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S3 gen Stade: nervlich am Ende

In der letzten Woche konnte die S-Bahn Hamburg ihren Betrieb in den Hauptverkehrszeiten nur mit Mühe und Not aufrechterhalten. Ursächlich waren zahlreiche Rettungswageneinsätze, Weichenstörungen und Bauarbeiten. Besonders übel erwischt es die S3-Fahrgäste aus Richtung Stade.

Noch bis zum 02.09.2012 sorgen Gleisbauarbeiten zwischen Buxtehude und Stade für einen wackeligen Betrieb, betroffen ist auch der metronom. Obendrein sind bis heute (30.07.2012) die Arbeiter am Werkeln an den Gleisen zwischen Hammerbrook und Hauptbahnhof. An der Station Wilhelmsburg wird auch gebuddelt. Bis in die letzte Woche hinein gab es eine Vollsperrung der Güterzuggleise Hauptbahnhof ↔ Abzweig Ericus – dadurch standen auf dem Abschnitt Hauptbahnhof ↔ Abzweig Veddel nur die Personenzuggleise zur Verfügung, auf denen die Güterzüge ausweichen mussten.

In der Summe sorgte dies alles für einen höchst unzuverlässigen Betrieb aller S-Bahn-Linien. Zeitweise kam es um den Hauptbahnhof – auf denen mehrere Linien sich die Gleise teilen müssen – zu regelrechten Staus. Bei der sengenden Sonne war das besonders auf der Verbindungsbahn (Strecke über Dammtor) alles andere als ein Vergnügen.

Nicht nur die Reisenden sind am Ende ihrer Nerven, den Triebfahrzeugführern geht es auch nicht besser: Ihr Arbeitsplatz ist genauso unklimatisiert wie der Fahrgastraum. Wann die Arbeitspause ansteht, gleicht einem Lotteriespiel.

Sie teilen sich mit ihren Kunden noch einen weiteren Schicksalsschlag – der katastrophalen Informationslage, besonders im südlichen S3-Abschnitt. Zu einer vernünftigen Fahrgastinformation kam es jedenfalls nicht. Das „Tageblatt“ rief die Leser auf, ihre Erlebnisse einzureichen; das Ergebnis ist haarsträubend bis niederschmetternd. Immerhin geloben die Unternehmen Besserung.

Betriebsdurchführung und Fahrgastinformation müssen unbedingt besser werden – ansonsten ist der öffentliche Verkehr schlicht und ergreifend nicht mehr konkurrenzfähig zum Auto. ♦

Neues im Busverkehr, Streik bei der AKN, Personalien beim metronom, CSD 2011

In der Kürze liegt die Würze und daher flugs einige Meldungen zusammengefasst.

Kleine Änderungen im Busverkehr ab 14.08.2011: Für die Linien 26, 174 sowie 21, 183 und 283 wurde jeweils eine neue Haltestelle spendiert. In Veddel gibt es bei der 354 eine Linienänderung und drei zusätzliche Fahrten in der morgendlichen Hauptverkehrszeit. In Harburg bekommt der 4244 ab 18.11.2011 einen neuen Fahrplan verpasst, wodurch sich neue Anschlusszeiten der 144 und 340 ergeben. Weitere Infos: hier. +++

Streiktage 15 bis 18: Wer in der nördlichen Metropolregion zutun hat und auf die A-Bahn angewiesen ist, braucht weiterhin ein dickes Fell. Die Lokführergewerkschaft GDL bestreikt unverdrossen die AKN, was zu einem dürren Fahrtenangebot führt. Hinzu kommen an diesem Wochenende Bauarbeiten zwischen Eidelstedt und Burgwedel auf der A1 (08.08. – 08.08.2011), die einen – stündlichen – Schienenersatzverkehr mit Bussen erfordert. Sieht weiterhin nicht so aus, als ob der Arbeitskampf auf ein friedliches Ende hinausläuft. Weitere Infos: da. +++

Personalien: Das Vorzeige-Eisenbahnverkehrsunternehmen metronom ist in der letzten Zeit ziemlich ins Schlingern geraten. Geschasste, aber erfolgreiche Geschäftsführer, grummeln in der Belegschaft, Konflikte mit der GDL, klapprige Einführung eines eigenen Vertriebs (Fahrkartenautomaten), gestrichene Verstärkerfahrten, fehlende Sitzplatzreservierung – jede Menge zutun also. Einen Teil dieser Herausforderungen widmet sich ab Oktober der neue technische Geschäftsführer, Jan Görnemann, 40. Kaufmännischer Geschäftsführer bleibt weiterhin der glücklose Wolfgang Birlin. Ihm beiseitegestellt wird als Prokurist Enno Poppinga, 41, bei der BeNEX für Ausschreibungsprojekte zuständig. BeNEX, die Holdinggesellschaft der Hamburger Hochbahn AG, ist an dem metronom gesellschafterisch beteiligt. Bis zum 01.08.2011 verzichtet übrigens die GDL auf weitere Streiks. +++

