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Ausgefallene Züge, R10

sind 2010 komplett oder teilweise ausgefallen. (Zugausfälle ohne Ersatzverkehr: 17.583 Zug-Kilometer, Zugausfälle mit Ersatzverkehr: 5.757 Zug-Kilometer).
— Quelle: Senatsdrucksache 20/1214

Die S4 ist tot – es lebe die S4

Thema S4Einige reagierten wie die aufgescheuchten Hasen, als am 21.08.2010 das „Hamburger Abendblatt“ die Meldung brachte, die gedachte S4 Richtung Ahrensburg stünde vor dem Aus. Anlass der Empörung: Offenbar zieht sich der Bund aus seiner Verantwortung und sieht keinen „dringenden Bedarf“ mehr, die Strecke auszubauen.
Eine erstaunliche Einschätzung, bei der die Augenbrauen hochgehen und sich die Stirn in Falten legt. Die Strecke ist für den Ferngüterverkehr von großer Bedeutung und das geht auch dem Bund etwas an.

Bereits Anfang Juli ließ das CSU-geführte Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) sein Desinteresse erkennen, gut vergraben in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage. Umgedeutet wird der Kurswechsel zu einem Aus für die S4. Es gibt da allerdings ein kleines Problem: Der Bund hatte die neue S-Bahn-Linie nie auf dem Zettel.

Kurz gesagt: das Projekt S4

Zwei neue, zusätzliche Gleise fädeln Hasselbrook kreuzungsfrei aus dem bestehenden S-Bahn-Netz (S1/S11) aus. Hierfür ist ein recht aufwendiges Ingenieursbauwerk erforderlich. Im weiteren Verlauf liegt das neue Gleispaar bis zum Bahnhof Ahrensburg („Mitte“) neben den bestehenden Gleisen. Die Station Wandsbek wird aufgegeben; mehrere neue, strategisch günstig gelegene, Stationen auf den Weg nach Rahlstedt entstehen (siehe Linienverlaufstafel). Von Ahrensburg bis Bargteheide entstünde ein zusätzliches Gleis. Optional wäre eine Verlängerung nach Bad Oldesloe auf der bestehenden Strecke.

Charme der Idee ist die Separierung des Nahverkehrs auf einem eigenen Fahrweg. Die entsprechenden Stadtteile würden somit an das hochleistungsfähige S-Bahn-Netz angeschlossen, was insbesondere durch dichten Takt und merkbaren Fahrplan höchst attraktiv wäre. Diese Merkmale ermöglichen eine enge, zuverlässige Verzahnung mit dem Busverkehr, der für sich genommen dieselben Eigenschaften aufweist („starrer Fahrplan“). Die S-Bahn GmbH rechnet mit einem Plus von 50 % mehr Personenfahrten im Gegensatz zum jetzigen Zustand. Eine Zahl, die durchaus realistisch erscheint.

Die verspätungsfreudige R10 entfiele auf diesem Abschnitt. Die Doppelstock-Regionalzüge sind aufgrund der geringen Anzahl an Türen ungeeignet für einen schnellen Fahrgastwechsel, wie er im Nahverkehr benötigt wird (mehr dazu im Beitrag Regionalverkehr versus S-Bahn). Die Verlagerung des Nahverkehrs von der R10 auf die S4 entlastet auch den Hamburger Hauptbahnhof, der bahnsteigtechnisch am Limit operiert.

Die Verlagerung des Nahverkehrs auf eigenen Fahrweg schaufelt entsprechende Kapazitäten auf der bestehenden Strecke frei. Dieser Effekt hat überregionale Bedeutung, denn die freiwerdenden Kapazitäten stünden auch dem anwachsenden Güterverkehr zur Verfügung. Vor allem aufgrund der geplanten festen Fehmarnbeltquerung, einer Brücke zwischen Deutschland und Dänemark, wird von einem höheren Güterverkehr auf der Schiene ausgegangen.

Die S-Bahn-Linie 4 hat somit nicht nur lokale und regionale, sondern auch nationale bis – etwas großspurig – internationale Bedeutung.

Kurz gesagt: Was der Bund will (bzw. wollte)

Diese Ideen stehen im krassen Gegensatz zu dem, was der noch gültige Bundesverkehrswegeplan 2003 [PDF, ~2 MB] vorsieht. Auf Seite 55, unter der laufenden Nummer 1, ist unter anderem die – tatsächlich umgesetzte – Elektrifizierung Hamburg – Lübeck Travemünde zu lesen.

