Verkauf der AKN offenbar vom Tisch


Seit Jahren liebäugelt die Kieler Regierung, ihre Anteile an der AKN (betreibt u.a. die Linien A1, A2 und A3) zu veräußern. Schleswig-Holstein ist mit 49,89% und Hamburg mit 50,00% am Bahnunternehmen beteiligt, 0,11% befinden sich im Streubesitz.

Für Kiel ist der angepeilte Verkauf der AKN nach einem Bericht der „Welt“ offenbar vom Tisch. Jahrelang hat man die Mitarbeiter der AKN im ungewissen gelassen, nun ist man zur Erkenntnis gelangt, das man durch einen Verkauf vielleicht einen kleinen Gewinn machen würde – jährlich aber dennoch für die Verkehrsleistungen hätte zahlen müssen. So habe man nun wenigstens weiterhin Einfluss auf die Unternehmenspolitik.

Hoch defizitär

Seit vielen Jahren ist das Verkehrsunternehmen hoch defizitär. Der Landesrechnungshof Schleswig-Holstein rüffelte 2006 [PDF], die AKN sei gerade einmal in der Lage, gut die Hälfte ihrer Ausgaben selbst zu decken; Die Kostendeckungsrate liegt bei um die 50%, ein bescheidener Wert.
Problematisch für Kiel: Zwar teilen sich Hamburg und Schleswig-Holstein die Anteile, die Verluste werden aber nach sogenannten „territorialen Aspekten“ aufgeteilt. Da die AKN ihre Infrastruktur und den Verkehr hauptsächlich in Schleswig-Holstein betreibt, muss Kiel auch den Löwenanteil des Verlustausgleichs tragen. (2007 häufte die AKN 15.151 Mio. Euro Verlust an, wovon Hamburg lediglich 4.242 Mio. Euro übernahm.)

AKN-Verluste

Dies alles führte zum Wunsch der (damals noch schwarz-roten) Kieler-Regierung, die AKN loszuwerden. Die Deutsche Bahn war schnell – aus wettbewerbsrechtlichen Gründen – vom Tisch, obendrein besitzt Hamburg ein Vorkaufsrecht. Hamburg schien aber von der Idee, künftig die Verluste praktisch allein tragen zu müssen, wenig begeistert.

Dennoch bemühte sich vor allem die Hamburger Hochbahn den Kaltenkirchener Laden zu übernehmen. Dies führte zu wütenden Protesten der AKN-Belegschaft, die sogar mit kurzfristig einberufenen Betriebsvollversammlungen den Betrieb lahm legte. Auch die AKN-Führung belegte den Versuch mit absurden Auflagen. Gerüchten zufolge durften nur wenige Hochbahner in die Bücher schauen und dabei bloß keine Kopien anfertigen. Man fürchtete den Verlust von Geschäftsgeheimnissen – schon ein erstaunlicher Vorgang für ein aus Steuermitteln finanziertes, kommunales Verkehrsunternehmen. Nachdem in die Bücher geluschert wurde, hörte man praktisch nichts mehr aus Hochbahnerkreisen, was zur Vermutung führt, das die AKN noch weitaus schlechter dasteht, als ohnehin bekannt.

Gegenwart und Zukunft

Nun also die Entscheidung des CDU/FDP-Regierung, die AKN doch zu behalten und weiter für den Großteil der Verluste aufzukommen. Zum einen wird dies damit Begründet, das man nach einem AKN-Verkauf dennoch die eigentlichen Verkehrsleistungen hätte zahlen müssen, was auch nachvollziehbar ist.
Zum anderen sieht man nun aber auf einmal große Möglichkeiten darin, das die AKN expandiert. Das versucht sie aber schon seit Jahren und teilweise auch mit Erfolg: Die „nordbahn“ ist eine der Töchter. Ironischer weise betreibt man die zusammen mit der offenbar verhassten HOCHBAHN (an der nordbahn in Form der BeNEX beteiligt).

AKN-Fahrzeug: Ersatz durch S-Bahn?

Naheliegender ist der Kieler Gesinnungswandel aber mit der Vermutung, das man es einfach nicht geschafft hat, den Laden zu vernünftigen Konditionen zu verscherbeln.

Eher verwirrend ist die angedachte Zukunft des Unternehmens. So überlegt man, die S-Bahn nach Kaltenkirchen auf AKN-Gleisen zu verlängern. Das würde zwar dem Unternehmen Streckengebühren einbringen, aber der eigentliche Verkehr würde dann von der S-Bahn Hamburg geleistet – eine Idee, die AKN-Chef Klaus Franke offenbar selber favorisiert. Derweil fraglich ist, ob dies überhaupt kostengünstig machbar wäre – Y-Stahlschwellen und Bahnsteige sind für die Dieseltriebwagen gebaut, nicht für S-Bahnzüge. Mit dieser Idee würde er auch sein Verkehrsunternehmen selbst zerpflücken, ist doch die A1 praktisch die wichtigste Linie der AKN. Dies würde langfristig wohl darauf hinaus laufen, die AKN von einem Verkehrs- zu einem reinem Infrastrukturunternehmen umzunudeln – und dafür braucht man weder Fahrzeuge, noch dessen Wartung oder gar Triebfahrzeugführer.
Gut möglich, das sich die Belegschaft bei ihrem Protest gegen die HOCHBAHN einen Bärendienst geleistet hat.
— OR; Bilder: Rycon

2 responses to this post.

  1. Posted by retep xof on 02.01.2010 at 15.20

    Lieber Rycon,
    vielen Dank für den interessanten Artikel über die mögliche Zukunft der AKN. Mich würde interessieren, inwiefern Y-Stahlschwellen lediglich durch Dieseltriebwagen der AKN nutzbar sein sollen, wie von Ihnen hier geschrieben.
    Gerüchten zufolge gibt es im AKN-Netz einige baulichen Dinge, die die Befahrbarkeit für die derzeit bei der Hamburger S-Bahn eingesetzten Fahrzeuge einschränken. Dieser Punkt wäre sicherlich für eine weitere journalistische Berichterstattung von großem Interesse.

  2. Posted by Rycon on 02.01.2010 at 21.35

    Hallo,
    die Bahnsteiglängen sind an die derzeit verwendeten AKN-Dieseltriebwagen angepasst, nicht für S-Bahn-Züge.
    Die Y-Stahlschwellen sind prinzipiell auch von S-Bahn-Fahrzeugen befahrbar, jedoch kann die Stromzufuhr nicht, wie in Hamburg üblich, per Stromschiene erfolgen. Y-Stahlschwellen sind mit 2 m deutlich schmaler, als ihre Brüder aus Holz oder Beton (2,60 m); Es scheitert daher schon daran, das die Stromschiene (die an den Schwellen montiert wird) hier nicht so einfach installiert werden kann.

    Die baulichen Gegebenheiten in einem Beitrag näher zu Beleuchten ist eine gute Idee, vielen Dank! :-)
    Einen journalistischen Anspruch haben wir hier auf Rycon jedoch nicht; Dieses kleine Blog wird rein privat betrieben. Dafür verlinken wir, wenn es sinnvoll ist, auf die jeweiligen Quellen, sodaß der Leser unsere Angaben/Behauptungen überprüfen kann (das tun Journalisten in der Regel nicht).
    Viele Grüße,
    —OR

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