Grünes Licht für rosa Zeiten: Der 31. Christopher Street Day, CSD, sorgt an diesem Wochenende für bunte Zustände in der Innenstadt. Seit 15 Uhr ist am Jungfernstieg/Ballindamm das Straßenfest eröffnet; Kern der Veranstaltung bildet die morgige Parade ab 12 Uhr, Start in der Langen Reihe (Route: hier). Das Schnellbahnangebot im HVV wird entsprechend am Samstag, 06.08.2011, verstärkt. S1, S21, S3 mit Vollzügen (6 Wagen) sowie alle U-Bahn-Linien mit maximalen Zuglängen bis 0.30 Uhr. Verstärkerfahrten alle 10 Minuten auf der S1, S3, U1 und U2 bis ebenfalls 0.30 Uhr. Die U3 verkehrt planmäßig im dichten Takt. Bitte die aktuelle U3-Sperrung zwischen Berliner Tor und Mundsburg beachten.

Achtung! In der Innenstadt kommt es, wie bei jeder Parade und großflächigen Straßensperrungen, zu erheblichen Einschränkungen im Busverkehr. Insbesondere in der Zeit zwischen 11.45 und 15.15 Uhr sollte wo immer möglich auf die Schnellbahnen ausgewichen werden. +++

Die Streikfront

Kleine Gruppen und Grüppchen versprühen stets sympathischen Charme. Da erhebt sich ein angeblich kleiner David gegen die oft so übermächtig erscheinenden Goliats dieser Welt. Im Kampf gegen Ungerechtigkeiten der Obrigkeit oder dem unsozialen Verhalten von Unternehmen, die ihre Mitarbeiter mit einem Hungerlohn ausbeuten, stehen sogenannte Bürgerproteste oder Minigewerkschaften wie die GDL. Ihnen, den letzten Rächern der Enterbten, gehört unser Herz.

Dabei dienen Bürgerproteste oftmals nur Einzelinteressen einiger weniger, die es aber so geschickt Verpacken, das es sich wie ein kollektiver Aufschrei anhört. Zum Beispiel wenn wenige Häuslebauer Windräder oder Hochspannungsleitungen ablehnen, der Optik wegen. Oder lieber stockenden Autoverkehr vor dem Schaufenster haben, als eine dahingleitende Stadtbahn.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer , GDL, circa 34.000 Mitglieder, genoss bisher auch den Charme eines Underdogs, vertritt im Kern jedoch nur ein kleines Grüppchen unter den Eisenbahnern. Sie steht dabei nicht nur im Kampf mit den Arbeitgebern, sondern auch mit der Konkurrenz namens Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, EVG, mit gut 240.000 Mitgliedern das Schwergewicht schlechthin. Beide Gewerkschaften kratzen sich gegenseitig die Augen aus, besonders die GDL stichelt gerne.

Das muss sie auch, denn es geht letztlich um ihre Daseinsberechtigung, weshalb die GDL auch als besonders kompromisslos gilt, was sie natürlich als Stärke verkauft. Eigentlich ist dies jedoch eine Schwäche, denn um sinnvoll verhandeln zu können, müssen logischerweise beide Seiten kompromissbereit und -fähig sein.

Zurzeit steht die GDL im Arbeitskampf mit den sogenannten „privaten“ Bahnbetreibern, in der Metropolregion daher mit der Nord-Ostsee-Bahn (NOB), der AKN und dem metronom. In der öffentlichen Diskussion meist wenig beachtet wird, das es unter den Eisenbahnern bereits einen Branchentarifvertrag gibt; jedoch mit der EVG. Die GDL lehnt, man will ja etwas gleicher sein als die anderen, den Vertrag ab.

Speziell mit der AKN und dem metronom hat man jedoch zwei Gegner vor sich, die mit der riesigen Deutschen Bahn nicht vergleichbar sind.

David gegen David

Die AKN ist selbst ein kleiner David, dessen zukünftige Entwicklung mehr als ungewiss ist. Nicht unwahrscheinlich, dass es dort in ein paar Jahren gar keine Lokführer (in diesem Falle: Triebfahrzeugführer) mehr gibt, welche die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer vertreten könnten.

