Kauderwelsch (5): U-Bahn


» Untergrundbahn, auch: Unabhängige Bahn
Diese Produktbezeichnung ist besonders knifflig, denn die allermeisten U-Bahnen in Deutschland fahren nicht ausschließlich im Untergrund, sprich Tunnel. Findige Leute übersetzen U-Bahn daher gerne mit „Unabhängige Bahn“, womit einerseits die Unabhängigkeit von der „großen Eisenbahn“ und andererseits die Unabhängigkeit vom Straßenverkehr gemeint ist. Dummerweise gibt es in Deutschland aber als U-Bahn bezeichnete Züge, die zwischendurch doch mal auf der Straße fahren – und damit eigentlich eine Stadtbahn oder gar Straßenbahn sind. In einigen Gegenden nennt man das dann auch „U-Stadtbahn“.
Nun ja, rein rechtlich gesehen sind U-Bahnen immer Straßenbahnen, denn für sie gilt die „Verordnung über den Bau und Betrieb der Straßenbahnen (BOStrab)“. Die Wuppertaler Schwebebahn fährt übrigens auch nach dieser Verordnung… und unsere U-Bahn ist obendrein oftmals eine Hochbahn, so hat sie auch mal angefangen; Das Unternehmen heißt heute noch so… und spätestens ab jetzt wird es für den normal denkenden Menschen absurd.
Am besten, man übersetzt „U-Bahn“ überhaupt nicht und versteht darunter eine besonders hochwertige, großzügige innerstädtische Bahn und fertig.

Das System

U-Bahnen haben eine geringere Kapazität als S-Bahnen, können aber ebenso einen sehr dichten Takt haben, in Hamburg in Spitzenzeiten unter 5 Minuten. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80km/h – wobei diese nur selten erreicht wird – sind sie nicht so schnell wie eine S-Bahn (bei uns bis zu 100 km/h). Auch liegen die Haltestellen nicht so weit auseinander, teilweise nur ein paar 100 Meter; Daher eignen sich U-Bahnen vornehmlich für den innerstädtischen Verkehr bis zum Vorort-, weniger bis gar nicht für den Regionalverkehr.

1:1-Modell der neuen im Bau befindlichen Hamburger U-Bahn (DT5)

Alle „richtigen“ U-Bahnen sind inkompatibel zueinander. Zwar ziehen sie alle aus einer Stromschiene ihre Energie, doch immer Unterschiedlich: Mal wird die Stromschiene von unten bestrichen, mal von der Seite oder von oben. Eine Hamburger U-Bahn könnte daher nicht mal eben in Berlin oder München fahren. U-Bahnfahrzeuge sind und bleiben Sonderanfertigungen; Es gibt sie praktisch nicht „von der Stange“. Der derzeit im Bau befindliche neue U-Bahnzug (Typ DT5) wird knapp 3,6 Millionen Euro kosten – pro Stück, versteht sich.
Eine Lebensdauer der Fahrzeuge von 40 Jahren und mehr ist nicht ungewöhnlich.

Bau

Neue U-Bahnen entstehen im großen Stil in Deutschland heutzutage fast gar nicht mehr. Der Tunnelbau – neben den Fahrweg müssen ja auch die Haltestellen ausgebuddelt werden – ist schlicht zu teuer, gerade im Innenstadtbereich. Auch lassen sich die Kosten schwer prognostizieren, denn wie der Untergrund nun wirklich beschaffen ist, weiß man leider erst hinterher. Obendrein hat man heute bei Tunnelbauwerken auch ganz andere Sicherheitsanforderungen als noch vor 100 Jahren. Am ehesten bietet sich der oberirdische Bau an, aufgrund der Stromschiene jedoch nicht im Straßenraum. Da Innenstädte für gewöhnlich eng bebaut sind, ist es folglich schwierig, bestehende U-Bahnsysteme zu erweitern.

Betrieb in Hamburg

Anders als bei unserer S-Bahn wird der komplette Betrieb, der Fahrweg (=Schienennetz) und die Haltestellen von einem Unternehmen – der Hamburger Hochbahn AG – betrieben und bewirtschaftet. Die Hamburger U-Bahn gilt als ein sehr leistungsfähiges, sicheres, pünktliches und sauberes Verkehrsmittel mit einer hohen Zuverlässigkeit. Sie erfreut sich bei den Fahrgästen einer großen Beliebtheit, weshalb sie auch rege genutzt wird.

Weiterführende Informationen zur Hamburger U-Bahn:

— OR; Bild/Titel: Rycon; Bild DT5: HOCHBAHN-Presse

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One response to this post.

  1. […] meist mit vergleichsweise mickrigen 750 Volt Gleichstrom. Eine Stromschiene (wie bei der U-Bahn) wird aus Sicherheitsgründen nicht […]

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