Hurra! Der Steh-Bus ist da!

Es fing ganz leise an: Mir-nichts-Dir-nichts wurde in sämtlichen Bustypen der Hamburger Hochbahn der sogenante „Mehrzweckbereich“, die Freifläche gegenüber Tür II, vergrößert. Man schraubte einen Doppelsitz ab, ein paar Haltestangen ran und schwupps gab es mehr Platz für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen. Nur irgendwie schien der Platz noch immer nicht groß genug – oder anders: Im Bus sind einfach noch zu viele Sitzgelegenheiten.

Das so etwas nicht bleiben kann, konnte auf der Metrobuslinie 25 bei Jasper-Fahrzeugen beobachtet werden: Verfügt das Fahrzeug bei Tür II über Außenschwenktüren, werden die Sitze neben dieser Tür abgebaut. Und zwar gleich zwei Doppelsitze. Ein neuer Stehbereich ist geschaffen!

Eine besonders effektive Möglichkeit Sitzplätze zu vernichten bieten Standardbusse, die über eine dritte Tür und einen Motorturm im Heck verfügen. Der Motorturm sitzt in der hinteren Ecke und reicht bis zum Dach. Tür III benötigt naturbedingt Platz. Ein solcher Bus mit zwei Mehrzweckbereichen bietet ganze 25 Sitzplätze. Da bieten kleinere Midibusse deutlich mehr.

DEN VERBÄNDEN SEI DANK
Nun ist es natürlich einfach, den Verkehrsunternehmen die Schuld für diesen Service-GAU in die Schuhe zu schieben. Nur ist das zu kurz gegriffen: Tatsächlich sind es Verbände, allen voran die Behindertenlobbyisten, die auf die Pauke hauen und mehr Platz im Bus beanspruchen. Aber es muss die Frage erlaubt sein, ob es nicht übertrieben wird; Und ob die Mehrheit der ÖPNV-Bevölkerung, die ja auch aus älteren Menschen besteht, sich die Beine in den Bauch stehen muss. Denn die Zielgruppen der Behinderten, zu der im Wortsinn auch Eltern mit Kinderwagen gehören, nutzt den Bus nur sporadisch. Auffällig hier ist auch, das – wenn sie kommen – dies ist Gruppen passiert. Dann erblickt man das Phänomen, das sich gern mehr als drei Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen sich im Fahrzeug tummeln. Rechtlich gesehen ist übrigens der Busfahrer verpflichtet, nur so viele aufzunehmen, wie für das Fahrzeug zugelassen sind – und das sind bei dieser Bus-Konfiguration maximal zwei Rollstuhlfahrer oder zwei Kinderwagen bzw. entsprechend gemischt.

SCHLECHTE PRESSE VERMEIDEN
Der pure Horror für Verkehrsunternehmen sind Presseartikel, vorzugsweise in der „BILD“-Zeitung, wo ein trauriger-blickender Rollstuhlfahrer unter der großen Überschrift „Ich durfte nicht mit dem Bus mitfahren!“ abgebildet ist – wobei der Rollstuhlfahrer wahlweise durch eine Mutter mit Kinderwagen ersetzt werden kann.
Derartiges will man tunlichst vermeiden. Wie soll man auch argumentieren? Und vor allem: Will man überhaupt Argumente bei emotional-aufgeladenen Artikeln lesen?

Niederflurbusse, die in Hamburg in sagenhaft kurzer Zeit eingeführt wurden, bieten mobilitätseingeschränkten Fahrgästen einen guten Zugang. Ein Mehrzweckbereich für je einen Rollstuhlfahrer und Kinderwagen sollte genügen. Der ÖPNV, der auf die Masse angewiesen ist, tut sich keinen gefallen mit der Vernichtung von Sitzplätzen. Und bei allen sozialen Verständnis: Manchmal muss eine Minderheit auch mal Rücksicht auf die Mehrheit nehmen.
— OR

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