Ferner, und darum geht es hier, der nicht-realisierte dreigleisige Ausbau zwischen Wandsbek und Ahrensburg mit einer Streckenhöchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Zu dem bereits bestehenden Gleispaar soll also nur ein Drittes hinzugepflanzt werden. Eine Verknüpfung mit dem hiesigen S-Bahn-Netz ist gar nicht vorgesehen.

Bisher wurde locker-flockig davon ausgegangen, dass die Bundesmittel für den dreigleisigen Ausbau einer S4 zugeschlagen werden könnten. Zwar ein naheliegender Gedanke, jedoch keine ausgemachte Sache. Nah- und Regionalverkehr obliegt den Ländern, der Bund hat mit einer gedachten S4 selbst nichts am Hut. Dreigleisiger Ausbau hin oder her.

Nun wird eine Neufassung des Bundesverkehrswegeplans fällig und das besagte dritte Gleis steht offenkundig zur Disposition. Eine Einladung zum Spekulieren.

Politisches Ränkespiel

Vielleicht ist Berlin der Ansicht, die S4 werden die zuständigen Ländern schon irgendwie schaukeln – was zur Folge hätte, dass man die freiwerdende Streckenkapazität für den Güterverkehr zum Nulltarif bekäme. So wäre es aus Bundessicht folgerichtig, das dritte Gleis rechtzeitig aus dem Plan zu nehmen, um nicht doch noch über einige Ecken in Mithaftung genommen zu werden. Beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf, auch zwischen Bund und den Ländern.

Obwohl nach Aktenlage der mögliche Wegfall des dritten Gleises nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit der S4 steht, löste die Meldung eine längst überfällige Diskussion aus. Der allgemeine Aufschrei vor allem aus Hamburg erscheint hinsichtlich der jahrelangen Bummelei als ziemlich unglaubwürdig und reflexhaft. Hektische Betriebsamkeit ist beiden nun blamierten Bundesländern jedenfalls nicht zu attestieren.

Zwischenbilanz nach sieben Jahren Bundesverkehrswegeplan

Immer wieder machten HVV, verschiedene Verbände und andere auf die fehlende S4 aufmerksam. Bis auf gut gemeinte Absichten fiel die Ernte jahrelang aber sehr bescheiden aus. Erst in den letzten zwei, drei Jahren ist Bewegung in die Sache gekommen.

Schleswig-Holstein präsentierte Anfang 2008 sein „Drei-Achsen-Konzept“ [PDF], das mit seinen 9 Seiten nicht unbedingt zu den ausführlichsten Konzepten der Menschheitsgeschichte zählt. Die dort bezeichnete S41 bildet die Ost-Achse. Im Konzept geht man davon aus, das die Bundesmittel für das dritte Gleis zugunsten des zweigleisigen Ausbaus der S-Bahn umgetopft werden könnten.

2009 ließ die S-Bahn Hamburg GmbH eine aus dem Jahre 2002 stammende Machbarkeitsstudie aktualisieren. Diese ist leider öffentlich nicht zugänglich. Eine Betriebssimulation, ob die S4 sich überhaupt ins übrige S-Bahn-Netz hineinfriemeln lässt, wurde offenbar erfolgreich durchgeführt. Das „Abendblatt“ zitierte S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke mit den Worten:

„Die in diesem Jahr durchgeführte Betriebssimulation konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Wir könnten noch in diesem Jahr mit der Vorentwurfsplanung beginnen.“

Die ist auch bitter nötig.
Je nach Wetterlage schwanken die postulierten Kostenprognosen beunruhigend zwischen 210 und 400 Millionen Euro, was keinen seriösen Eindruck macht. Am realistischen erscheint noch die grobe Schätzung aus der „Welt“ vom 02.04.2009: 250 Millionen für den Fahrweg und 150 Millionen für die Fahrzeuge, im Saldo 400 Millionen Euro. Allerdings wirkt auch diese Prognose eher wie ein Schuss ins Blaue.

Es ist wenig ermutigend, dass nach sieben Jahren keine qualifizierte Kostenschätzung vorliegt. Hoffentlich muss das nicht-realisierte Projekt S4 nicht noch viele Neufassungen des Bundesverkehrswegeplans erleben. ♦
— Abbildung Linienverlaufstafel: Rycon

„Keinen vordringlichen Ausbau“

Mehrere Bundestagsabgeordnete und die SPD-Bundestagsfraktion stellten der Bundesregierung eine sogenannte „Kleine Anfrage“ zur Verkehrsinfrastruktur – Schiene und Straße – in Schleswig-Holstein. Stein des Anstoßes ist die Hinterlandanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung, einer Brücke zwischen Schleswig-Holstein und dem Königreich Dänemark.

