenannten UR-Bus, der für Leute aus dem Nord- und Nordwesten Dublins eine alternative Verbindung zum Flughafen anbietet. Leider fährt er viel zu selten, sodass ich dann doch wieder aufs Taxi umgestiegen bin. Deren Webseite ist nicht so der Reißer, interessant ist dagegen eine andere Webseite und zwar von Leuten, die täglich Bus fahren. Es lohnt sich mal hineinzuschauen (http://busrage.com – für Leute, die es mit Englisch nicht so haben: rage = Zorn, Ingrimm, Rasen, Wut, …)

Wenn schon sonst nichts, hat Dublin Bus zumindest eine recht gute und durchaus professionell gestaltete Webseite. Von der aus kann man sich über das Angebot von Bus Eireann (Überlandbusse) und Iarnrod Eireann (Eisenbahngesellschaft) informieren. Da man auf der grünen Insel gerne lacht und auch immer mal zu Scherzen aufgelegt ist, kann man sich auch die Fahrpläne der Nahverkehrsbusse herunterladen. Die sind zwar völlig akademisch, doch immerhin weiß man dann ganz genau, wann bzw. wie oft der Bus kommen würde, wenn dies eine perfekte Welt wäre. Fahrpläne gibt es in der Tat nur von der Anfangshaltestelle. Steht man irgendwo an der Strecke, nutzt einem die Info also gar nix.

Kleine Bemerkung am Rande: Erspäht man eines dieser seltenen Exemplare, nicht vergessen die Hand rauszuhalten, ansonsten fährt der Bus einfach weiter. Ach ja und nicht wie beim Trampen den Daumen nach oben, das könnte der Fahrer fehlinterpretieren als: Hier ist alles im grünen Bereich. Ich stehe erst seit vierzig Minuten im Regen, fahr also ruhig weiter.

Schienenverkehr

Neben den unsäglichen Bussen gibt es in Dublin darüber hinaus noch die leider viel zu seltenen Regionalbahnen, den sogenannten DART (bzw. COMMUTER) und seit kurzem sogar eine Tram (Luas). Ganz im Gegensatz zum Bus sind die relativ pünktlich und man kann zuverlässig vorhersagen, wie lange die Reise dauern wird.

Zwei moderne Straßenbahn-Linien gibt es in Dublin - nur sind sie leider nicht verknüpft. Bild: Colin Gregory Palmer, Wikipedia

Leider gibt es zur Zeit nur zwei Straßenbahnlinien und selbstverständlich sind die beiden nicht verküpft. Wer das Glück hat, in der Nähe der Linie zu wohnen, nutzt sie mit großer Begeisterung, alle anderen haben Pech gehabt. Zwar hätte man auf die Idee kommen können, mit dem Auto zur Luas zu fahren und dann per Bahn in die Stadt, allerdings wurde dem durch die Verkehrsplaner ein Riegel vorgeschoben. Der Parkplatz an der Tramhaltestelle ist kostenpflichtig und die fällige Gebühr heftig.

Wäre ja auch noch schöner, wenn plötzlich alle Bahn fahren würden. Da wäre dann ja gar nichts mehr los auf den Straßen Richtung Innenstadt. Ich gehe einfach mal davon aus, dass man sich irgendetwas dabei gedacht hat. Schließlich müssen die Einheimischen das Verkehrschaos und die stundenlangen Staus schon viel länger ertragen als ich.

Die Regionalbahn in Dublin hört auf den Namen DART. Bild: Spsmiler, Wikipedia.

Der DART sieht zwar so aus, als fiele er jeden Moment auseinander, ist nach der Selbstauskunft aber recht zuverlässig. Ich las vor kurzem, dass 92% aller Züge pünktlich sind und 99% zuverlässig. Solche Statistiken kenne ich auch von der Deutschen Bahn, entsprechend wenig gebe ich drauf. Bei der Deutschen Bahn sind statistisch 99% der Züge pünktlich, das ändert nichts daran, dass gefühlt jeder 2. Zug Verspätung hat und ich dann doch irgendwo in der Pampa festhänge.
Leider ist er mehr auf Berufsverkehr ausgelegt, sprich am Wochenende und nach (!) dem Auftstehen, wartet man meist vergebens. Der Zug ist etwas teurer als Bus, dafür ist er flott. Einmal quer durch Dublin? Zero Problemo; dauert trotz umsteigen weniger als eine Stunde. Fährt man mit dem Bus, kann es passieren, dass man nach einer Stunde noch keine zwei Kilometer geschafft hat.

Bahn

Ich gebe offen und ehrlich zu, dass ich in Irland noch nicht Bahn gefahren bin. Das hat einen guten Grund: Ich habe die Züge gesehen. No way! Wer auf Abenteuer steht: http://www.irishrail.ie/home/

Alle größeren Städte Irlands sind per Bahnnetz verbunden, allerdings ist das Vergnügen nicht ganz umsonst. Als Deutsche sind wir solches natürlich gewöhnt und wer es eilig hat, den stören die paar Euro eh nicht. Züge sind traditionell viel bequemer und so sicher ist Bus Eireann am Ende wahrscheinlich auch nicht.

Ich kann mich persönlich an kein einziges Bahnunglück erinnern, seit ich in Irland bin und so liegt meine Weigerung, mit der Bahn zu fahren sicher eher darin begründet, dass ich keine gesteigerte Lust habe, erst mit dem Bus eine Stunde ins City Centre zu fahren, dann zehn Minuten laufen zur Connolly Station um schließlich „schnell“ in den Zug zu springen. Als Tourist wohnt man sicher eher in der Stadtmitte, da ist es also kein Problem.

Mehr zum Thema Dublin:

  • Reise nach Irland – die Website des Autors beschreibt das Land aus Sicht eines (zugezogenen) Deutschen. Mit einer ordentlichen Portion Ironie und Humor sind die unterhaltsamen Artikel gewürzt.
  • Auch Irland-Rundreise stammt vom Autor, bereitet die Infos aber kompakt für Urlauber auf. Ehrlicher (und persönlicher) als jeder Reiseführer, mit einem guten Schuss Humor.
  • Einen Überblick über Dublin gibt es (natürlich) auch in der Wikipedia.

Nachtrag: Seamus hat seinen wunderbaren Artikel inzwischen ein wenig aktualisiert, diese Änderungen wurden hier ebenfalls eingepflegt. Der Originalartikel ist auch noch einen Schnaps – oder besser: Guinness – länger.

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