Auf dem Tisch liegen Pläne, dass sich die AKN nur noch auf die Infrastruktur konzentriert und den eigentlichen Fahrbetrieb an ein anderes Unternehmen abgibt oder verliert. Da die AKN seit Jahren hohe Verluste einfährt und auch weiter einfahren wird, und früher oder später enorme Investitionen in den Fuhrpark anstehen, sieht die Zukunft deprimierend düster aus.

Das Unternehmen wehrt sich mit Händen und Füssen gegen Behauptungen der GDL, es würden Dumpinglöhne gezahlt; im Durchschnitt läge das Brutto-Durchschnittseinkommen bei monatlich 3.016,66 Euro.

Nach einem „Abendblatt“-Bericht deutet sich an, dass die GDL gerade einmal 20 bis 25 Mitglieder unter 83 Triebfahrzeugführer hat. Insgesamt zählt die Belegschaft etwas über 300 Köpfe.

Gut gegen Gut

Mit dem metronom legt sich die GDL mit einem Unternehmen an, das ausgerechnet als Musterknabe unter den privaten Eisenbahnbetrieben gilt. Das wird selbst von der GDL nicht bestritten, in einem Tarifkonflikt mit der ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) im letzten Jahr verwies die GDL sogar explizit auf das gute Gehalt beim metronom.

Ab dem 19.05.2011 verhandelten metronom und GDL, die Gewerkschaft zeigte sich auch anfangs recht angetan. Am 17.06.2011 scheiterte dann die Tarifverhandlung, wobei sich – wie üblich in solchen Situationen – die Streithähne gegenseitig die Schuld zuschieben.

Nach eigenen Angaben [PDF] bot der metronom durchaus respektable Dinge an.

Der von Metronom vorgeschlagene firmenbezogene Verbandstarifvertrag für alle tarifgebundenen Mitarbeiter beinhaltete folgenden Kernelementen:

• Einmalzahlung: 500,00 Euro brutto für jeden seit 1.7.2010 vollbeschäftigten Tarifmitarbeiter
• Verdopplung des Sonntagszuschlags sowie Erhöhung von Feiertags- und Nachtzuschläge
• 2 bis 3 % höhere Einkommen für alle Mitarbeiter, abhängig von der Betriebszugehörigkeit

Darüber hinaus wurde die Erweiterung der Entgelttabelle und Erfahrungszulagen für langjährige Triebfahrzeugführer und Fahrgastbetreuer sowie mehr Sicherheit im Falle eines Betreiberwechsels angeboten. Dieses Angebot wurde von der GDL abgelehnt.

Die GDL giftete dagegen ausgerechnet mit dem Sachverhalt, dass der metronom eine gute Vergütung zahle, und macht ein erstaunliches Fass auf:

„Für die GDL sieht es klar danach aus, dass die metronom von den Gesellschaftern, allen voran der italienischen Netinera-Gruppe, an die Wand gefahren werden soll“, so der Vorsitzende des GDL-Bezirks Nord, Lutz Schreiber. „Gerade die kürzlich nicht erfolgten Bewerbungen auf Ausschreibungen mit dem hohen Tarifniveau der metronom spiegeln wider, dass nach dem Willen der Gesellschafter der Wettbewerb weiterhin über das Einkommen und damit auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden soll.“ […] Außerdem bestreitet der Arbeitgeber selbst die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens wegen des heute – angeblich – schon hohen Einkommensniveaus. Das ist zwar Unsinn, jedoch will der Arbeitgeber schon das Feld bestellen, um das Ende des Unternehmens vorzubereiten.

Also: Das gut-zahlende Unternehmen lässt Tarifverhandlungen scheitern, weil die Gesellschafter das eigene, erfolgreiche Unternehmen an die Wand fahren wollen.

Diese Behauptung wirkt nicht nur erstaunlich paradox und konstruiert, es duftet geradezu nach einer obskuren Verschwörungstheorie. Was das für eine ominöse Ausschreibung gewesen sein soll, auf die sich der metronom angeblich nicht bewarb (was im Übrigen Hunderte Gründe haben kann), geht aus der Mitteilung nicht hervor.

Kein Ende in Sicht

Die Fronten sind derart verhärtet, dass ein Ende der Streikerei nicht absehbar ist. Speziell die GDL vergreift sich immer öfters im Ton (selbst im sowieso schon martialistischen Gewerkschaftersprech) und wirkt mit ihren Behauptungen äußerst unseriös, geradezu unglaubwürdig. Der Underdog verliert langsam aber sicher jegliche Sympathie.