Durch diese neue Verbindung wird von großen Auswirkungen auf die bestehenden Verkehrswege ausgegangen. Dies schließt insbesondere die Strecke Hamburg – Ahrensburg – Bad Oldesloe (R10) – Lübeck mit ein, bei der bisher mit einem (noch) höheren Güterverkehr gerechnet wird.

Ziemlich vergraben in der Antwort der Bundesregierung – genauer: des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) – finden sich auch einige Passagen, welche den Hamburger Nahverkehr betreffen.

Das Dokument, Drucksache 17/2398 [PDF], trägt das Datum vom 05.07.2010. Im Folgenden die Passagen (Seiten 10 und 11) mit, zur besseren Lesbarkeit, leichten Änderungen im Layout.

47. Welche Verkehrsentwicklung erwartet die Bundesregierung auf den einzelnen Abschnitten der Eisenbahnstrecke Neumünster–Elmshorn–Hamburg?

Sind an dieser Strecke Ausbaumaßnahmen zur Leistungsertüchtigung vorgesehen?

Wenn ja, welche, und in welchem Zeitraum?

Die bis 2025 erwartete Verkehrsentwicklung auf der Strecke Neumünster–Elmshorn–Hamburg erfordert keinen vordringlichen Ausbau der Strecke. Dies war das Ergebnis der im Auftrag des BMVBS durchgeführten Studie zum Knoten Hamburg, in der die im Rahmen des Bedarfsplans zu finanzierenden Ausbaumaßnahmen im Knoten Hamburg ermittelt und bewertet wurden.

48. Welche Verkehrsentwicklung erwartet die Bundesregierung auf der Trasse der AKN Eisenbahn AG Neumünster–Quickborn–Hamburg?

Sind an dieser Strecke Ausbaumaßnahmen zur Leistungsertüchtigung vorgesehen?

Wenn ja, welche, und in welchem Zeitraum?

Seit der Regionalisierung zum 1. Januar 1996 obliegt die Zuständigkeit für die Planung, Organisation und Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs grundsätzlich den Ländern. Der Bund kann den Ländern Finanzhilfen für Investitionen zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse der Gemeinden nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) gewähren.

Nach den von den Ländern Schleswig-Holstein und Hamburg für die AKN-Strecke Kaltenkirchen–Hamburg-Eidelstedt bislang vorgelegten GVFG-Antragsunterlagen zum Ausbau dieser Strecke wurde im Raum Hamburg-Eidelstedt eine Querschnittsbelastung von rund 13 000 Personenfahrten je Werktag prognostiziert.

Im Streckenabschnitt Kaltenkirchen–Hamburg-Eidelstedt wurden seit dem Jahr 1996 verschiedene Baumaßnahmen zur Leistungsertüchtigung realisiert, so u. a. der Bau von zweigleisigen Streckenabschnitten, von neuen Stationsanlagen und die höhenfreie Einbindung der AKN in die Station Hamburg-Eidelstedt. Der Bau von zweigleisigen Streckenabschnitten dauert noch an.

Nach dem dem [sic] BMVBS vorliegenden „Achsenkonzept zum Ausbau des Schienenverkehrs in der Metropolregion Hamburg“ ist gegebenenfalls auch die Elektrifizierung des AKN-Streckenabschnittes Kaltenkirchen–Hamburg-Eidelstedt vorgesehen. Näheres ist dem BMVBS nicht bekannt.

Zum Streckenabschnitt Neumünster–Kaltenkirchen liegen dem BMVBS keine Informationen vor.

49. Welche Verkehrsentwicklung erwartet die Bundesregierung auf den einzelnen Abschnitten der Eisenbahnstrecke Lübeck–Bad Oldesloe–Ahrensburg–Hamburg?

Sind an dieser Strecke Ausbaumaßnahmen zur Leistungsertüchtigung vorgesehen?

Wenn ja, welche, und in welchem Zeitraum?

