Hanse-Netz: metronom soll weiter pendeln


Nach einem Bericht des „Weser Kurier“ kassierte die Deutsche Bahn mit ihrer Tochter DB Regio Nahverkehr GmbH eine gehörige Klatsche. Obwohl man das deutlich günstigere Angebot für das „Hanse-Netz“, das alle Schienen-Nahverkehrslinien zwischen Bremen, Hamburg und Uelzen enthält, abgegeben hat, erhält wohl der metronom den Zuschlag. Der neue Verkehrsvertrag würde ab Dezember 2010 für acht Jahre gelten.

Die zuständige Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) argwöhnte, das das DB-Angebot, die Leistung für nur knapp 28 Mio. Euro zu erbringen, zu niedrig sei. Die LNVG kam bei ihren Berechnungen auf etwa 43 Mio. Euro. Die DB wurde aufgefordert, ihre Kalkulation offen zu legen, was diese jedoch verweigerte. Sicher keine vertrauensfördernde Maßnahme.

Die Ausschreibung des Hanse-Netz begann Ende August 2009 und man teilte mit [PDF], deutlich mehr Züge fahren lassen zu wollen. Zwischen Bremen und Hamburg soll das Zugangebot praktisch verdoppelt werden. Hierfür bestellte die LNVG weitere Lokomotiven und Doppelstockwagen für ihren Fahrzeugpark. Die Züge werden an das jeweilige Verkehrsunternehmen weiter vermietet; Dadurch soll sichergestellt werden, das auch weniger kapitalstarke Anbieter an einer Ausschreibung teilnehmen können, der Kauf neuer teurer Züge entfällt. Das wiederum schmeckt der Deutschen Bahn überhaupt nicht, da die lieber mit ihren eigenen Fahrzeugen operieren.

Das sorgt in der Gerüchteküche für die Behauptung, die LNVG würde ihre Ausschreibungen bereits Richtung metronom platzieren. Und in der Tat ist es bemerkenswert, das – trotz Fahrzeugpool – nur der metronom ein Angebot für das lukrative Hanse-Netz abgab – und eben die Deutsche Bahn, die versucht hat, mit einem Kampfpreis die Vergabe für sich zu erzwingen.

Die Entscheidung der LNVG, die selbst hierzu allerdings noch keine Mitteilung machte, sorgt aber auch für Vertrauen: Nicht der billigste Anbieter, der womöglich mit Dumpinglöhnen arbeitet, gewinnt automatisch eine Ausschreibung. Das jeweilige Angebot muss auch plausibel sein – und das war das DB-Angebot offensichtlich nicht.
Zudem steigt bei ungewöhnlich billigen Preisen die Gefahr, das lange nach der Vergabe Nachforderungen gestellt werden. Diese bittere Erfahrung musste Schleswig-Holstein mit der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) machen; Die hatten das günstigste Angebot gemacht und den Zuschlag erhalten, nach einiger Zeit aber den Klingelbeutel aufgemacht, da man mit dem Geld nicht auskam.

Derweil dürften die Anwälte der DB darüber brüten, gegen die mutmaßliche Entscheidung der LNVG anzugehen – oder es besser sein zu lassen.
— OR; Bild/Titel: metronom-Presse

4 responses to this post.

  1. […] Hanse-Netz: metronom soll weiter pendeln […]

  2. Posted by Björn Ch. on 01.02.2010 at 12.00

    Es ist eine ungerechte Sache im Ausschreibeverfahren. Nur weil die DB dem Bund gehört und eine privatrechtliche Staatsbahn ist,ist sie nicht gleich schlecht. Im Gegenteil die DB hat mit ihrer langen Tradition Erfahrung im Schienenverkehr, ist der Betreiber des gesamten Schienennetzes Deutschlands und würde mir mehr zusagen als der Metronom ! Bei der DB ist das Personal auch glücklicher und freundlicher. Beim Metronom sehen die immer alle so kaputt und ausgenutzt aus. DEUTSCHE BAHN hoffentlich gewinnst du den Prozess und verdrängst die möchtegern Eisenbahn !!!

  3. […] Hanse-Netz: metronom soll weiter pendeln […]

  4. Posted by Hasenmann on 16.03.2010 at 11.16

    In der Vergangenheit hat DB Regio im Wettbewerb schlecht abgeschnitten – unakzeptable Preise waren die Hauptbegründung dafür. Viele RB-Linien (besonders in NRW und NDS) sind in die Hände von Veolia oder Keolis (und deren Töchter) gekommen – sie waren schlicht günstiger als die DB. Um Bestandteil des Marktes zu bleiben, wurde und wird die DB AG gezwungen, Preise radikal zu senken. In einer solchen Situation passiert das – quasi immer – auf Kosten der Mitarbeiter. Nun stellt sich nach Durchführung dieser Maßnahme heraus, dass DB Regio erst keine Ausschreibung gewinnt, weil zu teuer und nun keine Ausschreibung gewinnt, weil – man glaubt es kaum – zu günstig. Alle wissen’s, keiner sagt es: Die Politik in diesem Land will den Nahverkehr der DB AG systematisch kaputt machen.

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