Seit Montag, 20.06.2011, wird der metronom und bereits seit Freitag, 17.06.2011 die NOB unbefristet lahmgelegt. Die AKN dürfte auch bald wieder dran sein. ♦

Streikpause

Die GDL kündigt an, bis zum 01.05.2011 auf weitere Streikmaßnahmen bei den „privaten“ Eisenbahnunternehmen – unter anderem NOB, metronom und AKN – zu verzichten. Bisher habe die Gewerkschaft 179 Stunden die Betriebe lahmgelegt, alle in der GDL organisierten Lokführer hätten sich am Arbeitskampf beteiligt. Durchschnittlich 70 % der Züge aller bestreikten Unternehmen seien ausgefallen.

Die NOB teilte am 20.04.2011 mit, das gut 70 % ihrer Züge trotz Streik fuhren; laut einem Bericht des „Hamburger Abendblatt“, legten bei der AKN von 83 Triebfahrzeugführer zwischen 20 und 25 die Arbeit nieder. Schwer erwischt hat es der metronom, bei dem nach eigenen Angaben [PDF] nahezu 80 % der Züge nicht verkehrten.

TV-Bericht zum Arbeitskampf der Lokführer

Martialische Begriffe wie Arbeitskampf werden gerne bei Tarifkonflikten gewählt, denn formal handelt es sich um eine Art Krieg – die Arbeitnehmer, vertreten durch ihre Gewerkschaft, möchten etwas kriegen (im Sinne von bekommen). Namentlich mehr Asche aufs Konto.

Etwas Treffendes soll dazu Otto von Bismarck gesagt haben:

„Es wird niemals soviel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.“

Dies vorausgeschickt sei ein Bericht in den ARD-Tagesthemen von gestern wärmstens empfohlen. In dem geht es unter anderem darum, dass der metronom bereits gute Löhne zahle, wie es sich mit den Gewerkschaften im Bahnbereich verhält (die sich gegenseitig die Augen auskratzen) und warum die Arbeitgeber (übrigens vertreten durch Ulrike Riedel, die im HOCHBAHN-Vorstand sitzt) nicht gedenken, der GDL nachzugeben.

Sofern man nicht selber betroffener Pendler ist, wäre eine Tüte Popcorn passend.

Lokführerstreik wird 60 Stunden fortgeführt

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, GDL, ruft knall auf fall ihre Mitglieder erneut zum Streik auf, und dürften so nicht gerade für einen gelungenen Wochenstart bei betroffenen Pendlern sorgen. Immerhin wird erst ab 14 Uhr die Arbeit niedergelegt, man kommt also noch gut zum Job, nur der Weg nach Hause dürfte hackelig werden.

Lahmgelegt werden in der Metropolregion, wie gehabt, die AKN, der metronom und die Nord-Ostsee-Bahn, NOB. Im einzelnen:

  • A1, A2, A3 (AKN)
  • R30 (metronom)
    Hamburg Hbf ↔ Uelzen
  • R40 (metronom)
    Hamburg Hbf ↔ Bremen
  • R50 (metronom)
    Hamburg Hbf ↔ Cuxhaven
  • R60 (NOB)
    Altona/Hamburg Hbf ↔ Westerland
  • R70 (NOB)
    Altona/Hamburg Hbf ↔ Kiel/Flensburg

Die Züge der Deutschen Bahn fahren wie gewohnt.

In dieser Runde will die GDL den Arbeitgebern 60 Stunden lang zeigen, was eine Harke ist. Der Streik soll bis Donnerstag, 21.04.2011, 2 Uhr andauern.

Lokführer von Privatbahnen zum Streik aufgerufen

Eine gute und eine weniger gute Nachricht für Pendler aus der Metropolregion, zuerst die Gute: Ab Donnerstag kommt es bei den Privatbahnen 48 Stunden lang zu seltenen Verspätungen oder verpassten Anschlüssen.

Die weniger gute: Die meisten Züge fahren nicht. Die Mini-Gewerkschaft GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer) ruft ihre Mitglieder erneut zum Streik auf, nachdem offenbar die Arbeitgeber auf stur schalteten. Beim aktuellen Arbeitskampf geht es um einen einheitlichen Lohntarif; egal bei welchem Unternehmen, Lokführer sollen überall einheitlich bezahlt werden.

Wie immer sollte das „Privat“ nicht wörtlich genommen werden, wie beim Privatfernsehen, denn bei den Eisenbahnunternehmen ist alles privat, was kein DB-Emblem trägt. Bei uns sind laut GDL folgende Anbieter betroffen, die Links führen jeweils zu aktuellen Fahrplanhinweisen:

Der Spaß beginnt am Donnerstag, 14.04.2011, 2 Uhr und geht bis Samstag, 16.04.2011, ebenfalls 2 Uhr.
— Foto: ©GDL

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