Die bis 2025 erwartete Verkehrsentwicklung auf der Strecke Lübeck–Bad Oldesloe–Ahrensburg–Hamburg erfordert keinen vordringlichen Ausbau der Strecke. Dies war das Ergebnis der im Auftrag des BMVBS durchgeführten Studie zum Knoten Hamburg, in der die im Rahmen des Bedarfsplans zu finanzierenden Ausbaumaßnahmen im Knoten Hamburg ermittelt und bewertet wurden.

Gerade der letzte Absatz hat es in sich, denn er wird als Aus für die S4 gedeutet. Dazu am Sonntag mehr hier auf Rycon. ♦
— Titelbild: Bundestag.de / BMVBS

S21 nach Bad Oldesloe

Ein charmanter, kleiner Flüchtigkeitsfehler findet sich auf der HVV-Website, bei dem sicher einige wünschten, es wäre kein Fehler:

(Gemeint ist die R10. Auf dem Wunschzettel vieler Fahrgäste steht, diese durch eine S-Bahn zu ersetzen. Allerdings durch eine S4. Vielleicht hat der HVV aber auch ganz andere Pläne.)

Nachtrag, 21.04.2010: Beim HVV verkehrt nun die R10 wieder nach Ahrensburg/Bad Oldesloe.
— OR/XP; Bild: Screenshot HVV.de vom 20.04.2010

R10-Station Gartenholz: EBA watscht Ahrensburg und DB ab

Schon seit Monaten sollte es an der Regionalverkehrslinie 10 eine neue Station mit Namen Gartenholz geben. Mehrmals wurde der Eröffnungstermin verschoben, zuletzt verzichtete man ganz auf ein konkretes Datum. Als Verzögerungsgrund nannte die Schleswig-Holsteinische Landesweite Verkehrsservicegesellschaft, LVS, die Einrichtungen des eigentlich fertiggestellten Haltepunktes würde EU-Normen nicht entsprechen, weshalb das Eisenbahnbundesamt (EBA) keine Genehmigung erteile. Ein gefundenes Fressen für die Tageszeitungen, u.a. „Bild“, schließlich kann man mal wieder sehen, wie böse die EU-Bürokratie ist.

Nun hat sich das EBA selbst zur Posse per Pressemitteilung geäußert und das ziemlich angepieselt.

Wenn die Stadt Ahrensburg in den Medien den Eindruck erweckt, der Haltepunkt sei seit Monaten fertig gestellt und das EBA sei untätig geblieben, entbehrt dies sachlich jeder Grundlage. Die Beweggründe für die unzutreffenden Äußerungen von Vertretern der Stadt Ahrensburg in der Presse sind nicht nachvollziehbar.

Den Schwarzen Peter schiebt das EBA in der Hauptsache der DB Station & Service AG (DB S&S) zu, die es bis heute nicht geschafft hat, benötigte Unterlagen einzureichen. So fehlten „beispielsweise“:

- komplette Baupläne,
– notwendige Unterschriften,
– Angaben, welche Arbeiten durchgeführt wurden,
– Angaben, welche Personen bei der DB Station & Service AG für das Projekt Haltepunkt Gartenholz verantwortlich sind und
– weitere grundlegende Erläuterungen zum Bauvorhaben.

Der Antrag auf Inbetriebnahmegenehmigung ging beim EBA schon am 02.11.2009 ohne die oben angeführten Unterlagen ein und die DB S&S behauptete, der Haltepunkt sei schon fertiggestellt. Zwei Tage später schickte das EBA den Antrag zurück mit dem Hinweis auf fehlende Unterlagen. Dennoch schickte man Leute am 23.11.2009 zur Abnahme des angeblich fertigen Haltepunktes los und die staunten wohl nicht schlecht:

Die Bauarbeiten waren noch in vollem Gange. Größere Teile der Bahnsteige und Zuwege fehlten vollständig. Von einem Abschluss der Bauarbeiten konnte keine Rede sein.

Sprecher Ralph Fischer: „Für eine Inbetriebnahme des angeblich fertig gestellten Haltepunktes waren am 23. November 2009 keinerlei Voraussetzungen erfüllt. Die Inbetriebnahme für den Personenverkehr kam aufgrund des erreichten Bautenstandes und der damit verbundenen erhebliche Sicherheitsgefahr für die Reisenden nicht in Betracht. Daher konnte der Haltepunkt nicht für den Verkehr freigegeben werden.“

Als sich Anfang Januar 2010 noch immer kein entscheidender Baufortschritt abzeichnete, hat das EBA die Projektverantwortlichen der DB Station & Service AG zu einem Gespräch geladen. Dabei sollte geklärt werden, wie es zu den Problemen und Fehlern auf Seiten der DB Station & Service AG kommen konnte.

