FDP rechnet vor: Stadtbahn günstiger als U-Bahn

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Hamburg, Lothar Hänsch, macht eine bemerkenswerte Rechnung auf:

„Für eine einigermaßen tragfähige Kalkulation einer Stadtbahn sind mindestens 45 Km Strecke erforderlich. Bei wahrscheinlichen 300 Mio Euro für 15 km bedeutet das ca. 900 Mio für das Projekt nach heutigen Preisen, darin ist noch nicht einmal der erforderliche Betriebshof mit ca. 200 Mio enthalten.“

Leider bleibt Herr Hänsch für diese Zahlen einen Beleg schuldig und sie wirken auch irgendwie aus der Luft gegriffen. Nimmt man aber diese Zahlen ergibt sich aus seiner Rechnung, das für 1,1 Milliarden Euro satte 45 Kilometer Stadtbahn, unzählige Haltestellen, Stadtteil-Aufwertung nebst Betriebshof (und wohl auch die Fahrzeuge) zu haben sind. Dennoch stichelt er:

„Ein Wahnsinn, das Geld fehlt jetzt schon für den weiteren U-Bahn Ausbau.“

Die U4, vier Kilometer lang und inklusive zweier Haltestellen, kostet rund 324 Mio. Euro. Rechnet man das vereinfacht hoch, wie es Herr Hänsch offensichtlich zu tun pflegt, käme man bei 1,1 Milliarden Euro auf lächerliche 13 Kilometer U-Bahn mit vielleicht 6 Haltestellen. Ohne Betriebshof.
Würde die FDP ihre eigene Rechnung ernst nehmen, müssten sie folglich zu glühenden Verfechter der Stadtbahn werden – gäbe es doch zum gleichen Preis deutlich mehr Leistung.

Stattdessen greift die FDP, für eine bürgerliche Partei sehr erstaunlich, tief in die polemische Schmutzkiste. So wird die – u.a. durch Steilshoop fahrende – Stadtbahn als „Luxustram“ verhöhnt, wobei unklar bleibt, worin der Luxus dieses Massentransportmittel liegen soll. Über Planungen, die Haltestangen zu vergolden ist bisher jedenfalls nichts an die Öffentlichkeit gelangt.

„Anmaßend und unseriös“

Weiterhin arbeitet sich die FDP an der GAL ab, die angeblich einen „Blankoscheck“ ausstellen würden, was man „anmaßend und unseriös“ findet. Weiterhin wird dargestellt, als ob ausschließlich einige „Alt-Grüne“ eine „Tram“ fordern; Das jedoch alle in der Bürgerschaft vertretenen Parteien – zu den die FDP nicht gehört –, inklusive der heißgeliebten CDU, sich für die Stadtbahn aussprachen, scheint man noch nicht mitbekommen zu haben (Drucksache 19/4514, zu finden hier, unter TOP 24).

Besonders übel geht man mit dem Verkehrsmittel an sich um. „Straßenbahn hat keine Zukunft!“ heißt es da, oder „anachronistische Straßenbahn“; Vielleicht sollte jemand die FDP davon in Kenntnis setzen, dass Hamburg den Bau einer Stadtbahn plant, nicht den einer Straßenbahn.

„Dieses Konzept ist technisch überholt und passt im wahrsten Sinne des Wortes nicht in die Hamburger Landschaft“

Moderne, behindertengerechte Niederflur-Stadtbahnen, die heutzutage sparsam im Stomverbrauch sind und darüber hinaus ihre Bremsenergie ins Netz zurückspeisen können, als „technisch überholt“ zu bezeichnen zeigt, wie wenig Ahnung Herr Hänsch von dem Thema hat, über das er so derbe herzieht.

— OR: Logo: FDP

One response to this post.

  1. Posted by Werner Klingbiel on 20.03.2010 at 14.04

    Die FDP ist sowieso eine sonderbare Partei, insbesondere weiß sie alles, nur nicht das was in der Welt vorgeht und was ihre Wähler wirklich wollen.
    Vielleicht sollte die Hamburger FDP zudem einmal in Nürnberg nachfragen, da hat der FDP Stadtrat eine ganz andere Meinung zu Stadtbahn und Straßenbahn. Er ist sogar stolz darauf einige Straßenbahnprojekte angeschoben zu haben. Dass die FDP mit den Grünen immer darum wetteifert, wer gerade ein paar Wählerstimmen mehr hat ist bekannt, es sollte allerdings nicht die alleinige Richtlinie der Politik einer Partei sein, zumal der Schuß nach hinten losgehen könnte. Aber offenbar ist die FDP in weiten Bereichen wesentlich mehr sich selbst verpflichtet als dem Gemeinwohl und sogar den Wählern die sie versehentlich gewählt haben . Das zeigt sie ja gerade auch auf der Bundesebene mit aller Deutlichkeit.
    Besonders beachtlich finde ich, wenn derzeit allenthalben von Elektromobilität geschwafelt wird, dabei haben wir die seit weit über 100 Jahren in Form von Eisenbahn, Straßenbahn, U Bahn und O Bus. Was ist also eigentlich so neu. Und vor 50 Jahren fuhren die Bergmann Paketwagen der Post auch noch elektrisch mit Batterien.
    Und offenbar ist die FDP noch mit den Schriften eines Herrn Schächterle , Verkehrsgutachter und ADAC Ehrenvorsitzender, in einem dunklen Verließ eingesperrt und hat noch gar nicht bemerkt, dass sie die letzten 30 Jahre verschlafen hat. Denn zwischenzeitlich sind nicht mehr die Städte jenseits der Moderne, die Straßenbahnen haben, sondern die, die sie noch immer nicht wieder reaktiviert haben. Und da man nicht davon ausgehen kann, dass deren Stadtväter alle dumm und verblendet sind, muß es wohl die Gegenseite sein, und das ist nach ihren eigenen Aussagen die FDP.
    Und wenn die Straßenbahn in Hamburg angeblich ein Luxustram wird, müsste es doch der FDP gerade recht sein, dann können es sogar ihre Mitglieder nutzen.

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