Die DB Station & Service AG begründet diese mit der zeitlichen Überlastung der Verantwortlichen aufgrund deren bundesweiter Tätigkeiten. Auch seien die Pflichten für die Projektleitung an die Stadt Ahrensburg übergeben worden. Diese habe die Inbetriebnahmefähigkeit des Haltepunktes Gartenholz bescheinigt und die entsprechenden Unterschriften geleistet.

Daraufhin hat das EBA die DB Station & Service AG am 14. Januar 2010 schriftlich aufgefordert, für das Projekt Fachkräfte mit ausreichenden Fachkenntnissen einzusetzen und die erforderlichen Voraussetzungen für die sachgerechte Wahrnehmung der Aufgaben zu schaffen. Weiterhin mahnte die Behörde die noch immer nicht vollständig vorliegenden Unterlagen an.

Erst nach satten zwei Monaten (!) meldete sich die DB S&S wieder und man gab zu, dass der angeblich fertiggestellte Haltepunkt noch gar nicht fertiggestellt ist – also überhaupt nicht abnahmefähig sei. Das EBA stellt fest:

Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Im schönsten diplomatischen Pressesprech watscht das EBA auch die Stadt Ahrensburg ab, denn obwohl die DB S&S für den Haltepunkt zuständig ist und später Stationsgebühren für jeden haltenden Zug kassieren wird, bastelt Ahrensburg selbst an der Station (die übrigens auch teurer werden wird, da man etwas schickeres haben wollte, als die DB-Einheitsware). Und da wittert EBA-Sprecher Ralph Fischer gewisse Unzulänglichkeiten:

„Da die Stadt Ahrensburg erstmals eine solche Bahnanlage baut, fehlen verständlicherweise die notwendigen Kenntnisse. Aus Sicht der Behörde ist es die Aufgabe der DB Station & Service AG, die mit dem Bauvorhaben betraute Stadt Ahrensburg zu unterstützen. Hier ist dringend Abhilfe geboten.“

Zu gut deutsch: Ahrensburg ist offenkundig zu inkompetent für den Bau, man solle bitte Profis ranlassen.

Und die sagenumwobenen EU-Vorschriften? Die gibt es an bestimmten Strecken, aber noch sind nicht alle Ideen EU-weit vereinheitlicht und solange gelten die nationalen Vorschriften, wie gehabt, weiter. Im Übrigen könne das EBA auf Antrag gewisse EU-Regelungen aussetzen.

Dafür muss der Antrag aber auch eingereicht werden – vollständig.
— OR; Bild: Ausriss (modifiziert) HVV-Schnellbahnplan

„Leidiges Thema“: Eröffnung der R10-Station Gartenholz verschoben

Zwischen Ahrensburg und Bargteheide sollte an der Regionalbahnlinie 10 schon seit Monaten ein neuer Haltepunkt den Stadtteil Gartenholz (4.500 Einwohner), sowie ein Gewerbegebiet (ca. 10.000 Beschäftigte) erschließen. Die Eröffnung war für heute geplant, doch daraus wird nun leider nichts.

Im sehr informativen, gut geführten LVS-Streckenblog wird auch der Grund hierfür genannt: Das Inbetriebnahmeverfahren nach EU-Recht verlangt Zertifikate über Haltestellenausrüstungen, die noch nicht vorliegen. Zur Eröffnung sind diese aber zwingend erforderlich, sonst erteilt die Bürokratie nicht ihren Segen. Der eigentliche Bau ist weitgehend abgeschlossen. Über die Verzögerungen bei diesem „leidigen Thema“ zeigt man sich im Streckenblog leicht genervt.
Die Kosten sind wohl höher als beim sonst üblichen DB-Standard, da die Stadt Ahrensburg die Station etwas attraktiver haben wollte. Für den Erwerb der Grundstücke musste Ahrensburg ebenfalls die Schatulle öffnen.

Wann der „Bahnhof Gartenholz“ erstmals angefahren wird, steht derweil in den Sternen. Sicherheitshalber hat man erst einmal keinen konkreten Eröffnungstermin genannt.

Verschoben wurde damit einhergehend die Einführung der neuen Buslinie 469, die das örtliche Gewerbegebiet als Ringlinie mit dem R10-Haltepunkt anbinden sollte. Bis auf weiteres soll die Buslinie 169 unangetastet weiter verkehren.

Mehr zum Thema:

— OR; Bild: Ausriss (modifiziert) HVV-Schnellbahnplan

Kurzmeldungen (2)


Ausschreibung | Der Stadtverkehr in Elmshorn wird, im Auftrag des Kreises Pinneberg, vom HVV ausgeschrieben. Dies umfasst die Buslinien 6500, 6501, 6502, 6503 und 6504 mit jährlich 850.000 Nutzwagenkilometer. Interessierte Verkehrsunternehmen können bis 21.05.2010 ihr Angebot vorlegen. Der neue Vertrag hat eine Laufzeit von fünf Jahren (bis 12/2015). Derzeit fährt dort die PVG, Schenefeld (respektive VHHPVG-Unternehmensgruppe). Die HVV-Website wurde diesbezüglich noch nicht aktualisiert. TED-ID: 2010/S 38-055896 +++

Ungewiss | Für Montag (01.03.2010) ist die Inbetriebnahme der R10-Haltestelle Gartenholz (zwischen Ahrensburg und Bargteheide gelegen) terminiert. Ab 23.03.2010 sollte die Buslinie 469 als Ringlinie (Bf. Gartenholz → Gewerbegebiet → Bf. Gartenholz) die Bedienung aufnehmen.
„Bf. Gartenholz“ (eigentlich ein Haltepunkt und kein Bahnhof, wurscht) sollte bereits Ende letzten Jahres in Betrieb gehen. Ob es nun soweit ist, scheint ungewiss. Die Lokalpresse berichtete darüber, dass sich die Eröffnung weiter verzögern wird. Auf der Homepage der LVS findet sich über das Thema noch nichts. +++

„Bester Linienbus“ | Der „Citaro G BlueTec Hybrid“ – sprich: Der Diesel-Hybridbus – von Mercedes-Benz wurde von den Lesern der Zeitschrift „Der Busfahrer“ als bester Linienbus gewählt. Gut 1.000 Leser sollen sich an der Aktion beteiligt haben. Für die „Sicherheitsfeatures“ und dem „Handling“ gab es besonders gute Noten. (Quelle: Daimler AG)
Fraglich ist, wie das soviele Leser beurteilen konnten, wo es doch nur eine Handvoll Vorserienfahrzeuge gibt. Laut Datenblatt hat der Hybride auch keine großartig-anderen „Sicherheitsfeatures“ wie ein stinknormaler Citaro-Gelenkbus. Die Zeitschrift „Der Busfahrer“ führt regelmäßig „Supertest“ (Fahrzeugtests) durch, bei dem auffälligerweise praktisch jedes Fahrzeug super-toll abschneidet. +++

U3-Sperrung | Zwischen Rathaus und Berliner Tor wird ab Samstag (1.00 Uhr) bis Sonntag (Betriebsschluss) ein Schienenersatzverkehr mit Bussen in beiden Richtungen eingerichtet. Grund: Über den U3-Gleisen am Hauptbahnhof ist die Deutsche Bahn mit Brückenbauarbeiten beschäftigt. [Weitere Infos: PDF] +++

S3 eingeschränkt | Für den behindertengerechten Ausbau der Haltestellen Thesdorf und Halstenbek wird ein Gleis gesperrt. Zwischen Elbgaustraße und Pinneberg steht folglich nur ein Gleis zur Verfügung. Daher verkehren die S3-Züge von Sonntag (1.00 Uhr) bis Montag (4.00 Uhr) nur alle 20-Minuten. [Weitere Infos: PDF] +++
— OR

R10: Eröffnung des Haltepunktes „Gartenholz“ verzögert sich

Eigentlich sollte der neue Haltepunkt „Gartenholz“, zwischen Ahrensburg und Bargteheide an der R10 gelegen, diesen Monat eröffnet werden – doch daraus wird nun nichts.

Immerhin Ende Dezember sollen zwar Bahnsteige, Fußgängerbrücke und Verknüpfungsanlage fertig sein, die 170. Bahnstation Schleswig-Holsteins wird aber voraussichtlich erst am 1. März 2010 in den Betrieb gehen. Laut LVS dauert die Inbetriebnahmegenehmigung seine Zeit, die erstmals nach EU-Vorgaben vom Eisenbahn-Bundesamt durchgeführt wird.
— OR

Nachtrag, 16.12.2009: Siehe auch LVS-Streckenblog.

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